Eishockey Kanada im siebten Himmel

Angeführt von Teamdirektor Wayne Gretzky und Kapitän Mario Lemieux hat die kanadische Eishockey-Mannschaft zum ersten Mal nach 50 Jahren wieder Olympia-Gold gewonnen. Im Finale gegen Gastgeber USA setzten sich die Kanadier verdient durch.


West Valley City - Am liebsten hätte "The Great One" selbst noch einmal die Schlittschuhe geschnürt. Als Team Canada anderthalb Minuten vor der Schlusssirene das 5:2 (2:1, 1:1, 2:0) im Finale des olympischen Eishockey-Turniers gegen die USA erzielte, jubelte der 41-jährige Teamdirektor Wayne Gretzky im feinen Zwirn auf der Tribüne des ausverkauften E-Centers so ausgelassen wie in seiner aktiven Laufbahn.

Nachdem der Olympiasieg perfekt war, stellte sich der erschöpft und müde wirkende Gretzky der Weltpresse. "Wir mussten unbedingt gewinnen", sagte der beste Puckjäger aller Zeiten, der es als Kapitän nicht geschafft hatte, sein Land 1998 in Nagano zum Gold zu führen. Diesmal war es Gretzkys Aufgabe gewesen, aus Kanadas unzähligen Stars eine Mannschaft zusammenzustellen, die für das Eishockey-Mutterland das 50 Jahre lange Warten auf den Olympiasieg beendet.

Dementsprechend hoch war der Erfolgsdruck. Die ganze Nation zwischen St. John's und Vancouver saß vor dem Fernseher. Die Schlachtenbummler, die sich nach Salt Lake aufgemacht hatten, bezahlten bis zu 1000 Dollar für ein Endspielticket. Gretzky spürte am eigenen Leib, was auf dem Spiel stand: "Es war eine stressige Zeit. Die letzten fünf Tage habe ich nicht schlafen können."

Joe Sakic überragend


Martin Brodeur im kanadischen Tor: "Egos beiseite getan und als Mannschaft gekämpft"
AP

Martin Brodeur im kanadischen Tor: "Egos beiseite getan und als Mannschaft gekämpft"

Als im zweiten Drittel Superstar Mario Lemieux, Gretzkys Nachfolger als Kapitän von Team Canada, bei einem 5:3-Überzahlspiel aus kürzester Distanz das leere Tor verfehlte und die US-Amerikaner kurz darauf zum 2:2 ausglichen, war Kanadas Gold-Mission stark gefährdet. Joe Sakics Treffer zum 3:2 (39.) jedoch sorgte für die Vorentscheidung.

Der 32-jährige Stürmer von Stanley-Cup-Gewinner Colorado Avalanche war mit zwei Toren und zwei Vorlagen der überragende Spieler auf dem Eis und wurde anschließend als Most Valuable Player des gesamten Turniers geehrt. Sakic vergaß im Siegestaumel nicht, an die Auftaktpleite gegen Schweden zu erinnern: "Danach gab es viele Zweifler. Doch wir haben unsere Egos beiseite getan und als Mannschaft gekämpft."

"Nur gut im Eishockey und im Curling"


Auf die Niederlage folgte ein Sieg (gegen Deutschland) und ein Unentschieden (gegen Tschechien) in der Hauptrunde. Die Kanadier steigerten sich von Spiel zu Spiel, schlugen im Viertelfinale Finnland und im Halbfinale Weißrussland. "Er hat agiert, wie wir das von ihm erwartet haben. Keiner ist so gut wie er", sprach Gretzky ein Sonderlob an den Leader Lemieux aus. "Unsere beste Leistung haben wir bis zum Schluss aufbewahrt", lobte Coach Pat Quinn seine ganze Mannschaft, die im Endspiel davon profitierte, dass Gegner USA das schwere Halbfinale gegen Russland in den Knochen steckte.

"Die Kanadier waren aggressiver, haben quasi mit vier Angreifern gespielt", erkannte US-Kapitän Chris Chelios die Überlegenheit des nordamerikanischen Konkurrenten an. Schläger, Handschuhe und Helme lagen wild verstreut auf dem Eis, als Kanadas 23 Nationalhelden mit Goldmedaillen dekoriert überglücklich Ehrenrunden drehten.

Chelios gönnt den Rivalen mit dem Ahornblatt auf dem Trikot sogar den Ruhm: "Eishockey ist neben Curling das einzige Spiel, in dem die Kanadier gut sind."

Kanada - USA 5:2 (2:1, 1:1, 2:0)
0:1 Amonte (9.)
1:1 Kariya (15.)
2:1 Iginla (19.)
2:2 Rafalskiy (36.)
3:2 Sakic (39.)
4:2 Iginla (57.)
5:2 Sakic (59.)



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