Dopingprozess Armstrong-Arzt schwer belastet

Für den umstrittenen Sportmediziner Michele Ferrari wird es langsam eng. Im Dopingprozess von Bologna musste sich der Arzt des Tour-Siegers Lance Armstrong heftige Anschuldigungen gefallen lassen.


Lance Armstrong: "Ich denke, er ist ein ehrlicher und unschuldiger Mann"
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Lance Armstrong: "Ich denke, er ist ein ehrlicher und unschuldiger Mann"

Bologna - "Ich habe nach Anweisung von Michele Ferrari Epo und Wachstumshormone genommen", gestand der italienische Radprofi Filippo am Dienstag in Bologna. Die Aussage des 30-Jährigen wurde in der italienische Presse als eine "historische Wende" bewertet.

Als erster "Pentito", wie die Italiener reumütige Mafiosi nennen, packte Simeoni vor Gericht detailliert aus. Bereits seit 1993 habe er sich mit Epo gedopt. Nach seinem Wechsel ins Profi-Lager 1995 habe Ferrari die Epo-Verabreichungen überwacht und ihm systematisch Wachstumshormone sowie das Testosteron-Präparat "Andriol" gegeben.

"Damit ich bei den Dopingkontrollen keine Probleme bekomme, hat mir Ferrari für den Vorabend und den Morgen der Kontrollen das Präparat Emagel empfohlen, das das Blut verdünnt", gab Simeoni vor Gericht zu Protokoll. Einmal habe ihm Ferrari 300 Gramm Blut abgenommen, weil sein Hämatokritwert ansonsten das zulässige Limit von 50 Prozent überschritten hätte.

Ferrari-Verurteilung wird immer wahrscheinlicher

Aufgrund eines zu hohen Hämatokritwerts - ein Indiz für Epo-Doping - war Italiens Radsportidol Marco Pantani 1999 beim Giro d'Italia disqualifiziert worden. Simeoni belastete auch seinen früheren Teamkollegen Claudio Chiapucci. Dieser bestritt jedoch, von Ferraris Dopingbehandlungen gewusst zu haben. Der Präsident der italienischen Profi-Radfahrervereinigung Vittorio Adorni lobte Simeoni für seinen Mut: "Er hat einen großen Schritt getan."

Nach Simeonis belastender Aussage wird eine Verurteilung Ferraris immer wahrscheinlicher. Der 48-Jährige ist ein Schüler des ebenfalls wegen systematischen Dopings vor Gericht stehenden Francesco Conconi. Beide Mediziner sollen laut der Staatsanwaltschaft Ausdauersportlern jahrelang Dopingmittel verschrieben haben.

Zu den Ferrari-Patienten gehört neben Ex-Weltmeister Abraham Olano aus Spanien und dem deutschen Sechstage-Spezialisten Andreas Kappes auch der US-Amerikaner Lance Armstrong. Während der Tour de France im vergangenen Sommer hatte sich der dreimalige Sieger der Frankreich-Rundfahrt noch schützend vor Ferrari gestellt. "Ich denke, er ist ein ehrlicher und unschuldiger Mann", urteilte Armstrong damals.



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