Dopingsünder Chambers "Ich war ein wandelnder Junkie"

"300 verschiedene Substanzen in einem Jahr": Der britische Sprinter Dwain Chambers gibt in einer Autobiographie erschütternde Einblicke in seine Dopingvergangenheit. Inzwischen nimmt der 30-Jährige wieder an Wettkämpfen teil, auch bei der Hallen-EM in Turin will er starten.

Hamburg - "Ich war nicht nur auf THG, Epo und HGH, sondern auch auf Testosteron, damit ich besser schlafen und Cholesterin abbauen konnte", schreibt Chambers in seiner kommende Woche erscheinenden Autobiographie "Race Against Me".

In einem Jahr seien es insgesamt mehr als 300 verschiedene Substanzen gewesen. Die Kosten dafür hätten 30.000 Pfund (heute 33.750 Euro, die Redaktion) betragen. "Als ich sauber war, stand meine persönliche Bestzeit bei 9,97 Sekunden", so Chambers. Nach seinem gesundheitlichen Vabanquespiel aufgrund des Dopings sei er dann bei 9,87 Sekunden angekommen.

Sprinter Chambers (Archivbild): 2003 für zwei Jahre gesperrt

Sprinter Chambers (Archivbild): 2003 für zwei Jahre gesperrt

Foto: DPA

Der Brite war 2003 positiv auf das Steroid THG getestet und für zwei Jahre gesperrt worden. Sein EM-Titel über 100 Meter, den er ein Jahr zuvor in München gewonnen hatte, wurde Chambers aberkannt. Seine zwischen Januar 2002 und Herbst 2003 erzielten Resultate wurden annulliert. "Ich war zu diesem Zeitpunkt fast jeden Tag auf Drogen, praktisch ein wandelnder Junkie. Ich bin immer routinemäßig kontrolliert worden, im Zeitraum des Gewinns meines EM-Titels 2002 gleich zehnmal. Nie wurde ich positiv getestet", schreibt Chambers.

Der Grund für seinen Betrug seien finanzielle Aspekte gewesen. In einem mit 200.000 Pfund (225.000 Euro) dotierten Vertrag mit einem Sportartikelhersteller habe es die Klausel gegeben, "dass die Bezüge halbiert würden, wenn ich nicht mehr zu den ersten Drei der Rangliste gehöre. Deshalb habe ich zu Dopingmitteln gegriffen", schreibt Chambers.

Sein Comeback gab der Brite 2006 bei den Europameisterschaften in Göteborg, wo er Gold mit der 4x100-Meter-Staffel gewann. Das Nationale Olympische Komitee Englands verhängte allerdings einen Olympia-Bann gegen den Sprinter, der deshalb bei den Sommerspielen 2008 in Peking nicht starten durfte. An der Hallen-EM am kommenden Wochenende in Turin will Chambers aber ebenso teilnehmen wie an den Weltmeisterschaften im August in Berlin.

hut/sid/dpa
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