DOSB-Haltung zum E-Sport "Fifa" hui, Shooter pfui

Der Deutsche Olympische Sportbund hat auf seiner Mitgliederversammlung seine ablehnende Position zum E-Sport bekräftigt. Der E-Sport-Bund Deutschland spricht von einer "vertanen Chance".

Alfons Hörmann, Präsident des DOSB
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Alfons Hörmann, Präsident des DOSB


Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat sich bei seiner Mitgliederversammlung in Düsseldorf zum Thema E-Sport positioniert. Die Mitglieder bestätigten die Position des Vorstands um den Vorsitzenden Alfons Hörmann und des Präsidiums mit großer Mehrheit bei nur fünf Gegenstimmen.

Der Sport-Dachverband betonte erneut seine hauseigene Unterteilung des E-Sports in elektronische Sportartensimulationen (virtuelle Sportarten) und das "E-Gaming". Für letzteres sehe der DOSB "keine eigenständigen" Abteilungen in Vereinen und Mitgliedsorganisationen. Der DOSB wolle darüber hinaus dafür sorgen, "dass keine E-Gaming-Aktivitäten in Vereinen angeboten werden, die dem anerkannten Wertekanon des DOSB-Sportsystems nicht entsprechen". "E-Gaming" nach der Definition des DOSB umfasst den Großteil der im E-Sport relevanten Titel.

Bei dem, was der DOSB als virtuelle Sportarten klassifiziert, um es vom "E-Gaming" abzugrenzen, wolle er sich dafür einsetzen, eine gemeinnützige Anerkennung unter dem Dach des organisierten Sports zu erwirken. Allerdings wende man sich insgesamt "entschieden gegen eine Aufnahme von "E-Gaming"/E-Sport in die Abgabenordnung". Der DOSB begründet diese Entscheidung damit, dass der E-Sport "kommerziellen Verwertungsinteressen" folge und der Schritt eine "Verwässerung des Sportbegriffs" darstellen würde.

Der DOSB hatte auf seiner Jahresversammlung im Dezember 2017 in Koblenz die Einrichtung einer Arbeitsgruppe beschlossen, deren Aufgabe es war, sich intensiv mit dem Thema zu befassen. Ihr gehören laut Sportbund 25 Persönlichkeiten aus dem DOSB und seinen Mitgliedsorganisationen, aus der Wissenschaft und der E-Sport-Branche an.

"Eine Gefahr für unsere Gesellschaft"

Hans Jagnow, Vorsitzender des E-Sport-Bund Deutschlands (ESBD) bezeichnete den Beschluss des DOSB als "vertane Chance". Allerdings äußerte er sich per Twitter erfreut darüber, dass dennoch der Wille zum weiteren Dialog geäußert wurde.

So Interessiert am Austausch scheinen nicht alle beim DOSB zu sein. Vize-Präsident Walter Schneeloch hatte sich bereits im Vorfeld der Mitgliederversammlung zum Thema geäußert und nannte E-Sport gar "eine Gefahr für unsere Gesellschaft", wie er der "Rheinischen Post" sagte. "Unsere Kinder werden immer dicker und kränker. Was wäre es für ein fatales Signal, wenn wir dann auch noch etwas unterstützen, bei dem man fünf Stunden an der Konsole hängt, und hinterher behauptet ein Kind, es habe ausreichend Sport gemacht?"

E-Sport-Organisationen, der ESBD und auch Vertreter aus der Politik hatten die Positionierung des DOSB im Vorfeld der Mitgliederversammlung heftig kritisiert.

tip/dpa/sid



insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
Sibylle1969 01.12.2018
1.
Auch wenn der sogenannte E-Sport mittlerweile ein Zuschauermagnet und damit hochinteressant für Sponsoren ist, so finde ich aber nicht, dass E-Sport in den DOSB aufgenommen gehört. Bei Olympischen Spielen ist sowas auch fehl am Platz. Denn Sportarten, die olympisch sind, sollten immer zumindest entfernt etwas mit "Schneller, höher, weiter" zu tun haben.
Tom77 01.12.2018
2. E-Sport hat nichts mit Sport zu tun
Auch wenn viele (vor allem junge Leute) gerne Zocken und Anderen dabei zusehen - Gaming hat nichts mit Sport zu tun. Nicht alles, was Konzentration, Geschick und Präzision erfordert ist Sport. Kreuzworträsel lösen ist ebenso wenig Sport wie Spielkarten zielgenau in einen Hut werfen, fehlerfreies Schnell-Lesen oder 24 Stunden ohne Regung auf einem Bein stehen. Dass richtige Sport-Vereine sogar E-Sport-Teams haben, die dort Fifa oder NFL zocken, ist schon lächerlich, da das Drücken von Knöpfen auf einem Controller mit dem eigentlichen Spiel mal so gar nichts gemein hat. Jeder soll natürlich das machen, was ihm Spaß macht und die Szene wird auch weiter wachsen. Aber sie sollte sich nicht immer mit dem Wort "Sport" schmücken. Ist Mahjongg spielen Brain Sport? Und wenn jemand perfekt Klavier spielen kann, ist das dann Finger Sport? E-Sport ist PC oder Console Gaming. Ganz einfach. Nichts mehr und nichts weniger. Und wenn es professionalisiert wird, dann ist es eben Pro PC oder Pro Console Gaming. Und kein Sport.
DrStrang3love 01.12.2018
3.
Zitat von Sibylle1969Auch wenn der sogenannte E-Sport mittlerweile ein Zuschauermagnet und damit hochinteressant für Sponsoren ist, so finde ich aber nicht, dass E-Sport in den DOSB aufgenommen gehört. Bei Olympischen Spielen ist sowas auch fehl am Platz. Denn Sportarten, die olympisch sind, sollten immer zumindest entfernt etwas mit "Schneller, höher, weiter" zu tun haben.
Auch wenn da "olympisch" im Namen des DOSB steckt, ist dieser Verband bei weitem nicht nur für olympische Sportarten zuständig: der DOSB ist aus einer Fusion aus Deutschem Sportbund und NOK hervorgegangen, und damit zuständig für *alle* Sportarten. Das heißt dann auch, dass zu den vom DOSB "betreuten" Sportarten unter anderem Tanzen, Billard, Darts und Schach gehören. Haben auch nicht wirklich viel mit "Schneller, höher, weiter" zu tun, nicht wahr?
m82arcel 01.12.2018
4. @Tom77
Wenn E-Sport nichts mit Sport zu tun hat, da die körperliche Aktivität zu gering ist, wie ist das denn dann zum Beispiel mit dem Motorsport (zB Formel 1) oder dem Sportschießen? Oder mit dem Schach, welches gemeinhin ebenfalls als Sport akzeptiert wird? Wenn Organisationen wie der DOSB sich weiter dagegen wehren, sich auch neuen Formen des Sports zu öffnen, werden sie sich nicht wundern müssen, wenn ihnen auch weiter der Nachwuchs (sowohl bei Mitgliedern, als auch Zuschauern) davonlaufen wird. Aber dann kann man sich ja immer noch beschweren, wie schlimm die Jugend von heute ist...
torsten_raab 01.12.2018
5. Die Jungs sind der Lacher...
"Der DOSB begründet diese Entscheidung damit, dass der E-Sport "kommerziellen Verwertungsinteressen" folge und der Schritt eine "Verwässerung des Sportbegriffs" darstellen würde." Das heißt dann für die olympischen Spiele, die komplette Fußballschiene und was weiß ich noch, dass sie auch eine Verwässerung des Sportbegriffs darstellen?
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