Eishockey-WM DEB-Auswahl feiert mit Cola und Bier

Mit einem bislang beherzten Auftritt bei der Eishockey-WM haben die deutschen Eishockey-Cracks jede Menge Lob eingeheimst. Obwohl der Gegner im Viertelfinale ausgerechnet Gastgeber Schweden ist, gehen die Zach-Schützlinge voller Optimismus an die Aufgabe.


DEB-Kapitän Jürgen Rumrich: "Der Druck liegt auf Schweden"
DPA

DEB-Kapitän Jürgen Rumrich: "Der Druck liegt auf Schweden"

Karlstad - Auf der großen Leinwand jubelten noch die Schweden, da wagte Jürgen Rumrich schon eine Viertelfinal-Prognose. "Wir haben nichts zu verlieren. Der Druck liegt auf Schweden, wir sind ganz klarer Außenseiter", meinte der Kapitän der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft, die sich in Karlstad im Bistro "Jäger" den Gegner für das Viertelfinale am Dienstag (20.00 Uhr) in Göteborg zusammen mit zahlreichen WM-Touristen angeschaut hatte.

Widerspruch für Rumrich, der sein 50. und möglicherweise letztes WM-Spiel bestreitet, kam prompt aus Richtung Theke. "Wieso Außenseiter?", fragte Teamkollege Wayne Hynes, der bei einem Bier den 4:2-Sieg der WM-Gastgeber gegen Finnland verfolgt hatte. Der Deutsch-Kanadier, immerhin schon dreifacher Torschütze beim WM-Turnier, verkörpert das neue Selbstbewusstsein der deutschen Nationalspieler, die in Schweden ihre Ziele längst erreicht haben und alles, was noch kommt, als willkommene Zugabe betrachten.

Ein Bier und eine Cola war erlaubt


Da ist dann auch ganz offiziell das ein oder andere Getränk gestattet, das Bundestrainer Hans Zach sonst nicht gerne sieht. "Er hat uns ein Bier und eine Cola erlaubt", berichtete Jan Benda schmunzelnd. Der Russland-Profi, der mit einem Wechsel zu den Edmonton Oilers in die NHL liebäugelt, zog schon vor dem Duell mit dem siebenmaligen Weltmeister sein WM-Fazit: "Wir sind weiter als vor einem Jahr und haben gezeigt, dass wir mit den Topnationen mithalten können. Der Schritt ist nicht mehr so groß."

Aber immer noch so groß, dass Zach seiner Mannschaft im 999. Länderspiel der Verbandsgeschichte kaum eine Chance gibt. "Die Schweden sind ein übermächtiger Gegner. Sie haben durch die Bank eine höhere Qualität. Normalerweise sind gegen die Kampf und Disziplin allein zu wenig", so der Bad Tölzer, der aber auch klarstellte: "Egal, wie dieses Spiel ausgeht, es war eine tolle WM."

Realistisch betrachtet auch Franz Reindl die Viertelfinal-Chancen. "Gegen skandinavische Mannschaften sehen wir immer schlecht aus", sagte der Sportdirektor des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) und erinnerte an die 1:7-Niederlage bei Olympia gegen die "Tre Kronors" und das 1:4-Viertelfinal-Aus vor einem Jahr gegen Finnland. Die ernüchternde WM-Bilanz gegen Schweden gibt Reindl Recht: Nur zwei Siege und zwei Remis stehen in 35 Spielen zu Buche.

Schweden erhalten Verstärkung aus der NHL


Zudem bekommen die Gastgeber weitere Verstärkung. Zu den bisher acht NHL-Profis im Team des früheren Kölner Meistertrainers Hardy Nilsson soll noch Vancouvers Topscorer Markus Näslund stoßen. "Die holen ihre Spieler aus der NHL, wir holen unsere aus dem Urlaub", meinte Reindl mit Blick auf den Nürnberger David Sulkovsky und den Iserlohner Tomas Martinec, die im Viertelfinale die abgereisten Tobias Abstreiter und Martin Reichel ersetzen.

Mut machte den Deutschen US-Coach Lou Vairo. "In einem Spiel kann jeder gegen jeden gewinnen", meinte der schwergewichtige Trainer des Olympia-Zweiten nach dem 2:2 gegen die DEB-Auswahl: "Wenn ihr mir nicht glaubt, fragt die Schweden." Die waren in Salt Lake City sensationell im Viertelfinale an Weißrussland (3:4) gescheitert. "Es gibt keine leichten Gegner mehr, alle sind gefährlich. Ich würde mich nicht wundern, wenn wir uns noch einmal wiedersehen."

Schon mit dem Einzug ins Halbfinale würde die deutsche Mannschaft Geschichte schreiben. Seit Einführung des K.o.-Systems 1992 erreichte sie viermal die Runde der letzten Acht und scheiterte jedes Mal: 1992 in Prag mit 1:3 gegen die Schweiz, 1993 in München mit 1:5 gegen Russland, 1996 in Wien mit 1:6 gegen Tschechien und 2001 in Köln mit 1:4 gegen Finnland. Unter die besten Vier kam die DEB-Auswahl zuletzt 1953, als sie Platz zwei belegte - und nur drei Teams das Turnier beendeten.



© SPIEGEL ONLINE 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.