Dopingkontrolle Griechische Sprintstars abgetaucht

24 Stunden vor Eröffnung der Sommerspiele in Athen droht den beiden populärsten Leichtathleten im Team der Gastgeber der Ausschluss von Olympia. Griechenlands Sprint-Stars Kostas Kenteris und Ekaterini Thanou haben nach ihrer Ankunft in Athen eine unangemeldete Dopingkontrolle verweigert.


Konstantinos Kenteris bei seinem 200-m-Olympiasieg in Sydney
AFP

Konstantinos Kenteris bei seinem 200-m-Olympiasieg in Sydney

Athen - Beim Eintreffen im Athletendorf gegen 16.15 Uhr sollen Kenteris und Thanou zu einer Dopingkontrolle gebeten worden sein. Ihnen wurde eine Frist von zwei Stunden eingeräumt, die sie offenbar nicht eingehalten haben. Das griechische Nationale Olympische Komitee (NOK) war daraufhin zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen gekommen. Am spätern Abend bestätigte der Ausschuss die Verweigerung der Dopingkontrollen durch Kenteris und Thanou. Kenteris ist Olympiasieger, Welt- und Europameister über 200 Meter. Thanou wurde in Sydney Olympiazweite über 100-Meter.

Am Vormittag hatte die Antidoping-Weltagentur Wada erstmalige Dopingkontrollen bei den Spielen auf das Wachstumshormon HGH, die Designerdroge THG und den Sauerstoffträger Hemopure angekündigt. "Wir haben anerkannte Testverfahren und werden sie anwenden", sagte Wada-Chef Dick Pound. Ob die Griechen-Stars als erste in die Falle tappten, blieb vorerst Spekulation.

Zwischenstopp in Deutschland

Nach Angaben des griechischen Sprinttrainers Christos Tzekos hatte Kenteris auf der Anreise von einem Trainingsaufenthalt in Chicago einen Zwischenstopp bei Medizinern in Deutschland eingelegt, um geringfügige Blessuren behandeln zu lassen.

An den Tagen zuvor war über den Aufenthaltsort der griechischen Sprintasse gerätselt worden. Zu Wochenbeginn hatte der Chef de Mission der griechischen Olympiamannschaft, Yannis Papadoyannakis, noch erklärt, Kenteris werde bei der Eröffnungsfeier am Freitag nicht anwesend sein. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) bestätigte den Vorfall zunächst nicht. Der Leichtathletik-Weltverband IAAF erklärte, nicht über die Dopingkontrollen informiert gewesen zu sein.

Der geheimnisumwitterte Kenteris war zu den Großereignissen der vergangenen Jahre meist wie ein Sphinx aufgetaucht. Erstmals 2000 in Sydney, als er die Nachfolge von Weltrekordler Michael Johnson (USA) als Olympiasieger antrat. Fast nie ließ er sich seither bei internationalen Sportfesten blicken, räumt aber regelmäßig bei Großereignissen ab. Der Sensation bei Olympia (20,09) folgten der WM-Titel in Edmonton 2001 (20,04) und der EM-Sieg in München mit dem "Flachland-Europarekord" von 19,85 Sekunden. 2004 hatte Kenteris immerhin bereits zwei Auftritte: Im Juni lief er 100 Meter in 10,18 und die 200 Meter in 20,33.

Ekaterini Thanou war bereits 1997 auffällig geworden, als sie im Februar mit Trainer Tzekos in Dortmund vor einer Dopingkontrolle geflohen war.



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