Dopingfall Balzer DNS-Analyse könnte Klarheit bringen

Der Hürdensprinter Falk Balzer sieht sich ungerechtfertigterweise unter Dopingverdacht und erwägt nun sogar einen Gentest, um seine Unschuld zu beweisen.


Falk Balzer ist sich keiner Schuld bewusst
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Falk Balzer ist sich keiner Schuld bewusst

Hamburg - Damit könnte erstmals im deutschen Sport eine DNS-Analyse zur Klärung eines Dopingfalls angewendet werden. Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) hatte dem in der A-Probe positiv auf das anabole Steroid Nandrolon getesteten und inzwischen suspendierten Hallen-WM-Dritten über 60 Meter Hürden das Angebot einer DNS-Analyse unterbreitet. Auf diesem Wege sollen die Zweifel über die Identität der am 19. Januar 2001 bei einer Trainingskontrolle genommenen Urinprobe beseitigt werden.

Balzers Anwalt Peter Klemisch hatte bezweifelt, dass die vor Ort von Balzer genommene Probe mit der im Anti-Dopinglabor in Kreischa analysierten Probe übereinstimme. "Wir haben dem DLV Unterlagen vorgelegt, die erheblichen Zweifel daran lassen, dass die abgegebene und die analysierte Urinprobe identisch sind." Der Jurist begründete seinen Verdacht mit Abweichungen bei der Harndichte. Die Öffnung der B-Probe wurde von Klemisch bereits beantragt und soll am 5. März erfolgen

"Es ist natürlich eine prekäre Situation"

Balzer - nach 5000-Meter-Olympiasieger Dieter Baumann und dem Ringer Alexander Leipold ist er der dritte prominente Fall mit Nandrolon - äußerte sich am Freitagabend erstmals nach seiner Suspendierung in der Öffentlichkeit. "Es ist natürlich eine prekäre Situation, in die ich da geraten bin. Jetzt heißt es, einfach ruhig und mit aller Sachlichkeit die Situation anzugehen", erklärte Balzer in einem Fernseh-Interview mit dem Mitteldeutschen Rundfunk.

Zunächst hatte Balzer sogar die Einklagung eines Startrechts für die deutschen Hallenmeisterschaften am Wochenende in Dortmund erwogen, diese Möglichkeit dann aber verworfen. "Ich habe sehr lange darüber mit meinen Beratern gesprochen, auch mit dem Rechtsanwalt. Im Endeffekt haben sie mir die Entscheidung überlassen und ich bin zu der Entscheidung gekommen, dass ich nicht von diesem Recht Gebrauch machen werde."

Er hätte es den anderen Athleten gegenüber für unfair erachtet, wenn er als vorbelasteter Athlet - "ob schuldig oder nicht" - in Dortmund an den Start gegangen wäre. Gegenüber dem Präsidenten des TuS Jena habe der Hürdenläufer versichert, "keine verbotenen Substanzen eingenommen zu haben", teilte Balzers Heimatverein mit.

"Keinerlei Hinweise auf eine Vertauschung der Proben"

Klaus Müller, Leiter des Anti-Dopinglabors in Kreischa, wies den Verdacht auf eventuelle Manipulationen energisch zurück. "Wir haben keinerlei Hinweise auf eine Vertauschung der Proben. Die Flasche ist fest versiegelt angekommen. Der Athlet hat für die Authentizität des Urins unterschrieben." Er wisse nicht, so Müller, wo da etwas passiert sein könnte.

Eine DNS-Analyse zur zweifelsfreien Identifikation von Urinproben war erstmals 1992 im Fall Katrin Krabbe erwogen worden, zum damaligen Zeitpunkt aber noch nicht durchführbar gewesen. In der so genannten "Pipi-Affäre" waren die Proben der Leichtathletinnen Krabbe, Grit Breuer und Manuela Derr identisch gewesen, was den Verdacht der Manipulation nahe gelegt hatte.

Zuerst hat Falk Balzer jedoch zum Beweis seiner Unschuld die Öffnung seiner B-Probe beantragt. Nach Auskunft von Dopingfachmann Müller wird die zweite Analyse am 5. März vorgenommen. Dieser Schritt werde laut Müller jedoch den Dopingverdacht nicht entkräften können. Dafür habe der Wert von 10,2 Nanogramm pro Milliliter Urin zu hoch über der erlaubten Menge von 2,0 gelegen.



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