Doping Ullrich bis zum Frühjahr gesperrt

Jan Ullrich ist mit einem blauen Auge davongekommen. Der Bund Deutscher Radfahrer sah von der höchstmöglichen Sperre für den Dopingsünder ab und zog den Telekom-Profi bis März kommenden Jahres aus dem Verkehr.

Frankfurt am Main - Ullrich ist am Dienstag vom Verbandssportgericht für sechs Monate gesperrt worden. Dem Olympiasieger und Tour-de-France-Gewinner von 1997, der außerdem eine Geldbuße von 2000 Schweizer Franken (rund 1400 Euro) bezahlen muss, waren am 12. Juni bei einer Dopingkontrolle während seiner Rehabilitation nach einer Knieoperation verbotene Amphetamine nachgewiesen worden.

Die Sperre der BDR-Richter gilt eigentlich nur für sechs Monate, verlängert sich aber bis zum 23. März. Die Wintermonate Dezember und Januar wurden ausgeklammert, da in dieser Zeit keine Rennen ausgetragen werden. Als Höchststrafe hatte Ullrich eine Sperre von einem Jahr gedroht.

Doch davon sah das dreiköpfige BDR-Sportgericht unter dem Vorsitz des Frankfurters Peter Barth ab. "Ullrich hat das Mittel nicht eingenommen, um sich einen Leistungsvorteil zu verschaffen", begründete Barth die Entscheidung. Man habe die Einnahme des verbotenen Stimulanzmittels Amphetamin nicht als "Doping im engeren Sinne" bewertet, sondern als Verstoß gegen das Dopingkontrollreglement, so Barth.

Kampf um Sponsoren

Der derzeit verletzte und von Team Telekom beurlaubte Ullrich hatte am 6. Juli zugegeben, bei einem Discobesuch zwei Tabletten geschluckt zu haben. Auf eine B-Probe hatte Ullrich verzichtet, jedoch jede Dopingabsicht bestritten. Die Staatsanwaltschaft München hat ebenfalls Ermittlungen gegen ihn eingeleitet. Ullrich dürfte die Sperre wenig schmerzen, da er wegen seiner Kniebeschwerden dieses Jahr ohnehin keine Wettkämpfe bestreiten wollte. Er befindet sich derzeit in den USA.

Wie es für Ullrich nach dem Urteilsspruch weitergeht, ist unklar. Sein Manager Wolfgang Strohband setzte sich unmittelbar nach Bekanntwerden des Urteils mit den Sponsoren in Verbindung. "Wichtig für die Verhandlungen ist, dass Jan kein Betrugsversuch unterstellt wurde", sagte Strohband. Insgesamt hat Ullrich Sponsoreneinnahmen von jährlich etwa 2,5 Millionen Euro.

Armstrong: "Er kommt wieder"


"Das ist eine Nicht-Sperre über den Winter. Aber es war sicher mehr die Tat eines dummen Jungen als versuchter Betrug an Konkurrenten. Er kommt wieder", kommentierte Lance Armstrong die Nachricht im Zielraum der 15. Etappe der Tour de France in Les Deux-Alpes. Der Texaner und alte Rivale Jan Ullrichs ist vom Comeback des ehemaligen Team-Telekom-Kapitäns überzeugt.

Bei Telekom hingegen hielten sich die Offiziellen mit Aussagen zurück. "Jetzt kann ich das nicht kommentieren. Zum Ende der Tour werden wir dazu offiziell Stellung nehmen", sagte am Dienstag Team-Manager und Ullrich-Arbeitgeber Walter Godefroot. Team-Sprecher und BDR-"Vize" Olaf Ludwig wollte "nichts bewerten, bevor wir die schriftliche Urteilsbegründung haben."

Pläne mit zwei Varianten


Ullrichs Team plant die sportliche Zukunft bis 2005 zweigleisig: Sollte dem zweifachen Zeitfahr-Weltmeister das angekündigte Comeback gelingen, umso besser. Wenn nicht, werde auch vorgesorgt, so Godefroot, der bereits am Montag etwas auf Distanz zu seinem gefallenen Star gegangen war: "Ich weiß im Moment nicht, ob Jan noch Radfahrer ist." BDR-Präsidentin Sylvia Schenk, die vor knapp drei Wochen lange Gespräche mit Ullrich führte, ist in erster Linie daran interessiert, dass der Rad-Profi mental "wieder in die Reihe" kommt.

"Wenn ein Comeback gelingen soll, muss sich Jan 100 Prozent mit den Besten messen wollen", verlangt Godefroot, der wie Schenk unterstrich, dass sich zuerst der Mensch Ullrich wieder finden muss. "Wir machen Pläne mit zwei Varianten - mit und ohne Ullrich", so der Belgier, als er das weitere Engagement seines Sponsors Telekom bis 2005 bekannt gab.

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