Dopingkrise Milram plant Ausstieg aus dem Radsport

Das Ende des Radsports in Deutschland droht: Milram, letzter verbliebener Hauptsponsor eines deutschen Erstliga-Rennstalls, will seine Sponsorentätigkeit einstellen. Derzeit prüfen Anwälte den möglichen Zeitpunkt eines Rückzugs. Teammanager Gerry van Gerwen ist überrascht.


Hamburg - Dem Milram-Radrennstall droht aufgrund der anhaltenden Doping-Diskussionen das Aus. Der Hauptsponsor Nordmilch AG bestätigte einen Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", wonach man das Engagement derzeit prüfe.

Fahrer des Milram-Teams bei der Deutschland-Tour: Abschied auf Zeit?
DPA

Fahrer des Milram-Teams bei der Deutschland-Tour: Abschied auf Zeit?

Nach Angaben des Blattes klären Rechtsanwälte derzeit, ob ein Ausstieg beim Team Gerry van Gerwens bereits vor Ende des Vertrages 2010 möglich ist. Der Belgier zeigte sich im Gespräch mit der "FAZ" überrascht: "Ich habe davon nichts mitbekommen", so van Gerwen. Genauso wenig wie Linus Gerdemann: "Ich habe von Seiten Milrams noch nichts gehört. Fakt ist, dass ich einen Zweijahresvertrag habe und meine Saison weiter so plane wie bisher", so der deutsche Radprofi, der vor wenigen Wochen erst bei Milram unterschrieben hatte.

Die Nordmilch AG engagiert sich derzeit mit etwa acht Millionen Euro bei dem einzig verbliebenen deutschen Profi-Radteam. Nach dem Ausscheiden des bisherigen Vorstands für Marketing und Vertrieb, Martin Mischel, soll ein Umdenken in der Führungsetage des Konzerns eingesetzt haben, der die jetzigen Planungen in Gang gesetzt habe. Laut Pressemeldungen des Konzerns waren "unterschiedliche Auffassungen über die weitere Geschäftspolitik des Unternehmens" der Grund für die Trennung gewesen.

"Wir sind das einzige deutsche Radteam, aber keiner schaut mehr hin", wird der Aufsichtsratsvorsitzende Otto Lattwesen in der "FAZ" zitiert. Er schränkte aber auch ein: "Ich würde nicht raten, sofort zu sagen, wir springen da raus." Es habe im Aufsichtsrat jedoch stets Vorbehalte gegen das Radsportengagement gegeben.

Eine mögliche Option könnte eine Verkürzung des Engagements um ein Jahr bis Ende 2009 sein. Zudem sollen die finanziellen Leistungen um die Hälfte gekürzt werden. Ein ProTour-Team kostet je nach Leistungsstärke zwischen sechs und zehn Millionen Euro pro Jahr. Den Großteil davon tragen die Hauptsponsoren, die gleichzeitig als Namensgeber fungieren. Welche Möglichkeiten die Nordmilch-Anwälte auch immer für einen Ausstieg finden werden, fest steht wohl, dass es spätestens ab 2010 kein erstklassiges deutsches Radteam mehr geben wird.

Es ist kaum anzunehmen, dass in Deutschland nach den Skandalen um das Team Telekom beziehungsweise T-Mobile sowie den positiven Dopingproben der Gerolsteiner-Profis Stefan Schumacher und Bernhard Kohl ein neuer Geldgeber zu finden ist.

Das Ende des Milram-Teams wäre nach dem Aus des Gerolsteiner-Rennstalls der nächste herbe Schlag für den professionellen Radsport in Deutschland. Im vergangenen Jahr hatte sich die Telekom aus dem Radsport verabschiedet. ARD und ZDF hatten vor wenigen Monaten angekündigt, über die Tour de France 2009 nicht mehr live zu berichten.

fpf/sid



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Seite 1
Umberto, 11.10.2008
1.
Zitat von sysopSeit mehreren Jahren werden immer wieder professionelle Radsportler des Dopings überführt. Jüngstes Beispiel ist Stefan Schumacher aus dem Team Gerolsteiner. Ist der Radsport am Ende? Diskutieren Sie mit.
Seit vielen Jahren werden immer wieder 100 m Läufer des Dopings überführt. Trotzdem wird immer noch diese Distanz gelaufen. Gleiches kann man über Gewichtheber feststellen, die auch trotzdem immer noch 'heben'. Ich sehe nicht, dass dies beim Radsport anders sein wird.
sitiwati 11.10.2008
2. der Radsport
gibts ja nicht erst seit JU oder LA, daher wird der Radsport auch nicht untergehen, ist wie Koch in Hessen, Hessen wird auch den H Koch und dei Faru Y überstehen !
Fritz Katzfuß 11.10.2008
3. Vollkommen
am Ende.
sitiwati 11.10.2008
4. da tun
Zitat von Fritz Katzfußam Ende.
Sie den 100.000ende Hobbyradfahrern Unrecht ! aber scheinbar kommen Sie aus ihren Heim nicht rauss !
Pinarello, 11.10.2008
5. Ja ja, nur der Radsport dopt!
Zitat von sysopSeit mehreren Jahren werden immer wieder professionelle Radsportler des Dopings überführt. Jüngstes Beispiel ist Stefan Schumacher aus dem Team Gerolsteiner. Ist der Radsport am Ende? Diskutieren Sie mit.
Ach nee, nicht schon wieder auf den Radsport, dort wird genauso wenig oder viel gedopt wie in allen anderen Profisportarten auch, bei den Belastungen einer 3-wöchigen Rundfahrt auch kein Wunder, besonders wenn den Medienvertretern nach jeder Etappe einer abzugehen scheint, wenn schon wieder eine neue Rekordzeit und Durchschnittsgeschwindigkeit erreicht wurde, was den normalen Radsportfan nicht die Bohne interessiert, der fährt nämlich auch selber und weiß, daß man einmal schneller und auch wieder langsamer ist. Allerdings kann man den SPON und die restliche ach so moralischen Zeigefingerheber-fraktion von ARD und ZDF wohl beruhigen, nach den das IOC rund 1000 Blutproben aus Peking nachträglich mit neuen Verfahren überprüfen läßt, kann man ja als Radsportfan mal gespannt sein, ob diejenigen mit dem moralischen Zeigefinger dann auch noch so einseitig auf den Radsport einprügeln, weil die Dopingfälle in den restlichen Sportarten sind ja nur bedauerliche einzelne Einzelfälle, darüber kann man ja getrost hinwegsehen, beim Radsport genügt schon der Verdacht gegen Stefan Schuhmacher um den kompletten Rückzug von ARD und ZDF von allen Radsportveranstaltungen anzukündigen. Was ist das nur für eine heuchlerische Welt, aber das steht ja schon in der Bibel, am schlimmsten von allen Sündern sind die Pharisäer mit dem so hochgelobten Anspruch.
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