Im Auftrag des Olympischen Sportbunds E-Sport ist laut Gutachten kein Sport

Es ist ein Multimillionen-Geschäft, aber ist E-Sport auch ein Sport im engeren Sinne? Nein, sagt ein Gutachten, das der Olympische Sportbund beauftragt hatte. Kritiker sind sauer - und verweisen auf Dart-Spieler.

E-Sports-Turnier in Shanghai: An Sponsoren herrscht wenig Mangel - dafür an Anerkennung
Aly Song/ REUTERS

E-Sports-Turnier in Shanghai: An Sponsoren herrscht wenig Mangel - dafür an Anerkennung


34 Millionen US-Dollar wurden zuletzt bei einem Turnier in Shanghai an die erfolgreichen Teams bei einem E-Sports-Turnier ausgeschüttet. In dieser Hinsicht kann es E-Sport also schon locker mit anderen Sportveranstaltungen aufnehmen. Eine Frage jedoch beschäftigt nicht nur in Deutschland Spieler, Hersteller und Verbände: Ist E-Sport auch tatsächlich ein Sport?

Ein vom Deutschen Olympischen Sportbund in Auftrag gegebenes Rechtsgutachten lehnt eine solche Anerkennung als Sport nun ab. Der Begriff Sport sei "durch die langjährige Rechtsprechung im traditionellen Sinne der Anforderungen an die Körperlichkeit konkretisiert", heißt es in dem Dokument, das der Nachrichtenagentur dpa vorliegt.

Jegliches Spiel an der Konsole falle nicht unter diesen und sei "kein Sport im Sinne des geltenden Rechts". Der Gemeinnützigkeit des E-Sports als Sport erteilt das Gutachten deshalb eine Absage.

Kritiker fragen: Und was ist mit Tischfußball oder Darts?

An einem Punkt stellt es sich freilich gegen eine Position des DOSB: Dieser unterscheidet zwischen virtuellen Sportarten (beispielsweise Fußballsimulationen wie Fifa) und dem als eGaming bezeichneten restlichen Bereich (darunter League of Legends oder Counter-Strike: Global Offensive). Diese Unterscheidung sei rechtlich nicht belastbar.

"Das ist das Ende von eGaming als realitätsferne Wortschöpfung zur Spaltung der E-Sport-Bewegung", hieß vom Präsidenten des eSport-Bunds Deutschland (ESBD), Hans Jagnow, auf Anfrage der dpa. Gleichzeitig kritisierte er zentrale Punkte des Gutachtens. "Viele vom DOSB anerkannte Sportarten wie Sportschießen, Tischfußball oder Darts definieren sich über die Präzision der Bewegung, nicht den Umfang." E-Sport unterschiedlich zu behandeln, sei vor dem Hintergrund des Gleichheitsgrundsatzes nicht tragbar.

jok/dpa



insgesamt 70 Beiträge
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RalfHenrichs 27.08.2019
1. Schach?
Ich kenne die Gesetze nicht, daher meine Frage: Weiß jemand, ob Schach nicht nur allgemein als Sport gilt sondern ob Turnierschach auch von Gerichten als Sport anerkannt wird? Bewegt wird sich da schließlich noch weniger als bei Dartsoder beim Schießsport. Viel Bewegung ist auch beim Bogenschießen oder Skispringen. Dennoch würde wohl niemand bestreiten, dass dies Sport ist. Auch Sport im "engeren Sinne". Daher finde ich auch der ausschließliche Hinweis auf Bewegung doch als zu einfach.
studibaas 27.08.2019
2. Wer einmal gesehen hat...
mit welcher Geschwindigkeit e-sportler die Tastatur und Maus (so sie sie denn benutzen) quälen, der weiß, das rein körperlich e-sport anstrengender ist als Dart. Vor dem Hintergrund müsste man tatsächlich Dart und wahrscheinlich noch ein zwei andere Sportarten rausnehmen. (z.B. Schießen).
frank-bhv 27.08.2019
3. Gleichheitsgrundsatz?
Wow, die ganz große Keule - Gleichheitsgrundsatz. Dann komme ich mal mit einem (absurden?) Gegenargument: Wie ist eigentlich die CO2-Bilanz der ganzen Computer, die man benötigt, im Vergleich zum Radfahrer oder laufen, zum Schwimmen oder Karate eines typischen Breitensportlers?
sven2016 27.08.2019
4. Sport ist anders, denke ich
Weshalb auch muss das Gedaddle unbedingt als Sport bezeichnet werden? Anderer Name, anderer Anspruch und der Spaß und - für manche - wahnsinnig viel Geld bleibt dann doch. Dart und Schach könnte man ähnlich bewerten.
seleukia 27.08.2019
5. Schach ?
Der Deutsche Schachbund e. V. (DSB) ist die Dachorganisation der Schachspieler in Deutschland. Er ist Mitglied im Deutschen Olympischen Sportbund und seit 1926 (mit Unterbrechungen) im Weltschachverband FIDE. (Quelle: wikipedia) Zitat: "Der Begriff Sport sei "durch die langjährige Rechtsprechung im traditionellen Sinne der Anforderungen an die Körperlichkeit konkretisiert", heißt es in dem Dokument, das der Nachrichtenagentur dpa vorliegt." Dann dürften die Schachspieler ja wohl die längste Zeit Mitglieder im DOSB gewesen sein.
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