Eishockey Kanada düpiert US-Boys

Im abschließenden Wettbewerb der 19 Olympischen Winterspiele in Salt Lake City besiegte Kanada die USA im Eishockeyfinale mit 5:2. Für das Mutterland dieser Sportart mehr als nur ein Triumph.


Steve Yzerman, Mario Lemieux und Paul Kariya: Jubel im Mutterland des Eishockeys
AFP

Steve Yzerman, Mario Lemieux und Paul Kariya: Jubel im Mutterland des Eishockeys

Salt Lake City - Wayne Gretzky kramte erleichtert eine kanadische Dollarmünze aus seiner Hosentasche. "Das war unser Glücksbringer", verriet der beste Eishockey-Spieler aller Zeiten lächelnd: "Der Eismeister hat sie vor unserem ersten Spiel im Mittelkreis ins Eis gesteckt, und es hat gewirkt: Wir haben Gold gewonnen." Der Talisman half den kanadischen NHL-Millionären zum ersten Olympiasieg für das Eishockey-Mutterland seit 50 Jahren.

"Der Eismeister ist Kanadier, und das war eine coole Idee. Ich hoffe, er wird jetzt nicht gefeuert", flachste Gretzky und steckte die Münze schnell wieder ein: "Sie kommt in die Eishockey-Ruhmeshalle." Deutlich war dem 41-Jährigen die Erleichterung nach dem 5:2-Triumph im olympischen Traumfinale gegen die USA anzumerken, die Last der großen Erwartungen war endlich verschwunden.

"Schwerer und langer Weg"


"Das war ein ganz schön schwerer und langer Weg", gab Gretzky zu, der vor vier Jahren in Nagano als Spieler noch gescheitert war. Der "Größte" hatte alles richtig gemacht und genau die Richtigen für die "Operation Gold" ausgewählt. Zum Beispiel Joe Sakic: Der Stürmerstar des Stanley-Cup-Siegers Colorado Avalanche war im hochklassigen Finale mit zwei Toren (39., 59.) und zwei Vorlagen der Matchwinner.

Oder Jungstar Jarome Iginla: Der 24-Jährige, 1997 mit "Team Canada" WM-Champion, erzielte die zwischenzeitliche 2:1-Führung (19. ) und das entscheidende 4:2 (57.), bei dem Gretzky auf der Ehrentribüne einen Luftsprung machte und die Fäuste in die Höhe reckte. Als die letzten Minuten runtertickten, stimmten die 4000 kanadischen Fans im ausverkauften E-Center bereits ihre Hymne "Oh Canada" an.

"Das ist unglaubliches Gefühl", meinte Lemieux nachher: "So eine Chance hat man nur einmal im Leben. Es ist umso unglaublicher, wenn ich mir überlege, dass ich drei Jahre lang in Florida am Strand gesessen habe." Der 36-Jährige hatte im Dezember 2000 nach dreijähriger Pause sein NHL-Comeback gegeben - nicht zuletzt, um sich seinen olympischen Goldtraum zu erfüllen.

In Turin auch mit allen NHL-Stars?


Das goldene Happy End blieb Herb Brooks diesmal dagegen verwehrt. Der US-Coach, der 1980 in Lake Placid ein Team aus College-Boys zum "Miracle on Ice" geführt hatte, war aber auch mit Silber zufrieden: "Es war ein begeisterndes Turnier mit den besten Spielern der Welt. Wir haben sehr viel für das amerikanische Eishockey erreicht." Am Ende mussten die Gastgeber, die durch Tony Amonte (9.) und Brian Rafalski (36.) zu ihren Toren kamen, die Überlegenheit ihrer nördlichen Nachbarn anerkennen. "Die Kanadier haben sehr viel Stolz. Dieses Spiel ist ihr Spiel", meinte Kapitän Chris Chelios und stichelte ein bisschen: "Vielleicht das einzige Spiel, in dem sie gut sind. Naja, vielleicht noch im Curling."

Brooks machte sich derweil schon Gedanken um die Zukunft. "2006 in Turin sollte die NHL wieder ihre besten Spieler schicken. Es sollte wieder eine großartige Show werden", sagte der US-Trainer, der seine dritten Spiele als Trainer nicht ausschließen wollte: "Aber ich gebe ihnen meine Telefonnummer. Rufen sie meine Frau an und fragen sie die." Auch Gretzky machte sich für ein weiteres NHL-Engagement bei Olympia stark: "Die Besten sollten teilnehmen, nur darum geht es. Und letztendlich nutzt es allen - auch der Liga." Und vor allem dem Eishockey-Mutterland, das nach 50 Jahren endlich "seinen" Titel hat.



© SPIEGEL ONLINE 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.