Eishockey-Marathon Zum Weltrekord fehlten acht Minuten

Es war die längste Partie der deutschen Eishockeygeschichte: Nach 168 Minuten und 16 Sekunden Nettospielzeit gewannen die Kölner Haie das dritte Viertelfinal-Playoff gegen die Adler Mannheim. Mannschaftsbetreuer besorgten Schokoriegel von der Tankstelle.


Hamburg - Kölns Stürmer Philip Gogulla erlöste mit seinem Treffer zum 5:4 (3:1, 1:1, 0:2, 0:0, 0:0, 0:0, 0:0, 0:0, 1:0) in der sechsten Verlängerung sowohl Spieler als auch Publikum in der Kölnarena. 16.869 Zuschauer waren am gestrigen Samstag zum Spielbeginn um 17.30 Uhr in die Halle geströmt, um 0.11 Uhr am frühen Sonntagmorgen war die Partie beendet. Zu diesem Zeitpunkt hatten einige Fans die Halle bereits verlassen: "Aus Rücksicht auf meine Tochter", wie ein Haie-Anhänger in einem Fan-Forum notierte.

Der Großteil blieb - und erlebte ein Stück Eishockeygeschichte: Die gerade einmal 48 Stunden alte Bestmarke der Iserlohn Roosters im Duell gegen die Frankfurt Lions (117:45 Minuten) wurde deutlich übertroffen. Der Playoff-Rekord aus der nordamerikanischen Profiliga NHL wurde nur knapp verpasst. Am 24. März 1936 hatten die Detroit Red Wings, ebenfalls in der sechsten Verlängerung und nach insgesamt 176:30 Minuten, 1:0 gegen die Montreal Maroons gewonnen. Vor der laufenden Saison war das Penaltyschießen in den Playoffs abgeschafft worden. Es wird nun so lange um jeweils 20 Minuten verlängert, bis ein Tor fällt.

"Es ist zwanzig Minuten nach Zwölf, es war ein gutes Spiel. Gute Nacht", sagte Mannheims Trainer Dave King grantig nach dem verlorenen Marathonmatch. Haie-Coach Doug Mason hatte sich zuvor "mehr wie ein Cheerleader" gefühlt: In den insgesamt acht Drittelpausen habe er mehr Muntermacher gespielt als Trainer.

Kölns Verteidiger Moritz Müller berichtete, wie sich seine Teamkollegen und er in den Pausen zwischen den sechs Verlängerungen geholfen hatten: "Wir haben uns gegenseitig aufgebaut und alle mit Zucker zugebombt." Schokoriegel oder andere kalorienreiche Kost wurde verzehrt, um verbrauchte Energie zurückzugeben. Weil die Vorräte zur Neige gingen, mussten Betreuer sogar aus nahegelegenen Tankstellen Nachschub besorgen.

Nach dem Erfolg führt Köln in der Viertelfinal-Playoff-Serie der Deutschen Eishockey Liga nach dem Modus "best of seven" 2:1. Bereits am morgigen Montag gehen die beiden Mannschaften um 14.30 Uhr erneut aufs Eis - dann in Mannheim.

wit/sid/dpa



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