Doping Wada verzichtet auf Sanktionen gegen Russland

Obwohl gegen Auflagen verstoßen wurde, wird Russland nicht erneut suspendiert. Die Welt-Anti-Doping-Agentur zeigt sich gnädig - eine endgültige Lösung im russischen Dopingskandal ist dies aber noch nicht.

Rusada-Chef Juri Ganus
AP

Rusada-Chef Juri Ganus

Von Thilo Neumann


Die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) verzichtet auf eine erneute Suspendierung Russlands. Das entschied das Wada-Exekutivkomitee bei einer Telefonkonferenz am Dienstag. "Wir sind übereingekommen, dass keine weitere Sanktion ausgesprochen werden soll", sagte Wada-Präsident Craig Reedie. Damit stellt sich die Wada gegen die Forderungen zahlreicher Antidopingorganisationen und Sportler, die sich für einen erneuten Ausschluss Russlands stark gemacht hatten.

Die russische Anti-Doping-Behörde (Rusada) bleibt somit von der Wada vorläufig weiter zugelassen. Die Rusada war im November 2015 im Zuge des russischen Dopingskandals suspendiert worden. Trotz zahlreicher Kritik hob die Wada diese Sperre allerdings im September 2018 unter Auflagen auf. Diese sahen unter anderem vor, dass die Wada bis Ende des vergangenen Jahres Zugriff auf Daten aus dem Moskauer Dopingkontrolllabor erhält.

Diese Frist hatte Russland aber nicht eingehalten. Zwar waren Wada-Experten bereits im Dezember nach Moskau gereist, ohne jedoch an die Daten zu gelangen. Die russischen Behörden verlangten von der Delegation, dass ihre technische Ausrüstung für die Datenentnahme nach russischem Recht zugelassen werden müsse. Das war laut Wada zuvor so nicht besprochen worden.

Erst in der vergangenen Woche gelang es Experten der Welt-Anti-Doping-Agentur, die Daten in Moskau zu sichern. Die Informationen - laut Wada-Chefermittler Günter Younger "über 20 Terabyte an Daten" - könnten dabei helfen, Athleten zu identifizieren, die in das russische Dopingsystem involviert waren. Noch ist aber unklar, wie brauchbar die Datensätze sind - die Wada muss zunächst die Echtheit des Materials prüfen. Erweist es sich als authentisch, sollen in einem weiteren Schritt Urin- und Blutproben der verdächtigen Sportler erneut getestet werden.

Enttäuschung und Erleichterung

Bei der aktuellen Entscheidung folgten die elf Mitglieder des Exekutivkomitees der Empfehlung eines Expertengremiums unter Vorsitz des Briten Jonathan Taylor. Dieser hatte sich vergangene Woche in einem Brief an Wada-Generalsekretär Olivier Niggli gegen eine erneute Sanktion ausgesprochen, obwohl Russland die Frist zur Übergabe der Daten gerissen hatte. "Entscheidend war, die Daten zu erhalten", schrieb Taylor, "und das ist jetzt geschehen."

Travis Tygart, Vorsitzender der US-Anti-Doping-Agentur (Usada), zeigte sich enttäuscht von der Entscheidung: "Der Entschluss, Russland weiter zuzulassen, obwohl sie eine Frist verletzt haben und bevor die Echtheit der Daten bestätigt wurde, war leider absehbar. Es ist offensichtlich, dass es einen Wandel braucht für ein System, das einzelne Athleten zur Rechenschaft zieht, aber es Staaten erlaubt, massiv zu betrügen und die Olympischen Spiele zu beschädigen".

Rusada-Chef Juri Ganus zeigte sich nach der Entscheidung erleichtert. "Wir sind vorübergehend vom Weg abgekommen. Wir können nun unsere Arbeit fortsetzen", sagte er russischen Medien zufolge. "Gratulation an Sportler, Manager und alle, die unseren Sport unterstützen." Ganus hatte immer wieder davor gewarnt, dass russische Sportler nicht mehr an internationalen Wettkämpfen teilnehmen dürften, sollte Russland nicht die Wada-Bedingungen erfüllen. Er versprach, auch die weiteren Verpflichtungen zu erfüllen.



insgesamt 2 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
HubertusK 23.01.2019
1. Alles viel zu lasch
Wenn jemand des Dopings überführt ist, sollte er lebenslang gesperrt werden. Nur das schreckt ab.
FK-1234 23.01.2019
2. Eigentor
...seitens der WADA. Einmal mehr. Glaubwürdigkeit im Kampf gegen Doping sieht anders aus. Man muss sich doch nur das jahrelange Verhalten Russlands im Kampf gegen Doping anschauen. Eigentlich ist es kein Kampf gegen, sondern für Doping...sofern es den eigenen Interessen dient. Jede Schwäche der Prüfer ist Anlass, Staatsdoping fortzuführen. Dabei wurde bereits jahrelang betrogen. Ich möchte in Erinnerung rufen, dass Menschen in Russland, die Doping russischer Athleten aufdecken um ihr Leben fürchten müssen. Sieht so etwa Unrechtsbewusstsein aus ?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.