Dopingsumpf Tour de Chaos

Es ist der größte Skandal in der Geschichte des Radsports: Die Stars Ullrich, Basso, Mancebo stehen unter Dopingverdacht und sind von der Tour de France ausgeschlossen worden, dazu Dutzende weitere Fahrer. Ein Desaster für die Tour - und den Radsport insgesamt.

Hamburg - Die Meldungen kamen im Stakkato: Jan Ullrich (T-Mobile) suspendiert, Ivan Basso (CSC) ausgeschlossen, Joseba Beloki (Astana-Würth) zurückgezogen - dazu ein paar Dutzend andere Fahrer. Es ist das Who is Who der Radsportszene, das unter den schwersten Verdacht geraten ist, den es im Sport gibt: Doping.

"Die große Reinigung", titelte die französische Sportzeitung "L'Equipe" nach der Bekanntgabe durch Tour-Direktor Christian Prudhomme. Er teilte am Freitag in Straßburg mit, alle 21 Team-Manager hätten zugestimmt, ihre von den spanischen Doping-Ermittlungen betroffenen Radsportler zurückzuziehen. Prudhomme erklärte, die Tour-Leitung sei entschlossen, radikal gegen das Doping vorzugehen. "Der Feind ist nicht das Radfahren, der Feind ist das Doping."

Doch was bleibt übrig von der "Grande Boucle", wenn die Superstars fehlen? Was geschieht, wenn sich die Dopingvorwürfe bestätigen? Es wäre vielleicht das Ende des Profiradsports in der Form, denn dann würde sich bestätigen, was immer wieder geraunt wurde: Solche Leistungen, wie sie die Fahrer unter härtesten Bedingungen leisten, sind ohne Stimulanzien nicht möglich.

Und wenn sich der Verdacht nicht erhärtet, dann werden die Teams und Topfahrer die Ermittler anklagen, und Kritiker werden sagen, man habe nur nichts beweisen können.

So weit ist es noch nicht: Zunächst startet die Tour am Samstag mit deutlich kleinerem Feld als den bislang gemeldeten 189 Fahrern, weil es keine Ersatzfahrer geben soll.

Die betroffenen Teams bestätigten mittlerweile die Sperren. Damit wird T-Mobile nur mit sieben Radprofis an den Start gehen. Die Mannschaftsleitung hatte heute morgen Ullrich und Oscar Sevilla wegen ihrer möglichen Verstrickungen in den Blutdoping-Skandal suspendiert. Beide Fahrer beteuern ihre Unschuld.

Basso reagierte gelassen: "Ich bin ganz cool. Ich warte darauf, dass mir irgendjemand den Beweis für meine Schuld bringt", sagte der Italiener. Bassos Teamchef Bjarne Riis verteidigte die Entscheidung: "Ich muss an mein Team denken, das ist jetzt das Wichtigste. Ich vertraue Ivan, aber es liegt jetzt an ihm und seinen Anwälten zu zeigen, dass er nichts mit der Affäre zu tun hat."

Ob das Feld noch weiter schrumpft, hängt vom Astana-Würth-Team ab. Der Internationale Gerichtshof CAS hat den Rennstall zwar für die Teilnahme zugelassen, dennoch hoffen die Veranstalter weiter auf einen Startverzicht. "Fahrer aus dem Astana-Team stehen auf der Liste der spanischen Guardia Civil. Ausdrücklich hat die UCI darauf hingewiesen, dass sie hinsichtlich der Beschuldigungen aus Spanien auf Fakten warte. Die liegen nun auch gegen Astana vor. Wir hoffen auf einen Ausschluss", sagte Toursprecher Philip Sudres der Nachrichtenagentur dpa. Auch Jörg Jaksche erscheint auf der "schwarzen Liste" der Guardia Civil. Der Ansbacher hatte Straßburg wegen einer Magen- und Darm-Infektion am Donnerstag verlassen.

Sollte das Team Astana-Würth starten dürfen, wären die Chancen Alexander Winokurows auf den Sieg bei der Frankreich-Rundfahrt so groß wie wohl noch nie. Der Kasache steht nicht auf der Liste der verdächtigen Athleten.

hut/mig/sid/dpa

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