Duell der Schach-Weltmeister Kramnik setzt Topalow unter Druck

Wer sich an die endlosen Remis-Reihen früherer Schach-Weltmeisterschaften erinnert, wird überrascht sein. Beide Partien zwischen Wladimir Kramnik und Weselin Topalow hatten einen Sieger. Das Match soll die geteilte Schachwelt wieder vereinen.


Hamburg - Nach zwei Partien führt der Russe Wladimir Kramnik gegen den Bulgaren Weselin Topalow mit 2:0. Nach seinem glücklichen Sieg im Auftaktspiel am Samstag, den sich Kramnik durch einen Fehler Topalows sicherte, gewann der Weltmeister im sogenannten klassischen Schach gestern auch das zweite Spiel. Am heutigen Ruhetag hat er damit bereits einen unerwartet hohen Vorsprung.

Weltmeister Kramnik: Alle Angriffe abgewehrt
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Weltmeister Kramnik: Alle Angriffe abgewehrt

Topalow, geschätzt für sein risikoreiches und kämpferisches Spiel, wurde gestern nicht dafür belohnt. Der Weltmeister des Verbandes Fide spielte mit den weißen Figuren und attackierte heftig Kramniks Königsstellung. Er schien das zweite Spiel für sich entscheiden und damit den Ausgleich erzielen zu können. Dann übersah der Bulgare, dass seinem Kontrahenten Kramnik ein Matt in drei Zügen drohte. Der 31-jährige Moskauer festigte anschließend seine Stellung und wehrte alle weiteren Angriffe ab. Kramnik besiegte Topalow mit einem starken Freibauern am Damenflügel, nach sechs Stunden gab Topalow im 63. Zug auf.

Der ebenfalls 31-jährige Topalow ist Fide-Weltmeister seit 2005 und Erster der Weltrangliste. Die Fide organisiert ihre Weltmeisterschaften in Turnieren mit KO-System. Sein Kontrahent Kramnik ist klassischer Weltmeister seit 2000, als er Garri Kasparow besiegen konnte. Im Jahr 2004 verteidigte er zuletzt seinen Titel gegen Peter Leko. Seit 1993 gibt es zwei Schach-Weltmeister. Den Grund für die unterschiedlichen Titel schuf der russische Ex-Weltmeister Kasparow. Der hatte sich damals von der Föderation Fide getrennt und wollte seinen Titel selbst vermarkten.

Im Vereinigungs-Wettkampf zur Ermittlung des dann einzigen Schach-Weltmeisters werden bis zum 12. Oktober zwölf Partien gespielt. Sollte es nach zwölf Partien 6:6 stehen, folgen vier Schnellpartien, bei erneutem Gleichstand schließlich zwei Blitzpartien. Das Preisgeld in Höhe von einer Million Dollar wird unabhängig vom Ausgang zwischen beiden Spielern geteilt. Die Schach-WM findet in Elista, der Hauptstadt der südrussischen Teilrepublik Kalmückien statt. Deren Präsident Kirsan Illjumschinow ist gleichzeitig Präsident des Fide-Verbandes.

tsp/dpa



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