Dopingsperre Schumacher darf früher starten, BDR skeptisch

Der Internationale Sportgerichtshof hat die zweijährige Dopingsperre gegen Stefan Schumacher bestätigt, aber zurückverlegt. Somit könnte der Radprofi bei der WM starten - doch daraus dürfte nichts werden, der deutsche Radsportpräsident Rudolf Scharping nannte das einen "absurden Gedanken".
Radprofi Schumacher: Sperre bleibt bestehen

Radprofi Schumacher: Sperre bleibt bestehen

Foto: dpa

Hamburg - Radprofi Stefan Schumacher bleibt gesperrt, darf aber schon ab dem 27. August 2010 wieder starten. Wie der Internationale Sportgerichtshof Cas mitteilte, lehnte er Schumachers Berufung gegen die zweijährige Sperre ab, verlegte ihren Beginn aber vom 22. Januar 2009 auf den 28. August 2008 zurück. Ursprünglich sollte die Sperre erst am 21. Januar 2011 enden. "Das scheint ein Entgegenkommen des Internationalen Sportgerichthofes wegen einer harten, aus meiner Sicht falschen Entscheidung zu sein", sagte Michael Lehner, Schumachers Anwalt, nach der Urteilsverkündung SPIEGEL ONLINE. Der Cas machte von seiner Möglichkeit Gebrauch, eine Sperre bis zum Zeitpunkt der Probenentnahme zurückzuverlegen.

Allerdings sieht Lehner auch andere Gründe für die Verlegung: "Ich habe den Eindruck, dass der Cas durch die Rückversetzung der Sperre Stefan Schumacher die Lust nehmen will, vor das Bundesgericht zu ziehen", sagte Lehner. Das Schweizer Bundesgericht ist Schumachers letzte Chance, die Entscheidung des Cas zu kippen.

Durch den neuen Zeitraum der Sperre könnte Schumacher theoretisch bei den Straßen-Weltmeisterschaften 2010 in Australien teilnehmen, die vom 29. September bis zum 3. Oktober stattfinden. Doch aus einem Start wird wohl nichts. Auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE erklärte der Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR), Rudolf Scharping: "Das ist ein absurder Gedanke."

"Ich bin ein Kämpfer, aber das muss ich sacken lassen"

Lehner konnte noch keine Auskunft über Schumachers sportliche Pläne geben, zunächst will er das Urteil "überprüfen, gründlich analysieren und die Möglichkeit eines Einspruchs vor dem Schweizer Bundesgericht prüfen". Schumacher sagte nach der Verkündung: "Ich bin unglaublich wütend. Man versucht, sich auf das Schlimmste gefasst zu machen, kann es aber doch nicht glauben. Ich bin ein Kämpfer, aber das muss ich erst einmal sacken lassen."

Am 9. Oktober 2008 waren Ergebnisse von Nachtests der Tour de France bekanntgeworden, bei Schumacher wurde dabei in der A-Probe das Blutdopingmittel Cera nachgewiesen. Der einstige WM-Dritte hatte damals überraschend beide Zeitfahren bei der Frankreich-Rundfahrt gewonnen und zwischenzeitlich das Gelbe Trikot des Gesamtführenden getragen.

Die französische Anti-Doping-Agentur AFLD hatte den 28-Jährigen am 19. Februar des vergangenen Jahres gesperrt. Wenig später bestätigte der Radsport-Weltverband UCI die Sperre aus Frankreich und verhängte ein weltweites Fahrverbot bis zum 21. Januar 2011. Dagegen legte Schumacher Einspruch ein und verwies auf Verfahrensfehler. Größtes Argument war dabei die Tatsache, dass das Analyseverfahren erst am 31. Mai 2009 für zulässig erklärt worden war.

Am 29. April 2009 hatte der BDR zudem bestätigt, dass Schumacher auch bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking in der A-Probe positiv auf Cera getestet wurde. Schumacher hatte trotz der Analysen Doping stets bestritten und daher den Cas angerufen. Nach seiner Anhörung am 4. November 2009 hatte das Gericht die Urteilsverkündung mehrmals verschoben.

jar/dpa/sid