Dopingverdacht Suspekter Müll im österreichischen Olympia-Quartier

Nach dem Skandal um Langläufer Johann Mühlegg brauen sich erneut dunkle Wolken über den fröhlichen Spielen von Salt Lake City zusammen. Reinigungspersonal machte im Haus der österreichischen Langläufer beim Aufräumen einen spektakulären Fund.


Gefundene Blutkonserven in Salt Lake City: "Unethisch und verboten"
AP

Gefundene Blutkonserven in Salt Lake City: "Unethisch und verboten"

Lausanne - Vier Tage nach Ende der Olympischen Winterspiele sind in Salt Lake City in einem Mannschaftsquartier Geräte zur Durchführung von Bluttransfusionen gefunden worden. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) ordnete umgehend eine strenge Untersuchung an. Möglicherweise seien die Geräte von Ski-Langläufern bei den Olympischen Winterspielen genutzt worden, hieß es in einer Presseerklärung des IOC am Donnerstagabend.

IOC ordnet Untersuchung an


Gefunden wurde die Ausrüstung samt leerer Blutbeutel am Mittwoch bei der Reinigung eines von österreichischen Läufern genutzten Privathauses. IOC-Präsident Jacques Rogge ordnete eine unverzügliche Untersuchung unter Anwendung aller wissenschaftlichen Techniken einschließlich einer DNS-Analyse an, um die Beteiligten zu ermitteln. Die Durchführung von Bluttransfusionen zur Leistungssteigerung sei nicht nur "unethisch und durch den Anti-Doping-Code der Olympischen Bewegung verboten, sondern auch für die Gesundheit der Athleten extrem gefährlich".

Das österreichische Langlauf-Team war nahe Soldier Hollow einquartiert. In einer ersten Stellungnahme nannte Walter Mayer, Nordischer Direktor des österreichischen Verbandes für Biathlon und Langlauf, den Fund "nicht tragisch". Der österreichischen Nachrichtenagentur Apa sagte er: "Es könnte sich dabei vielleicht um unsere Infusionsgeräte handeln. Wir brauchen die für diverse Therapien. Aber mit verbotenen Mitteln hat das nichts zu tun."

"Da war nichts Verbotenes dabei"


Bluttransfusionsmaterial, gebrauchte Ampullen: Vom Reinigungspersonal gefunden
AP

Bluttransfusionsmaterial, gebrauchte Ampullen: Vom Reinigungspersonal gefunden

Dem österreichischen Fernsehen sagte Mayer, er könne sich erinnern, dass man Dinge, die man nicht mehr benötigte, in einem Sack weggeworfen habe. "Aber da war nichts Verbotenes dabei. Es waren Sachen für Ozon- und UV-Behandlungen oder Glukose-Infusionen."

Der Präsident des Olympischen Komitees von Österreich (ÖOC), Leo Wallner, war am Donnerstagabend vom IOC über den Fund informiert worden war. "Ich hoffe natürlich, dass die Geräte für Behandlungen nach dem Rennen waren, um sich Kräftigungsmittel zuzuführen", so der 66-Jährige, "wir werden auf jeden Fall Untersuchungen durchführen und mit den Ärzten sprechen."



© SPIEGEL ONLINE 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.