Einigung Kompromiss im Streit um Olympia-Milliarden

Zugeständnis: Das Nationale Olympische Komitee der USA hat einem neuen Verteilerschlüssel für TV- und Sponsoring-Einnahmen aus den Olympischen Spielen zugestimmt. Zudem wollen sich die Amerikaner anders als bisher an den Kosten für die Spiele beteiligen.


Hamburg - IOC-Präsident Jacques Rogge hat am Freitag eine positive Bilanz der Exekutiv-Tagung in Denver im US-Bundesstaat Colorado gezogen. "Es waren sehr produktive Tage. Mit den US-Amerikanern hat eine neue Ära begonnen. Von 2020 an wird es einen neuen Verteilerschlüssel geben", sagte der Belgier nach der überfälligen Entspannung in der Dauerfehde mit dem Nationalen Olympischen Komitee der USA (USOC).

IOC-Boss Rogge: "Neue Ära"
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IOC-Boss Rogge: "Neue Ära"

Seit 1988 räumt ein unbefristeter Vertrag dem USOC im Vergleich zu allen anderen 204 NOKs unverhältnismäßige Vorteile ein. IOC-Präsident Juan Antonio Samaranch hatte damals einen zeitlich unbegrenzten Deal mit den US-Amerikanern abgeschlossen. Danach gehen 12,75 Prozent der Zahlungen des US-Fernsehens und 20 Prozent der Einkünfte aus dem IOC-Sponsoren-Programm im Vorabzug ans USOC. Diese krasse Bevorteilung neigt sich jetzt dem Ende entgegen.

Aus Angst vor negativen Auswirkungen auf Chicagos Olympia- Bewerbung zeigten sich die US-Amerikaner kompromissbereit und versicherten in einem ersten Zugeständnis, sich in Zukunft anders als bisher an den Kosten der Olympischen Spiele zu beteiligen. Nach dpa-Informationen soll sich die Summe auf 38 Millionen Dollar für einen vierjährigen Olympia-Zyklus belaufen.

Nach vier Jahren meist ergebnislosen Verhandlungen mit dem unzugänglichen USOC kam damit endlich Bewegung in die verfahrene Situation. Durch das erste Entgegenkommen der US-Amerikaner hat das IOC die empörten internationalen Fachverbände und Nationalen Olympischen Komitees (NOK) vorerst beruhigt, die seit mehr als zwei Jahrzehnten von den Dollar-Milliarden jeweils zusammen nur in etwa so viel bekommen wie das USOC allein.

Auch die Macher von Chicagos Bewerbung um die Spiele 2016 atmeten erleichtert auf. Ihre Kandidatur ist nicht mehr so belastet. Die Negativstimmung unter den Vertretern der Fachverbände und NOKs, die in der IOC-Vollversammlung am 2. Oktober in Kopenhagen über den Gastgeber der Spiele 2016 mitentscheiden, hatte in den vergangenen Tagen, Wochen und Monaten beträchtliche Ausmasse erreicht.

Rogges Freude über das Verhandlungsergebnis trübte lediglich das Ende des internationalen Fackellaufs. Nach den Ausschreitungen vor den Peking-Spielen 2008 und den Turin-Spielen 2006 darf die Flamme in Zukunft nur noch durch das jeweilige Gastgeberland geführt werden. "Ich finde es schade, aber wir müssen mit der Realität leben", sagte Rogge.

Auch in der Frage der Intensivierung der Kooperation mit den Vereinten Nationen war sich die Exekutive einig. Die Weltregierung des Sports strebt einen permanenten Beobachterstatus in der UN-Vollversammlung an und verspricht sich dadurch neue Synergien und bessere Kommunikation mit dem langjährigen Partner. Bis Anfang September kann das IOC mit einer Entscheidung rechnen, ob es als ständiger Beobachter bei den Vereinten Nationen akkreditiert wird.

ulz/dpa



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