Dopingsünderin Jones gibt Medaillen zurück, USA entschuldigen sich

Erst kam das Doping-Geständnis, nun hat Leichtathletik-Star Marion Jones bei den Olympischen Sommerspielen 2000 in Sydney und bei Weltmeisterschaften gewonnen Medaillen zurückgegeben. Das Nationale Olympische Komitee der USA bat die IOC-Mitgliedsländer um Entschuldigung.


Hamburg - Jones-Anwalt Henry DePippo bestätigte der Nachrichtenagentur Reuters am Abend die Rückgabe der fünf Medaillen. Die 31 Jahre alte US-Sprinterin hatte sich vor einem Gericht in New York schuldig bekannt, zum Zeitpunkt der Sommerspiele in Australien verbotene Steroide eingenommen zu haben.

Das Nationale Olympische Komitee der USA (USOC) hat sich derweil bei allen 205 Mitgliedsländern des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) sowie bei den Menschen in Australien für den Dopingfall entschuldigt. Zudem erklärte USOC-Präsident Peter Ueberroth: "Wir entschuldigen uns bei allen Athleten, denen die Siegerehrung verwehrt geblieben ist, die nicht ihre Nationalhymne hören und die Flagge ihres Landes sehen konnten."

"Wir haben alles getan, was wir tun konnten. Wir haben die Doperin entlarvt und die Medaillen in unseren Besitz gebracht. Diese werden wir nun an das Internationale Olympische Komitee weitergeben", sagte USOC-Geschäftsführer Jim Scherr. Außerdem werden Jones laut USADA alle Wettkampfergebnisse seit dem 1. September 2000 aberkannt. Sie verliert damit auch ihr Goldmedaille über 200 Meter sowie die Silbermedaille über 100 Meter von den Weltmeisterschaften 2001 in Edmonton. Darüber hinaus wurde sie für zwei Jahre gesperrt. Allerdings hatte die einstige Sprintkönigin bereits am Tag ihres Geständnisses ihr Karriereende verkündet.

Das USOC forderte außerdem alle Staffelkolleginnen von Jones auf, ihre Olympiamedaillen zurückzugeben. "Wir glauben nicht, dass sie auf fairem Weg gewonnen wurden", sagte Ueberroth. Zu dem 4x100-Meter-Quartett gehörten Chryste Gaines und Torri Edwards, die nach Sydney ebenfalls des Dopings überführt wurden. Die Entscheidung über die Neuvergabe der Medaillen liegt nun beim IOC.

Jones hatte dies im Rahmen von Dopingermittlungsverfahren im Anschluss an die Olympischen Spiele 2000 in Sydney stets bestritten. "Das war eine Lüge, Euer Ehren, ich wusste, dass ich diese Substanz genommen habe", sagte sie. Gleichzeitig verkündete sie vor Gericht ihr Karriereende.

In Sydney hatte Jones Gold über 100, 200 und 4x400 Meter gewonnen, sowie Bronze über 4x100 Meter und im Weitsprung geholt. Bereits zuvor war ihr einmal ein Titel aberkannt worden. Weil ihre Staffelkollegin Kelli White Doping bei der Weltmeisterschaft 2001 zugegeben hatte, war auch Jones das 4x100-Meter-Gold nachträglich wieder aberkannt worden.

Jones muss aufgrund ihrer Aussagen nun mit einer sechsmonatigen Gefängnis-Strafe rechnen. Darauf hatten sich Verteidigung und Staatsanwaltschaft geeinigt. Das letzte Wort hierüber hat aber der Richter, ein Urteil soll am 11. Januar 2008 gefällt werden.

Die Rückgabe der Medaillen hat auch Konsequenzen für andere Athleten:

Olympia in Sydney 2000:
100 Meter: Jones holte Gold in 10,75 Sekunden - neue Olympiasiegerin wäre Ekaterini Thanou (Griechenland/11,12) vor Tanya Lawrence (Jamaika/11,18) und Merlene Ottey (Jamaika/11,19).
200 Meter: Jones holte in 21,84 Sekunden Gold - neue Olympiasiegerin wäre Pauline Davis-Thompson (Bahamas/22,27) vor Susanthika Jayasinghe (Sri Lanka/22,28) und Beverly McDonald (Jamaika/22,35).
4x400 Meter: Jones holte mit der US-Staffel in 3:22,62 Minuten Gold - neue Olympiasiegerinnen wären die Jamaikanerinnen (3:23,25) vor Russland (3:23,46) und Nigeria (3:23,80).
4x100 Meter: Jones holte mit der US-Staffel in 42,20 Sekunden Bronze - neue Dritte wären die Französinnen in 42,42, Deutschland würde auf Platz fünf vorrücken (43,11).
Weitsprung: Jones holte hinter Heike Drechsler (Karlsruhe/6,99 m) und Fiona May (Italien/6,92) mit 6,92 m Bronze - neue Dritte wäre Tatjana Kotowa (Russland/6,83 m), Susen Tiedtke (Berlin) würde auf Platz fünf vorrücken (6,74).

WM 2001 in Edmonton/Kanada:
200 Meter: Jones holte in 22,39 Sekunden Gold - neue Weltmeisterin wäre Debbie Ferguson (Bahamas) 22,52 vor LaTasha Jenkins (USA/22, 85) und Cydonie Mothersill (Cayman-Inseln/22,88).
100 Meter: Jones holte hinter Schanna Pintusewitsch-Block (Ukraine/10,82 Sekunden) Silber (10,85) - neue Zweite wäre Ekaterini Thanou (Griechenland/10,91) vor Shandra Sturrup (Bahamas/11,02).

av/mti/sid



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