Dopingexperte Franke "Voller Verachtung für den Weltverband"

Der Dopingexperte Werner Franke hält das Anti-Doping-System des internationalen Leichtathletikverbandes für eine Farce. Denn dass es bei den Weltmeisterschaften in Helsinki nur eine positive Probe gegeben hat, sei nicht auf die Sauberkeit der Athleten zurück zu führen.

Helsinki - Franke versichert, dass er Fakten und Beweise besitze, die belegen würden, dass auch nach der Balco-Affäre in den USA Dopinglabors ihre Arbeit fortsetzen und den Markt beliefern würden. Eines dieser Labors befinde sich in den Vereinigten Staaten, das andere sei in Osteuropa, sagte der Molekularbiologe aus Heidelberg, ohne aber genauer zu werden.

Stattdessen attackierte Franke den internationalen Leichtathletikverband (IAAF) schwer. Denn dass bei der WM in Helsinki nur die indische Diskuswerferin Neelam Jaswant Singh der Einnahme verbotener Mittel überführt worden ist, bewertet Franke als Folge der laxen Kontrollen des Verbandes. "Das Doping-Kontrollsystem der IAAF war und ist ineffizient, weil der Weltverband keine effizienten Kontrollen will. Ich bin voller Verachtung für den Verband. Von Helsinki habe ich sowieso nichts anderes erwartet. Dort wurde auch schon bei der ersten WM 1983 kein einziger Athlet überführt, obwohl, wie auch durch die DDR-Strafprozessordnung belegt, die Athleten bis zur Halskrause voll waren", so der Heidelberger Professor.

Franke bemängelt weiter, dass die Dopingkontrollen vor Helsinki viel zu spät genommen worden seien, teilweise erst drei Tage vor den Wettkämpfen. "Sie hätten eine Woche vorher stattfinden müssen." Und um Steroide nachweisen zu können, wären noch frühere Tests notwendig gewesen. Zudem würden viele Länder, auch die USA, ihre Athleten in Ausreisekontrollen testen, wie das früher auch in der DDR die Regel gewesen war. "Wer nicht clean ist, startet nicht", versichert der Dopingexperte. "Die Athleten werden von ihren Labors richtig eingestellt."

Den Dopingfahndern würde die Arbeit allerdings auch durch neue Desginerdrogen erschwert, die in ihrer Zusammensetzung noch nicht bekannt seien und deswegen nicht auffielen. "In ein bis zwei Tagen ist das Zeug wieder raus aus dem Körper." Außerdem hätten frühere Dopingfahnder die Fronten gewechselt und würden nun selber verbotene Substanzen herstellen. Franke: "Der frühere Doping-Chef von Olympia in Atlanta arbeitet heute für eine der amerikanischen Diagnostik-Firmen, ebenso ist der Leiter des früheren Moskauer Doping-Labors für diese Firma tätig, die - wie durch Gerichtsakten belegt - absichernde Urin-Kontrollen für Balco-Athleten wie Marion Jones gegen Barzahlung durchführt. Die Sportwelt wird immer noch verarscht und belogen", so der Professor.