Topsprinterin Dutee Chand Erstes Coming-out im indischen Profisport

Bis Herbst 2018 stand Homosexualität in Indien unter Strafe. Nun hat Dutee Chand ihre lesbische Beziehung öffentlich gemacht - eine Premiere im indischen Profisport. Die Läuferin kämpft seit Jahren für Frauenrechte.

Dutee Chand
AFP

Dutee Chand


Die indische Sprinterin Dutee Chand hat sich geoutet. Dem indischen "Sunday Express" sagte die 23-Jährige, dass sie in einer Beziehung mit einer Frau aus ihrem Dorf im Osten des Bundesstaates Odisha lebe. "Ich habe jemanden gefunden, die meine Seelenverwandte ist", sagte die schnellste Frau Indiens. "Ich finde, jeder sollte die Freiheit haben, zusammen zu sein, mit wem sie zusammen sein möchten." Weder eine Sportlerin noch ein Sportler hatten sich zuvor in Indien als homosexuell geoutet.

In Indien hat gleichgeschlechtlicher Sex noch bis ins vergangene Jahr unter Strafe gestanden. Erst im September 2018 hatte das Oberste Gericht des Landes ein Verbotsgesetz aus der Kolonialzeit gekippt. Das habe ihr den Mut gegeben, sich zu outen, sagte Chand. Den Namen ihrer Partnerin, mit der sie seit fünf Jahren zusammen sei, nannte sie nicht, um ihr "unangemessene Aufmerksamkeit" zu ersparen.

Schwester drohte ihr mit Gefängnis

Obwohl sich die Haltung in ihrem Land langsam ändere, sei gleichgeschlechtlicher Sex in Indien immer noch tabu. Einige Mitglieder ihrer Familie würden ihre Entscheidung nicht akzeptieren, ihre Schwester habe ihr gar damit gedroht, sie aus der Familie auszustoßen. "Meine älteste Schwester hat das Gefühl, dass meine Partnerin an meinem Vermögen interessiert ist", sagte Chand der indischen Nachrichtenagentur PTI. "Sie hat mir gesagt, dass sie mich ins Gefängnis bringen wird, weil ich diese Beziehung habe."

Die Sprinterin sagte, niemand habe das Recht, sie aufgrund ihrer Sexualität als Athletin zu verurteilen. "Es ist eine persönliche Entscheidung, die respektiert werden sollte", sagte die zweifache Silbermedaillengewinnerin der Asienspiele. Sie werde weiter für Indien um internationale Medaillen kämpfen.

LGBTI-Aktivist Harish Iyer bezeichnete sie als "Leuchtfeuer der Hoffnung". Chand habe vielen den Weg geebnet, "indem sie schlicht für sich selbst eingetreten ist", schrieb er auf Twitter.

Chand kämpft auch an anderer Front für die Rechte von Frauen. 2015 ebnete sie Läuferinnen mit natürlich erhöhten Testosteronwerten den Weg, an 100- und 200-Meter-Rennen teilzunehmen. Chand war zuvor von den Commonwealth-Spielen 2014 ausgeschlossen worden, weil ihre Hormonwerte höher waren als der damals vom Internationalen Leichtathletikverband IAAF festgeschriebene Grenzwert. Mit einem Einspruch vor dem Sportgerichtshof Cas brachte sie diese Regel zu Fall.

Doch es sollte nicht das Ende dieser umstrittenen Regel sein. Kürzlich verlor Caster Semenya einen jahrelangen Rechtsstreit gegen den IAAF. Anfang Mai hatte der Cas entschieden, dass Mittelstreckenläuferinnen erhöhte Testosteronspiegel medizinisch senken müssen. Ein Entscheidung, die Chand "sehr traurig" gemacht habe.

sak/Reuters



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beroyeah 19.05.2019
1. Normal ...
... und Normalität liegt immer im Auge des Betrachters. Congratulations, Dutee Chand! Live YOUR life.
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