Einspruch abgelehnt Niederlage vor Gericht - Friedeks Olympiatraum geplatzt

Aus der Traum: Dreispringer Charles Friedek ist mit seinem Einspruch gegen die Nichtnominierung für die Olympischen Spiele gescheitert. Das Gericht gab dem Deutschen Olympischen Sportbund recht - forderte aber Änderungen im Regelwerk des Deutschen Leichtathletik-Verbandes.


Hamburg - Die Olympischen Sommerspiele in Peking finden ohne Charles Friedek statt. Der 36-Jährige scheiterte am Mittwoch mit einem Einspruch gegen seine Nicht-Nominierung durch den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) vor dem 4. Zivilsenat des Oberlandesgerichts (OLG) in Frankfurt am Main.

Dreispringer Friedek: "Riesengroße Enttäuschung"
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Dreispringer Friedek: "Riesengroße Enttäuschung"

"Das ist eine riesengroße Enttäuschung. Jetzt werde ich meine Karriere nach der WM 2009 in Berlin beenden", sagte Friedek, der bereits dreimal bei Olympia dabei war, ohne jedoch in Medaillennähe gekommen zu sein. 2000 in Sydney war er als Mitfavorit im Finale verletzungsbedingt ohne gültigen Versuch geblieben.

Mit der Entscheidung nach 90-minütiger Verhandlung stärkte die Kammer auch die Nominierungshoheit des DOSB. Der Verband habe "nicht gegen seine eigenen Grundsätze verstoßen oder willkürlich gehandelt", erklärte Gerichtssprecher Ingo Nöhre. Zuvor hatte Richter Dieter Fritz in der Verhandlung dem Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) jedoch empfohlen, seine Nominierungsrichtlinien zukünftig eindeutiger zu fassen.

Damit bleibt es beim 439-köpfigen deutschen Aufgebot für die am 8. August in der chinesischen Hauptstadt beginnenden Sommerspiele (bis 24. August). Friedek war erst nach einer Einstweiligen Verfügung des Deutschen Sport-Schiedsgerichtes durch den DLV vorgeschlagen worden. Der DOSB berücksichtigte den Weltmeister von 1999 jedoch nicht.

Daraufhin strebte Friedek erneut eine Einstweilige Verfügung an - dieses Mal gegen den DOSB und vor dem Landgericht Frankfurt, bekam sie aber nicht. Erfolglos blieb nun auch die Beschwerde gegen den Ablehnungsbescheid vor dem OLG. Der Dreispringer argumentierte, er habe wie in den DLV-Nominierungsrichtlinien verlangt, die doppelt geforderte Olympianorm von 17 Metern bei einem Wettkampf am 25. Juni im niederrheinischen Wesel mit Sprüngen auf 17,04 Meter und 17 Meter zweimal erreicht.

DLV und DOSB pochten jedoch auf Erfüllung bei zwei Veranstaltungen, was aus den Nominierungsrichtlinien allerdings nicht eindeutig hervorging, laut DLV-Präsident Clemens Prokop sich aber aus dem Regelwerk ergibt. "Die Auslegung der Nominierungskriterien ist eine Ermessensentscheidung des DOSB, die das Gericht nicht vollständig überprüfen kann", sagte dazu Gerichtssprecher Nöhre. Richter Fritz hatte während der Verhandlung betont, die zweite Normerfüllung diene dem Nachweis von Konstanz, weshalb sie in einem zweiten Wettkampf erfolgen sollte.

goe/sid



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