E-Mail aus Dallas 190.000 Dollar für Nowitzkis Spielberechtigung

Dirk Nowitzki darf für die deutsche Basketball-Nationalmannschaft bei der EM in Schweden antreten. Am Dienstagabend erhielt der Deutsche Basketball Bund die endgültige Erlaubnis von den Dallas Mavericks. Allerdings muss der DBB die Kosten für die Versicherung des Spielers übernehmen.


Dirk Nowitzki ist bei der EM in Schweden dabei: "Wir haben alle Möglichkeiten"
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Dirk Nowitzki ist bei der EM in Schweden dabei: "Wir haben alle Möglichkeiten"

Hagen - Dirk Nowitzki ist dem Deutschen Basketball-Bund (DBB) lieb und teuer. Die Versicherung des NBA-Stars kostet den Verband für den Zeitraum vom 13. August bis 15. September 190.000 US-Dollar (168.000 Euro). Nach Prüfung der Unterlagen erteilten die Dallas Mavericks per E-Mail die Freigabe für die EM in Schweden (5. bis 14. September) und die Vorbereitungsphase.

Bereits für die WM im vergangenen Jahr in Indianapolis, bei der die deutsche Nationalmannschaft die Bronzemedaille gewann, musste der DBB eine hohe Versicherungssumme für die Dienste seines Superstars bezahlen. Damals hatte es im Vorfeld ein nervenaufreibendes Hickhack mit Mavericks-Besitzer Mark Cuban gegeben.

Verzichten muss Bundestrainer Henrik Dettmann allerdings auf die Hilfe von Nowitzkis Teamkollegen Shawn Bradley, der noch bei der EM vor zwei Jahren in der Türkei zum deutschen Team zählte. Der in Deutschland geborene Center hat erst kürzlich seine Knieverletzung auskuriert. Deshalb legte der Mannschaftsarzt der Mavericks sein Veto ein und verweigerte Bradley die Teilnahme an der EM. Bei der letztjährigen WM hatte Bradley nicht zum deutschen Kader gehört, weil sich der DBB nicht leisten konnte, neben Nowitzki einen weiteren NBA-Spieler zu versichern.

Nowitzki soll am Mittwoch zur Mannschaft ins Nürnberger Trainingslager stoßen und am Abend die erste Trainingseinheit mit dem Team absolvieren. Am Freitag (15. August/19 Uhr) in Nürnberg und am Samstag (16. August/14.30 Uhr) in Frankfurt wird er in den beiden Testspielen gegen die Türkei zum Einsatz kommen.

"Wir liegen genau im Zeitplan und sind sehr froh, jetzt die 100-prozentige Gewissheit zu haben, dass Dirk spielen darf. Die deutschen Basketball-Fans können sich freuen", frohlockte auch DBB-Präsident Roland Geggus.

Sondertraining mit dem Manager


"Ich habe in Dallas eine sehr anstrengende Saison mit mehr als 100 Spielen hinter mir. Ich war am Ende verletzt, musste meine Knieblessur unter Obhut der Ärzte in den USA auskurieren und bin erst später als ursprünglich geplant nach Deutschland gekommen", nannte Nowitzki einen zusätzlichen Grund für die verzögerte Ankunft im deutschen Team. Die Innenbanddehnung in seinem linken Knie hat der 2,13-Meter-Hüne inzwischen auskuriert. Seit sechs Wochen trainierte er unter Aufsicht seines Mentors und Managers Holger Geschwindner in Würzburg.

Den verspäteten Einstieg in die EM-Vorbereitungen des deutschen Teams bewertet Nowitzki nicht als Problem. "Das Team ist bis auf zwei, drei Veränderungen seit Jahren das gleiche. Die meisten Spieler kennen sich schon seit dem Junioren-Alter. Da sollte der Eingewöhnungsprozess schnell vonstatten gehen", sagt der 23-Jährige, der in der vergangenen Saison mit durchschnittlich 25,3 Punkten siebtbester Korbjäger der NBA war.

"Außerdem war es in den vergangenen Jahren nicht anders. Auch da bin ich immer erst später gekommen und es hat geklappt. Wir haben noch drei Wochen Zeit, uns bis zur EM zu finden - das sollte reichen", so Nowitzki. Mit dem Turnier um den Supercup in Braunschweig (22. bis 24. August) gegen Frankreich, Kroatien und Schweden, sowie den Tests gegen Bosnien-Herzegowina in Köln (29. August) und Italien in Berlin (31. August) stehen fünf weitere Spiele bis zum EM-Auftakt am 5. September in Norrköping gegen Israel auf dem Vorbereitungsprogramm.

Glücklicher Bundestrainer


"Es kommt darauf an, sich so schnell wie möglich zu finden und einen guten Start ins Turnier zu erwischen. Ich denke, die Auslosung ist okay und wir haben alle Möglichkeiten. Wir werden auf alle Fälle eine gute Truppe nach Schweden schicken", prophezeit Nowitzki. Bundestrainer Henrik Dettmann, der in der Vorwoche in Finnland das deutsche Team zum 100. Mal betreute, ist "sehr glücklich" über die Ankunft seines Stars. Der Finne warnt aber davor, diesen als Heilsbringer zu sehen: "Es geht hier nicht um einen einzelnen Spieler. Jeder Einzelne trägt Verantwortung, nur so können wir erfolgreich Basketball spielen. Wir dürfen uns nicht allein auf Dirk Nowitzki konzentrieren."



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