Dopingkontrolle Griechische Sportstars im Zwielicht

Ekaterina Thanou und Kostas Kenteris beherrschen weiterhin die olympischen Schlagzeilen. Die beiden griechischen Sportstars erschienen verspätet zu einer Doping-Kontrolle, und gaben keine Probe mehr ab. Die Anhörung des Internationalen Olympischen Komitees können sie ebenfalls nicht wahrnehmen.

Athen - Kenteris und Thanou seien in der Nacht zum Freitag nach einem gemeinsamen Motorradunfall verletzt ins Krankenhaus gebracht worden, berichtet die BBC. Sie beruft sich dabei auf einen Sprecher des griechischen Olympiateams. Schwer verletzt seien die Sportler aber nicht.

Bisher ist unklar, warum der 200-Meter-Olympiasieger und die Sprint-Europameisterin am Donnerstag nicht zu einer Dopingkontrolle erschienen waren, die für 18.15 Uhr Ortszeit angesetzt war. Beide trafen erst gegen 23 Uhr in der Poliklinik des Olympischen Dorfes ein. Wie IOC-Präsident Jaques Rogge bestätigte, gaben sie jedoch keine Probe mehr ab. Der Unfall ereignete sich erst im Anschluss daran.

Das IOC teilte in der Nacht zum Freitag mit, dass es seine Disziplinarkommission einberufen hat. Sie soll unter dem Vorsitz des deutschen IOC-Mitglieds Thomas Bach prüfen, ob eine Verletzung der olympischen Anti-Doping-Regeln vorliegt. Offen blieb, wann die Kommission zusammenkommen wird. Kenteris soll heute um 12.30 Uhr Ortszeit aussagen, Thanou um 13 Uhr. "Die Athleten werden das Krankenhaus nicht verlassen. Sie sind dort, das ist bekannt. Und wenn das IOC dort hingehen und hören möchte, was sie zu sagen haben, steht es ihm frei", erklärte George Gakis, Sprecher des griechischen Olympia-Teams.

Zu klären wird vor allem sein, ob die Athleten die Kontrolle vorsätzlich verweigert oder nur versäumt haben. Eine Testverweigerung wird wie eine positive Kontrolle gewertet und mit einer zweijährigen Sperre geahndet. Dagegen zieht ein versäumter Test nur eine Verwarnung nach sich.

"Die Regeln müssen eingehalten werden"

Eine Anhörung der Sportler soll zur Aufklärung der Umstände dieser pikanten Affäre beitragen. "Wir gehen davon aus, dass das IOC die Sache neutral betrachten und Griechenland nicht absichtlich Schaden zufügen wird", sagte der griechische Chef de Mission, Ioannis Papadogiannakis, fügte aber an: "Egal ob Griechenland Gastgeber der Spiele ist: Die Regeln müssen eingehalten werden."

Für den Leichtathletik-Weltverband IAAF galt zunächst die Unschuldsvermutung. "Die Athleten konnten nicht informiert werden. Der Teamleiter berichtete, dass er sie nicht finden konnte. Es liegt bislang kein Beweis vor, dass dies als eine Verweigerung eines Doping-Tests interpretiert werden kann", erklärte IAAF-Generalsekretär Istvan Gyulai in einem Interview mit der dpa.

Nach Angaben des IOC haben seine Kontrolleure Olympia-Teamchef Papadogiannakis die Einbestellung von Kenteris und Thanou unmittelbar nach ihrem Eintreffen am Donnerstagnachmittag im Olympischen Dorf überbracht. Doch er habe die Sportler nicht in ihren Zimmern vorgefunden. Beiden sei eine Zwei-Stunden-Frist eingeräumt worden, um in der Athletendorf-Klinik zur Urin-Abgabe zu erscheinen. Stattdessen soll das griechische Duo das Dorf wieder verlassen haben.

Spitzname "unsichtbarer Adonis"

Papadogiannakis habe daraufhin dem IOC und der Welt-Antidoping-Agentur (WADA) schriftlich mitgeteilt, dass Kenteris und Thanou vor Ablauf der Frist nicht auffindbar gewesen seien. Sie sollen das Athletendorf verlassen haben, um in ihren Athener Wohnungen noch Sachen zu holen, und erst gegen 20.30 Uhr wieder aufgetaucht sein. Die Teamführung der Griechen habe daraufhin beantragt, beide doch noch zu testen.

Die beiden Sprinter sollen sich zuletzt in Chicago zum Training aufgehalten haben und waren nach Angaben von Kenteris-Trainer Christos Tzekos vorzeitig nach Griechenland zurückgekehrt. Bei einem Zwischenstopp in Deutschland soll sich Kenteris wegen Verletzungsproblemen medizinisch behandelt haben lassen.

Eigentlich sollte Kenteris nach Angaben eines NOK-Sprechers nicht einmal zur Eröffnungsfeier am Freitag zurückerwartet werden, obwohl er als heißer Kandidat für die Entzündung des Olympischen Feuers galt. Kenteris kandidiert für die Athletenkommission des IOC und könnte bei der Wahl in Athen als einer der vier Stimmbesten in das IOC aufgenommen werden.

Kenteris hat der Leichtathletik-Welt immer wieder Rätsel aufgegeben, weil er abgesehen von wenigen Ausnahmen fast nur bei Großereignissen auftauchte und sich damit den Spitznamen "Unsichtbarer Adonis" verdiente. Bei den Olympischen Spielen 2000 sorgte er mit seinem Sieg für eine Sensation. 2001 wurde er Weltmeister und 2002 Europameister in München. Auf die WM 2003 verzichtete er wegen einer Verletzung.

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