Dopingforscher "In zwei Jahren erwischen wir alle"

Weil seine B-Probe in Athen falsch gelagert wurde, kann Radprofi Tyler Hamilton kein Blutdoping bei Olympia nachgewiesen werden. Seine Goldmedaille darf der US-Amerikaner behalten. Derweil kündigen australische Forscher an, dass sie Dopingsünder bald auch noch Jahre nach dem Betrug überführen können.


Teströhrchen mit Blutproben: Ergebnisse auch acht Jahre nach dem Betrug
DDP

Teströhrchen mit Blutproben: Ergebnisse auch acht Jahre nach dem Betrug

Brisbane - Dass Tyler Hamilton sich zumindest einmal mit Fremdblut gedopt hat, steht nach der positiven B-Probe bei der spanischen Vuelta fest. Möglich wurde Hamiltons Überführung durch einen neuen Test, der in den Dopinglaboren von Athen, Lausanne und Sydney entwickelt worden war. Auch bei seinem Olympiasieg soll der Zeitfahr-Spezialist geschummelt haben. Doch die B-Probe von Athen konnte nicht analysiert werden, weil sie zu wenige rote Blutkörperchen enthielt. Die Probe war fälschlicherweise eingefroren worden. Normalerweise hätte sie einfach kühl gelagert werden müssen, doch durch die zu niedrigen Temperaturen zerfielen die Blutkörperchen. Das IOC stellte seine Ermittlungen gegen Hamilton daraufhin gestern ein.

Zu sicher sollte sich der suspendierte Kapitän des Schweizer Phonak-Teams aber trotzdem nicht sein. Schon kündigen Forscher an, bald einen Test entwickelt zu haben, mit dem sie Betrügern auch noch acht Jahre nach ihrem Vergehen auf die Schliche kommen können. "Wir arbeiten an einem Verfahren, mit dem jegliche Art von Doping nachgewiesen werden kann, und hoffen, damit in zwei Jahren fertig zu sein", sagte der australische Wissenschaftler Michael Ashenden in einem Interview mit AP. Ashenden hatte zusammen mit anderen Forschern bereits den Test entwickelt, mit dem Hamilton bei der Vuelta überführt wurde.

Phonak-Kapitän Hamilton (Mitte): "Diese Geschichte ist noch nicht beendet"
REUTERS

Phonak-Kapitän Hamilton (Mitte): "Diese Geschichte ist noch nicht beendet"

Auch tiefgefrorene Proben sollen laut Ashenden mit Hilfe der geplanten Methode verwertbare Ergebnisse liefern. "Unsere jetzigen Tests sind von intakten roten Blutkörperchen abhängig. Und wenn man die Proben einfriert, ist das ein Problem", so der Australier. "Aber die nächste Testgeneration wird auf Blutserum basieren, und das kann man für immer einfrieren." Deshalb sei es auch kein Problem, Proben jetzt tiegekühlt zu lagern und erst in zwei Jahren zu analysieren, wenn der Test entwickelt ist. "Wir können bis zu acht Jahre mit der Untersuchung warten", so Ashanden weiter. Die Sportler müssten daher sofort mit Blutdoping aufhören, wenn sie nicht erwischt werden wollten.

Ganz so sicher, wie er jetzt glaubt, hat Hamilton seine Goldmedaille von Athen also doch noch nicht. Auch der Wissenschaftler Ross Brown, der mit Ashenden am Royal Prince Alfred Hospital in Sydney arbeitet, sagt: "Ich glaube nicht, dass diese Geschichte schon beendet ist."



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