Dressur-Medaillen Silber für Werth, Bronze für Kemmer

An Anky van Grunsven kam keine vorbei: Die Niederländerin gewann das Dressurreiten bei den Olympischen Spielen. Die Deutschen Isabell Werth und Heike Kemmer sicherten sich aber immerhin die Silber- und Bronzemedaille.


Hamburg - Dressurreiterin Isabell Werth hat ihre sechste olympische Goldmedaille verpasst. Auf ihrem Pferd Satchmo musste sich die 39-Jährige am Dienstag in Hongkong mit 76,650 Punkten nach dem Grand Prix Special und der Kür mit Musik mit Silber begnügen.

Reiterin Werth: Gold verpasst
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Reiterin Werth: Gold verpasst

Zum dritten Mal in Serie wurde die Niederländerin Anky van Grunsven mit Salinero (78,680) Olympiasiegerin. Bronze holte sich Heike Kemmer mit Bonaparte (74,455). Für die zweimalige Team-Olympiasiegerin war es die erste Einzelmedaille bei Olympia. Im Mannschaftswettbewerb von Hongkong hatten die deutschen Reiter die Goldmedaille gewonnen.

Ein erneuter Aussetzer ihres Pferdes hatte Werth aus dem Tritt gebracht. "Dass es hier passiert ist, ist natürlich bitter", sagte die Deutsche, die mit einem Sieg den legendären Reiner Klimke als erfolgreichsten Olympia-Reiter überflügelt hätte. Schon zwei Tage zuvor im Mannschaftswettbewerb hatte Satchmo in der Prüfung Nerven gezeigt und war kurz aus dem Rhythmus gekommen. "Der Knackpunkt war im Special. Das hat er nicht vergessen. Es ist eine Schande, denn er war in großartiger Form", sagte Werth: "Aber so ist das Leben. Bis dahin war es seine bisher beste Kür."

Für Werth hatte die Prüfung vor 18.000 Zuschauern zunächst sehr gut begonnen. Doch in der Mitte der Kür kam der Schreckmoment. Der 14 Jahre alte Wallach verweigerte wieder sekundenlang die Zusammenarbeit. Mit Mühe bekam Werth ihr Pferd wieder in den Griff und beendete doch noch souverän den Ritt. Dennoch kostete der Fauxpas wie zwei Tage zuvor entscheidende Prozentpunkte. Mit dem Gesamtergebnis von 76,650 Prozent begann für Isabell Werth das große Zittern.

Doch umsonst: Anky van Grunsven bewies erneut, dass sie die beste Kürreiterin der Welt ist. "Ich bin nicht mehr volles Risiko gegangen, als ich das Ergebnis von Isabell gehört hatte. Ich habe gedacht, bloß keine Fehler machen", sagte die Niederländerin. Das gelang ihr: Mit 82,400 Prozent erhielt sie die höchste Note des Abends und fing mit insgesamt 78,680 Prozent Isabell Werth ab. Heike Kemmer war indes zufrieden mit Bronze: "Ein Traum ist wahr geworden. Ich hatte mir das nach Athen vorgenommen."

Eine Neuauflage des seit über einem Jahrzehnt währenden Zweikampfs zwischen Werth und van Grunsven wird es bei Olympischen Spielen wohl nicht mehr geben. Die Niederländerin hat angekündigt, auf keinen Fall bis London 2012 weiterzureiten. "Ich bin nicht mehr ganz so jung und muss mich auch um meine Kinder kümmern", sagte die zweifache Mutter, die in ihrer Heimat ein Star ist. "Ich glaube nicht, dass ich noch ein drittes Mal so ein Pferd bekomme", erklärte van Grunsven, die 2000 mit Bonfire Olympia-Gold gewann und 2004 in Athen bereits mit Salinero. Mit einem Augenzwinkern fügte sie hinzu: "Wenn mir irgendjemand so ein Pferd schenkt, überlege ich es mir vielleicht noch anders."

all/sid/dpa

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