Radsport Ex-Armstrong-Teamchef Bruyneel zehn Jahre gesperrt

Johan Bruyneel war die Führungsfigur, die die Dopingaktivitäten in den Teams von Lance Armstrong gesteuert hat: Zu dieser Auffassung ist ein US-Gericht gekommen und hat den früheren Radsportmanager für zehn Jahre gesperrt.

Brunyeel (l.), Armstrong (2010): Kopf sämtlicher Doping-Aktivitäten
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Brunyeel (l.), Armstrong (2010): Kopf sämtlicher Doping-Aktivitäten


Hamburg - Der ehemalige Radsport-Teamchef Johan Bruyneel ist von einem unabhängigen Schiedsgericht in den USA für zehn Jahre gesperrt worden. Dies teilte die US-Anti-Doping-Agentur Usada mit, deren Argumentation das Gericht folgte.

Der Belgier, der Lance Armstrong zu dessen sieben Erfolgen bei der Tour de France zwischen 1999 und 2005 geführt hatte, sei der Kopf sämtlicher Dopingaktivitäten gewesen, hieß es in der Urteilsbegründung. Das dreiköpfige Gremium sah es als erwiesen an, dass Bruyneel "die Führungsfigur einer Verschwörung war, mit deren Hilfe über viele Jahre und bei vielen Fahrern weitreichende Dopingvergehen in den Teams US Postal und Discovery Channel begangen wurden".

Neben Bruyneel wurden auch der damalige Teamarzt Pedro Celaya und frühere Trainer Jose "Pepe" Marti für jeweils acht Jahre gesperrt. Sie seien ebenfalls Teil der Verschwörung gewesen oder hätten sich zumindest als Instrumente dieser missbrauchen lassen, so das Gericht.

Bruyneel prüft nun rechtliche Optionen

Bruyneel war bereits im Zusammenhang mit den Usada-Ermittlungen im Fall Armstrong gesperrt worden, hatte dagegen aber Einspruch erhoben und die Vorwürfe stets bestritten. In seinem Blog reagierte er nun verärgert auf das Urteil und zweifelte die Zuständigkeit der US-Behörden an. Zudem wolle er weitere rechtliche Optionen prüfen und gegebenenfalls vor den Internationalen Sportgerichtshof Cas ziehen.

Der 49-Jährige, zuletzt Teamchef bei RadioShack-Nissan, hatte sich nach der Saison 2012 aus dem Radsport zurückgezogen. Der Beginn der Strafe wurde daher zurückdatiert, sie läuft am 11. Juni 2022 aus.

Die Usada hatte im Juni 2012 Anklage gegen Armstrong, Bruyneel und weitere Personen wegen des Besitzes, der Weitergabe und des Handels mit verbotenen Substanzen erhoben. Armstrong waren alle Toursiege aberkannt worden. Zudem war der später geständige Texaner mit einer lebenslangen Sperre belegt worden.

ham/dpa/sid

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insgesamt 3 Beiträge
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reever_de 22.04.2014
1. WENN es ernst gemeint wäre ...
Würde der Profi-Radrennsport ernsthaft versuchen, seinen Augiasstall auszumisten um den Sponsoren und Zuschauern einen ehrlichen Sport zu verkaufen, dann würden hier Fakten gesetzt und derartige "Macher" und Organisatoren konsequent auf Lebenszeit gesperrt.
alsi 22.04.2014
2. optional
da ihr Einkommen ja mit Betrug erziehlt wurde sollte es eingezogen werden und dem "sauberen" Fußball zur Verfügung gestellt werden.
ronny.grahl 22.04.2014
3. Lebenslange Sperre
Eine lebenslange Sperre käme einem Berufsverbot gleich. Selbiges ist mit EU-Recht aber kaum vereinbar und kann schon gar nicht von einem Sportgericht verhängt werden. Jedes Zivilgericht würde ein solches Urteil für nichtig erklären und dem Verurteilten Schadensersatz zusprechen.
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