Weltmeister Sun Yang "Dass er hier schwimmt, ist eine Frechheit"

"Das ist ein Schlag ins Gesicht": Der Start des dopingverdächtigen Sun Yang bei der Schwimm-WM sorgt auch im deutschen Lager für Empörung. In der Kritik steht auch der Weltverband.

Sun Yang jubelt nach seinem 400-Meter-Freistil-Gold
Manan Vatsyana AFP

Sun Yang jubelt nach seinem 400-Meter-Freistil-Gold


Nach dem WM-Eklat bei der Siegerehrung hat sich der deutsche Schwimmer Jacob Heidtmann klar auf die Seite des Australiers Mack Horton geschlagen und den höchst umstrittenen Chinesen Sun Yang scharf kritisiert. "Dass der hier schwimmt, ist eine Frechheit für alle sauberen Athleten, für jeden, der für den sauberen Sport einsteht. Das ist ein Schlag ins Gesicht", sagte der DSV-Athletensprecher am Montag: "Ich bin froh, dass endlich mal jemand ein Zeichen gesetzt hat."

Der zweitplatzierte Horton hatte nach Suns Sieg auf Paul Biedermanns Weltrekordstrecke 400 Meter Freistil am Sonntag den Gang aufs Podest, den Handschlag und das obligatorische Foto aller Medaillengewinner verweigert. "Ich hoffe, dass das Zeichen ausreicht, damit der Weltverband einsieht, dass der eigentlich nie wieder auf so einer Bühne stehen darf", ergänzte Heidtmann, der als 18. im 200-Meter-Vorlauf am Montagmorgen 1,16 Sekunden langsamer als Sun war.

Dem dopingvorbelasteten Chinesen, der 2014 vom Schwimm-Weltverband Fina nach einem positiven Test nur für drei Monate gesperrt worden war, droht im September eine nachträgliche Sperre. Der Internationale Sportgerichtshof Cas rollt den Fall um eine womöglich durch einen Sun-Gefolgsmann zerstörte Dopingprobe neu auf. Die Fina hatte den dreimaligen Olympiasieger nach einer Anhörung im Januar freigesprochen, dagegen hatte die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada ("unglaublich und inakzeptabel") vor dem Cas Einspruch eingelegt.

"Mich hat es auch geärgert. Ich darf mich damit eigentlich gar nicht beschäftigen, denn das macht einen fertig", sagte Heidtmann, der zugab, dass die Angelegenheit in der gesamten deutschen WM-Mannschaft ein Thema sei: "Das frisst alle im Team an."

aha/sid



insgesamt 22 Beiträge
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thoscha 22.07.2019
1. China mächtig - nix verdächtig!
So weit ist es also schon. Da darf ein als positiv überführter Schwimmer aus China, einfach mal so weitermachen - ist ja keine Probe mehr da! Leider wurde diese durch ein unglückliches Missgeschick zerstört. Ach wie gut das niemand weiß, das ich Humpelheinzchen stieß! Mit was haben denn die Chinesen dem Weltverband gedroht? Oder war es bei diesen korrupten Genossen gar nicht nötig? Schon so mächtig - prächtig, prächtig!! Typische Machtdemonstation der Chinesen.
aliof 22.07.2019
2. Schon doll, was da abgeht
.. und ich habe nicht schlecht gestaunt, das nachzulesen : .. daß sich dieser Herr des Dopings und sanktionswürdiger Vergehen schuldig gemacht hat, und ausgeschlossen gehört, ... nach Lektüre auch von SZ.de und Australia's Sunday Telegraph . Und ich bin absolut sicher, daß die dortigen Berichte zutreffen :: https://www.sueddeutsche.de/sport/sun-yang-gold-schwimm-wm-1.4533605 Ich habe zwar nur einen Extrakt des "entire 59-page report of the FINA Doping Panel hearing" gelesen. Dieser ist aber für jedermannfraukind einsehbar, auf English und Mandarin :: https://www.swimmingworldmagazine.com/news/australias-sunday-telegraph-publishes-fina-doping-panel-report-in-full-english-mandarin/ ... und Herr Biedermann war sogar noch 2 Sekunden schneller als Herr SunYang.
juba39 22.07.2019
3. Einfach nur zynisch
Es ist nicht Doping, was hier das Problem ist. Für mich, der Jahrzehnte als Kämpfen Schiedsrichter im Amateursport tätig war, ist der Mißbrauch des Dopings zu politischen Zwecken der eigentliche Skandal. Ähnliche Vorfälle, wie hier geschildert, gab es im britischen und deutschem Radsport, in der US-Amerikanischen und jamaikanischen Leichtathletik. Die in der Geschichte bisher einzigartigste Reaktion gab es in Rio durch eine US-SCHWIMMERIN. Die sich ähnlich wie Horton gegenüber einer Russin verhielt. Allerdings, und das der Unterschied, mit dem Zusatz, ein Justin Gatlin dürfte auch nie Mitglied der US-Mannschaft sein. Ich erinnere mich sehr genau, daß ARD und ZDF erst auf Gatlins Dopingvergangenheit eingingen, als man das Pfeifkonzert des Stadions bei jedem Auftritt und im TV nicht mehr ausblenden könnte. Damit sich in Deutschland niemand überheblich zurücklehnt. Anfang 2018 gab es eine gedopt deutsche Radsportlerin. Mediennachfragen wurden vom Verband wie folgt beantwortet. Es werden keinerlei Einzelheiten veröffentlicht, bis alle möglichen restlichen Schritte abgeschlossen sind. Und das Bis heute an. Mit welcher moralischen Berechtigung treten deutsche Sportler also so arrogant auf! Diese Formen unterschiedlicher Behandlung von Doping ist einfach nur abstoßend. Für mich ist es nämlich unerheblich, woher der Doper kommt. Es ist IMMER Betrug am Sport und dem Konkurrenten.
p-touch 22.07.2019
4. Wie immer geht´s ums Geld
China ist halt in großer Markt, da legt man halt mal nicht so strenge Maßstäbe an um sich nicht das Geschäft zu versauen.
dr.joe.66 22.07.2019
5. Die Chinesen...
Zitat von thoschaSo weit ist es also schon. Da darf ein als positiv überführter Schwimmer aus China, einfach mal so weitermachen - ist ja keine Probe mehr da! Leider wurde diese durch ein unglückliches Missgeschick zerstört. Ach wie gut das niemand weiß, das ich Humpelheinzchen stieß! Mit was haben denn die Chinesen dem Weltverband gedroht? Oder war es bei diesen korrupten Genossen gar nicht nötig? Schon so mächtig - prächtig, prächtig!! Typische Machtdemonstation der Chinesen.
Die Chinesen wissen immer, welches Mittelchen gerade das richtige ist. Bei Sport-Funktionären ein kleiner Umschlag mit buntem Papier, in Hongkong ein paar Kerle mit Eisenstangen, im eigenen Land eine auf ihre Art geniale Überwachungssoftware und ein motivierendes Punktesystem.
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