kicker.tv

Doping-Urteil Sportgericht spricht Jan Ullrich schuldig

Ein jahrelanger Rechtsstreit geht zu Ende: Der Internationale Sportgerichtshof Cas hat Jan Ullrich wegen Dopings verurteilt. Sein dritter Platz bei der Tour de France 2005 wird gestrichen. Der frühere Rad-Profi darf jetzt offiziell als Dopingsünder bezeichnet werden.

Hamburg - Der frühere Radstar Jan Ullrich ist vom Internationalen Sportgerichtshof Cas wegen Dopings schuldig gesprochen worden. Sein dritter Platz bei der Tour de France 2005 wurde ihm darüber hinaus aberkannt. Wie die Richter am Donnerstag in Lausanne mitteilten, sei eine Verstrickung Ullrichs in die Doping-Affäre um den spanischen Mediziner Eufemiano Fuentes bewiesen. Einen Antrag des Rad-Weltverbands UCI, Ullrich lebenslang für alle Aktivitäten im Radsport zu sperren, wies der Cas allerdings ab.

Ullrich war wegen der Verwicklung in den Skandal um Dopingarzt Fuentes nur einen Tag vor dem Start von der Tour de France 2006 ausgeschlossen worden. Sein Arbeitgeber, das damalige Team T-Mobile, kündigte dem Radsportler daraufhin fristlos. Der heute 39-jährige Ullrich, der 1997 als bislang einziger Deutscher die Frankreich-Rundfahrt gewonnen hatte, betonte stets, dass er nie jemanden betrogen habe.

Nach Ansicht des Cas ist eine Zusammenarbeit Ullrichs mit Fuentes spätestens zum 1. Mai 2005 bewiesen. Daher würden alle Ergebnisse von dem Tag an aus den Ergebnislisten gestrichen. Neben Platz drei bei der Frankreich-Rundfahrt im selben Jahr betrifft dies auch Ullrichs Sieg bei der Tour de Suisse 2006.

Fotostrecke

Cas-Urteil: Dopingsünder Ullrich

Foto: Bernd Thissen/ dpa

Von Ullrich selbst gab es noch keine Reaktion. Sein Manager Falk Nier kündigte eine Stellungnahme für Donnerstagabend oder Freitagmorgen an. Am Tag vor dem Urteil hatte der Radstar noch angekündigt, er freue sich auf den Cas-Spruch. "Dieser Tag ist ein Glückstag für mich", hatte er am Mittwoch gesagt.

Der Schweizer Verband, bei dem Ullrich wegen seines Wohnsitzes registriert war, war vom Radsport-Weltverband UCI 2006 beauftragt worden, ein Verfahren gegen Ullrich zu eröffnen. Die Ermittlungen wurden jedoch nach mehr als drei Jahren eingestellt. Man habe keine "Disziplinargewalt", hieß es damals von der für Dopingfälle zuständigen Swiss Olympic Association. Dagegen hatte die UCI im Januar 2010 Einspruch eingelegt und den Fall vor den Cas gebracht. Der Sportgerichtshof hatte das Urteil bereits dreimal hinausgeschoben.

Thomas Bach, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, begrüßte es, dass "jetzt Klarheit herrscht". Das Cas-Urteil bezeichnete er als "deutlich". Bach ergänzte: "Es ist bedauerlich, dass Jan Ullrich nicht vorher die Chance ergriffen hat, um von sich aus Klarheit zu schaffen. Wir hoffen auch in seinem eigenen Interesse, dass er zumindest jetzt einsichtig ist und sich entsprechend erklärt."

aha/sid