Dopingprobe manipuliert Diskus-Olympiasieger verliert Gold

Der Verdacht des Deutschen Leichtathletik-Verbandes hat sich bestätigt. Kurz vor der Siegerehrung ist Diskus-Olympiasieger Robert Fazekas disqualifiziert worden. Der Ungar hatte versucht, beim Dopingtest zu schummeln. Die DLV-Spitze macht Doping der Konkurrenz für das schlechte Abschneiden der eigenen Athleten mitverantwortlich.


Olympiasieger Fazekas: "Was in Ungarn passiert, geht nicht mit rechten Dingen zu"
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Olympiasieger Fazekas: "Was in Ungarn passiert, geht nicht mit rechten Dingen zu"

Athen - Wie das Internationale Olympische Komitee mitteilte, wurde Fazekas, 29, von den Olympischen Spielen ausgeschlossen. Als Vergehen wurde die "Verweigerung einer vollständigen Probe" angegeben. Fazekas wollte gestern Abend nach seinem deutlichen Sieg - 1,04 Meter weiter als der Zweitplatzierte - zunächst die Dopingkontrolle verweigern. Anschließend versuchte Fazekas, fremden Urin anstelle seines eigenen abzugeben.

Nachträglich wird dem Litauer Virgilius Alekna Gold zuerkannt. Auf den Silber-Rang rückt Zoltan Kovago aus Ungarn. Aleksandr Tammert aus Estland erhält nun Bronze.

Gestern erst war der Kugelstoßerin Irina Korschanenko aus Russland wegen Dopings der Olympiasieg aberkannt worden. Entsetzt zeigte sich Helmut Digel, der Vizepräsident des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF, über den zweiten geschassten Olympiasieger: "Ich bin bestürzt darüber, wie unglaublich sich die Athletenschaft verhält und wie man den Spielen und der Leichtathletik so einen Schaden zufügen kann."

Wilfried Kindermann, Chefmediziner im deutschen NOK, glaubt, dass in Athen, wo bislang 18 der 46 Leichtathletik-Goldmedaillen vergeben wurden, mit Wachstumshormonen Missbrauch getrieben wird. "Sie sind viel schwerer feststellbar als Anabolika, wenn auch nicht so effektiv. Niemand weiß, ob das IOC hier wirklich schon einen Nachweis führen kann." Auch aus Sicht von DLV-Cheftrainer Bernd Schubert sind viele Leistungssprünge nur mit Doping zu erklären. "Das ist insbesondere auf den vorderen Plätzen feststellbar."

"Auch das, was in Ungarn passiert, geht nicht mit rechten Dingen zu", hatte Karlheinz Steinmetz, Trainer des verletzt ausgeschiedenen fünfmaligen Diskus-Weltmeisters Lars Riedel, schon vor der Goldaberkennung über Fazekas gesagt. "Wir kämpfen doch mit Müsli gegen Atombomben", beklagt Steinmetz, "es ist ein Wunder, dass Lars sich so lange auf diesem Niveau halten konnte und so erfolgreich war."



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