Dopingverdacht Discovery feuert Basso

Der US-Rennstall Discovery Channel hat Tour-Favorit Ivan Basso suspendiert. Grund sind offenbar neue Unterlagen, die Kontakte des Radprofis zu einem Dopingarzt belegen sollen. Bislang hatte der Italiener bestritten, den Mediziner zu kennen.


Madrid - Nach verschiedenen Medienberichten hat Discovery Channel am späten Nachmittag bestätigt: Basso wurde suspendiert. In einer Mitteilung des Teams heißt es, man wolle "weitere Informationen durch eine neue Untersuchung in Italien abwarten". Basso ist in die Doping-Affäre um den Arzt Eufemiano Fuentes verstrickt. Das spanische Wochenblatt "Interviú" hatte heute berichtet, dass Termin-Kalender mit Blutentnahme- und Blutgabe-Terminen von Basso bei Fuentes aufgetaucht seien.

Radprofi Basso: "Gefrorenes Blut"
AFP

Radprofi Basso: "Gefrorenes Blut"

Zudem habe der 29-Jährige zwischen 2004 und 2006 insgesamt 111.000 Euro über ein Züricher Konto an den spanischen Arzt für Dopingmittel und "gefrorenes Blut" bezahlt. Im Herbst 2005 habe er eine Blutuntersuchung beim Hämatologen Merino Batres vorgenommen. Batres galt in den inzwischen eingestellten Ermittlungen der spanischen Behörden als Komplize von Fuentes.

Bislang hatte Basso - wie Jan Ullrich - immer bestritten, in Madrid gewesen zu sein und Fuentes überhaupt zu kennen. Die spanischen Ermittler behaupteten, die von Fuentes verwendeten Decknamen "Birillo" - der Name seines Hundes - und "Nummer 2" bezögen sich auf den früheren kapitän des CSC-Teams.

Basso muss sich wegen des neuen Beweismaterials erneut vor dem Anti-Doping-Staatsanwalt von Italiens Nationalem Olympischen Komitee Coni verantworten. Nach Angaben der italienischen Nachrichtenagentur Ansa will Staatsanwalt Ettore Torri den Radstar am 2. Mai in Rom vernehmen. Torri hatte Basso bereits im vergangenen Sommer in Zusammenhang mit der spanischen Anti-Doping-Aktion "Operation Puerto" verhört.

Die italienischen Sportgerichte hatten das Verfahren gegen den Radstar eingestellt, weil sie von den spanischen Ermittlern kein Material erhielten. Allerdings hatte das Coni angekündigt, dass man den Fall wieder aufnehmen werde, wenn neues Material vorliege. Basso hatte sich vor kurzem über sein Team bereit erklärt, "bei Bedarf" für einen DNA-Test zur Verfügung zu stehen. Über einen solchen Test war Jan Ullrich nachgewiesen worden, dass die ihm zugerechneten Blutbeutel aus den Fuentes-Ermittlungen tatsächlich von ihm stammten.

"Aus Spanien bricht ein neuer Sturm herein", schrieb heute die italienische Zeitung "Gazzetta dello Sport". Weltverbands-Präsident Pat McQuaid plädiert für ein neues Verfahren gegen Basso. Bei der nächsten UCI-Sitzung am kommenden Donnerstag will sich der Tour-de-France-Veranstalter Aso mit den Pro-Tour-Teams zusammenschließen, um gegen den Einsatz der 51 Profis vorzugehen, die in der Fuentes-Affäre unter Doping-Verdacht stehen.

all/bri/sid/dpa

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