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07. Juli 2010, 14:12 Uhr

Doping-Vorwürfe

US-Behörde ermittelt wegen Betrugs gegen Armstrong

Rekord-Tour-Sieger Lance Armstrong droht neues Ungemach: Die US-Arzneimittelbehörde ermittelt wegen Betrugs und Verschwörung gegen Armstrongs früheres Team US Postal. Auch die Welt-Anti-Doping-Agentur bestätigte laufende Untersuchungen.

Hamburg - Die US-Bundesbehörde, die im Fall von Lance Armstrongs' früherem Team US Postal prüft, ob Dopingmittel und illegale Drogen gegen Geldzahlungen vertrieben wurden, weitet die Ermittlungen wegen des Verdachts auf Betrug und Verschwörung aus. Die Untersuchungen leitet Chefermittler Jeff Novitzky von der US-Arzneimittelbehörde, der bereits im Balco-Skandal aktiv geworden war.

Dabei könnte Lance Armstrong und früheren Verantwortlichen des US-Postal-Rennstalls ein amerikanisches Anti-Mafia-Gesetz zum Verhängnis werden. Seit 1970 gilt in den Vereinigten Staaten der Racketeer Influenced and Corrupt Organizations (Rico) Act, ein Bundesgesetz, das zur Bekämpfung der Organisierten Kriminalität und des Drogenhandels erlassen worden war.

Die Ermittler hatten sich eingeschaltet, weil der Radrennstall von der amerikanischen Post, einem Staatsunternehmen, als Hauptsponsor finanziert worden war. Der ehemalige Radprofi Floyd Landis, von 2002 bis 2004 Armstrongs Teamkollege, hatte berichtet, er sei bei US Postal in Dopingpraktiken eingeführt worden und habe von Armstrong persönlich Epo-Präparate erhalten.

Beschuldigte weisen Vorwürfe zurück

Landis hatte in E-Mails an den Radsport-Weltverband UCI und den nationalen Verband US Cycling die jahrelange Einnahme unerlaubter Substanzen zugegeben und zugleich Armstrong sowie weitere Profis von US Postal wie Levi Leipheimer, George Hincapie und David Zabriskie des Dopings bezichtigt. Unter anderem seien positive Tests bei der Tour de Suisse 2001 nicht öffentlich gemacht worden, hatte Landis behauptet.

Alle Beschuldigten wiesen die Vorwürfe zurück. Armstrong betonte, dass Landis "seine Glaubwürdigkeit vor langer Zeit verloren hat". Landis selbst hatte eingeräumt, dass er für seine Anschuldigungen keinerlei Beweise habe. Er wurde nach seinem Tour-Sieg 2006 des Testosteron-Dopings überführt. Der 34-Jährige verlor daraufhin seinen Titel und bekam eine zweijährige Sperre.

Auch bei der Wada haben die Doping-Anschuldigungen von Landis eine "signifikante Untersuchung" ausgelöst. Das sagte David Howman, Generaldirektor der Welt-Anti-Doping-Agentur. Die Wada habe dabei den US-Behörden geholfen, Kontakte zu europäischen Organisationen wie Interpol herzustellen. "Die Untersuchungen laufen bereits seit Wochen und ich denke, sie werden auch noch viele Wochen in Anspruch nehmen", sagte Howman.

jar/sid/dpa

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