Dopingvorwurf gegen Gerolsteiner "Fahrer haben schallend gelacht"

Das Team Gerolsteiner muss sich gegen heftige Doping-Vorwürfe des Wissenschaftlers Werner Franke wehren. Allerdings sind die Beweise schon mehrere Jahre alt. Im Rennstall nimmt man die Anschuldigungen gelassen. Jetzt soll der Staatsanwalt ermitteln.
Von Jörg Schallenberg und Steffen Gerth

Eigentlich könnte man im Team Gerolsteiner zur Zeit optimistisch gestimmt sein. Nach dem unfreiwilligen Abgang diverser Tour-Favoriten verfügt die Mannschaft mit Kapitän Levi Leipheimer, dem Sechstplatzierten des Vorjahres, über einen der heißesten Anwärter auf den Gesamtsieg.

Statt sich nur Gedanken über die richtige Taktik auf der Strecke zu machen, müssen sich die Gerolsteiner allerdings auch noch mit heftigen Doping-Vorwürfen auseinadersetzen. Ein "kriminelles System von Körperverletzung und massenhaften Verstößen gegen Arzneimittelgesetze" würden Fahrer des Rennstalls betreiben. So beschrieb der renommierte Doping-Experte Werner Franke aus Heidelberg am Montag in der "Süddeutschen Zeitung" die scheinbar Furcht erregenden Zustände im zweiten deutschen Tour-Team neben T-Mobile.

Bei Gerolsteiner soll der Artikel allerdings eine ungeahnte Wirkung ausgelöst haben - wie Team-Manager Hans-Michael Holczer (52) SPIEGEL ONLINE sagt: "Als ich das zu Beginn der Mannschaftsbesprechung meinen Fahrern mitgeteilt habe, sind die in schallendes Gelächter ausgebrochen."

Dann wird Holczer aber ernst: "Die Vorwürfe sind nicht neu und ohne konkrete Beweise." Tatsächlich hatte sich Experte Franke auf Unterlagen berufen, die ihm ein ZDF-Redakteur vom Magazin "Frontal 21" zum Überprüfen gegeben hat. Darin enthalten seien auch handschriftliche Briefe eines bislang anonymen Gerolsteiner-Rennfahrers, der sich detailliert nach Dopingtipps erkundigt und damit prahlt, im Urlaub auf die griechische Insel Rhodos "zum Einkaufen" zu fahren - womit laut Franke nur die Beschaffung illegaler Substanzen gemeint sein kann.

Die Dokumente, die vier Seiten umfassen, hat der 66-Jährige inzwischen auch dem Team Gerolsteiner zugefaxt. Dort wundert man sich allerdings über das Datum auf den Papieren, so Teamchef Holczer: "Die stammen aus dem Jahr 1998. Nach einer ersten Analyse des Textes kommt nur ein begrenzter Kreis in Frage, zu dem der Profi gehört, der im Jahr 1999 für Gerolsteiner gefahren ist. Keiner der in Frage kommenden Fahrer war in den letzten vier bis fünf Jahren noch Mitglied unseres Teams."

Werner Franke bestätigt SPIEGEL ONLINE, dass die Dokumente bereits acht Jahre alt sind. Dass sich damit schwerlich ein zur Zeit existierendes kriminelles System bei Gerolsteiner belegen lässt - wie der SZ-Artikel nahelegt -, ist dem Professor für Zell- und Molekularbiologie "scheißegal". Franke: "In einem kriminellen System werden solche Dinge immer erst mit Zeitverzögerung bekannt. Wenn es heute anders läuft, dann soll Gerolsteiner jetzt nach vorne gehen und die Sache aufklären."

Das will Holczer auch tun - aber erst nach der Tour de France. "Eine akuter Handlungsbedarf ergibt sich aus meiner Sicht nicht", sagt der 52-Jährige. Dass in seinem Rennstall systematisches Doping betrieben wird, schließt er kategorisch aus. Nach Holczers Meinung führt Franke "eine Art Feldzug gegen Gerolsteiner". Das bestreitet der Doping-Experte vehement: "Ich bin Wissenschaftler. Mir ist das doch egal, um welches Team es geht."

Seine Unterlagen will Franke in den kommenden Tagen der Staatsanwaltschaft übergeben. Um welchen Fahrer es sich in den Dokumenten handelt, soll dann die Justiz aufklären.

Ein weiterer Name ist dagegen am dritten Tag der Tour bekannt geworden. Dem Radrennstall T-Mobile liegen seit Montag Hinweise vor, nach denen sich Profi Jörg Ludewig 1998 nach der Beschaffung von Dopingmitteln erkundigt haben soll. Ludewig fuhr 1999 für Gerolsteiner.

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