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01. Dezember 2018, 14:32 Uhr

DOSB-Haltung zum E-Sport

"Fifa" hui, Shooter pfui

Der Deutsche Olympische Sportbund hat auf seiner Mitgliederversammlung seine ablehnende Position zum E-Sport bekräftigt. Der E-Sport-Bund Deutschland spricht von einer "vertanen Chance".

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat sich bei seiner Mitgliederversammlung in Düsseldorf zum Thema E-Sport positioniert. Die Mitglieder bestätigten die Position des Vorstands um den Vorsitzenden Alfons Hörmann und des Präsidiums mit großer Mehrheit bei nur fünf Gegenstimmen.

Der Sport-Dachverband betonte erneut seine hauseigene Unterteilung des E-Sports in elektronische Sportartensimulationen (virtuelle Sportarten) und das "E-Gaming". Für letzteres sehe der DOSB "keine eigenständigen" Abteilungen in Vereinen und Mitgliedsorganisationen. Der DOSB wolle darüber hinaus dafür sorgen, "dass keine E-Gaming-Aktivitäten in Vereinen angeboten werden, die dem anerkannten Wertekanon des DOSB-Sportsystems nicht entsprechen". "E-Gaming" nach der Definition des DOSB umfasst den Großteil der im E-Sport relevanten Titel.

Bei dem, was der DOSB als virtuelle Sportarten klassifiziert, um es vom "E-Gaming" abzugrenzen, wolle er sich dafür einsetzen, eine gemeinnützige Anerkennung unter dem Dach des organisierten Sports zu erwirken. Allerdings wende man sich insgesamt "entschieden gegen eine Aufnahme von "E-Gaming"/E-Sport in die Abgabenordnung". Der DOSB begründet diese Entscheidung damit, dass der E-Sport "kommerziellen Verwertungsinteressen" folge und der Schritt eine "Verwässerung des Sportbegriffs" darstellen würde.

Der DOSB hatte auf seiner Jahresversammlung im Dezember 2017 in Koblenz die Einrichtung einer Arbeitsgruppe beschlossen, deren Aufgabe es war, sich intensiv mit dem Thema zu befassen. Ihr gehören laut Sportbund 25 Persönlichkeiten aus dem DOSB und seinen Mitgliedsorganisationen, aus der Wissenschaft und der E-Sport-Branche an.

"Eine Gefahr für unsere Gesellschaft"

Hans Jagnow, Vorsitzender des E-Sport-Bund Deutschlands (ESBD) bezeichnete den Beschluss des DOSB als "vertane Chance". Allerdings äußerte er sich per Twitter erfreut darüber, dass dennoch der Wille zum weiteren Dialog geäußert wurde.

So Interessiert am Austausch scheinen nicht alle beim DOSB zu sein. Vize-Präsident Walter Schneeloch hatte sich bereits im Vorfeld der Mitgliederversammlung zum Thema geäußert und nannte E-Sport gar "eine Gefahr für unsere Gesellschaft", wie er der "Rheinischen Post" sagte. "Unsere Kinder werden immer dicker und kränker. Was wäre es für ein fatales Signal, wenn wir dann auch noch etwas unterstützen, bei dem man fünf Stunden an der Konsole hängt, und hinterher behauptet ein Kind, es habe ausreichend Sport gemacht?"

E-Sport-Organisationen, der ESBD und auch Vertreter aus der Politik hatten die Positionierung des DOSB im Vorfeld der Mitgliederversammlung heftig kritisiert.

tip/dpa/sid

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