Dopingfall Busch Nada kündigt Vertrag mit Eishockey-Bund

Heftige Reaktion der deutschen Dopingjäger: Die Nationale Anti-Doping-Agentur Nada zieht die Konsequenzen aus dem Streit mit dem Deutschen Eishockey-Bund und beendet mit sofortiger Wirkung die Zusammenarbeit. Somit wird es vorerst keine Trainingskontrollen mehr geben.


Hamburg - Die Nada hat aus dem Fall des deutschen Eishockey-Nationalspielers Florian Busch die Konsequenzen gezogen und den Vertrag mit dem Deutschen Eishockey Bund (DEB) über die Trainingskontrollen gekündigt. Diesen Entschluss verkündete der Nada-Vorstand bei einer Pressekonferenz am Montag in Frankfurt am Main.

Eishockey-Profi Busch (r.): Auslöser eines großen Streits
DPA

Eishockey-Profi Busch (r.): Auslöser eines großen Streits

"Entweder hat der DEB die sportpolitische Brisanz dieses Falls nicht erkannt oder er glaubt, die Angelegenheit aussitzen zu können. Die logische Konsequenz daraus ist die Kündigung des Vertrages über die Trainingskontrollvereinbarung mit dem DEB", begründete der Nada-Vorstandsvorsitzende Armin Baumert den Schritt. Der Nada-Kuratoriumsvorsitzende Hanns Michael Hölz kritisierte: "Das Verhalten des DEB ist ein Schlag ins Gesicht für alle die Sportler, die sich auf dem Weg nach Peking an alle Kriterien des Kontrollsystems halten."

Nada-Sprecherin Ulrike Spitz machte trotz des deutlichen Vorgehens klar, dass auf lange Sicht eine gemeinsame Lösung gesucht werden soll. "Ziel ist ganz klar eine Einigung in diesem Fall", sagte Spitz SPIEGEL ONLINE.

Der DEB will mit Nada nun so schnell wie möglich einen neuen Vertrag über Trainingskontrollen abschließen. Wie DEB-Vizepräsident Uwe Harnos bei der Weltmeisterschaft in Halifax sagte, soll es am 16. Mai dazu ein Treffen geben. Harnos hatte zuvor mit dem Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Michael Vesper, telefoniert, der in der Sache vermittelt. Der DEB-Vizepräsident betonte, der Verband sei davon überzeugt, im Fall Florian Busch die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

Busch hatte am 6. März eine unangemeldete Dopingkontrolle zunächst verweigert und fünf Stunden später nachgeholt. Die Probe war negativ. Der DEB hatte daraufhin eine öffentliche Verwarnung ausgesprochen und eine Geldstrafe in Höhe von 5000 Euro sowie 56 Stunden gemeinnützige Arbeit verhängt. Die Nada wertet dagegen den verweigerten Test gemäß ihres Codes als positiven Test und verlangt eine Sperre. Nada-Geschäftsführer Christoph Niessen erklärte, bei ähnlichen Fällen seien die Sportler jeweils für zwei Jahre gesperrt worden. Er verwies auf einen Fall in der deutschen Leichtathletik aus dem vergangenen Jahr, dessen Namen er aber wegen der Schweigepflicht nicht nennen dürfe.

Die eingeschaltete Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) verzichtete bislang auf den Gang vor den Internationalen Sportgerichtshof Cas. "Inhaltlich sind sie mit uns natürlich auf gleicher Linie und haben uns auch in unserem Urteil bestärkt", sagte Sprecherin Spitz. Die Nada-Sprecherin widersprach dem Eishockey-Verband, der vermeldet hatte, der Fall sei abgeschlossen. "Wir haben intensiven Kontakt mit der Wada", so Spitz. "Wir wissen, dass die Wada noch mögliche Rechtsmittel bezüglich Florian Busch prüft."

DOSB-Generalsekretär Vesper appellierte an beide Parteien, sich nach der WM wieder an einen Tisch zu setzen. "Das kann nicht das letzte Wort gewesen sein. Wir müssen zu einer dem starken deutschen Doping-Kontrollsystem gerecht werdenden Lösung kommen", sagte Vesper. Er habe die Klärung des Falls durch die Deutschen Institution für Sportgerichtsbarkeit (DIS) oder den Internationalen Sportgerichtshof Cas in Lausanne vorgeschlagen.

fpf/sid/dpa



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