Deutsche Bilanz bei der Eishockey-WM Gut aufgestellt

Trotz des Viertelfinal-Aus gegen Tschechien erweist sich die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft bei der WM als zukunftstauglich. Sie ist jung und technisch beschlagen. Aber es gibt auch strukturelle Probleme.

Deutschlands Torwart Philipp Grubauer (Nr. 30) versammelt im Viertelfinale gegen Tschechien sein Team um sich
Vasily Fedosenko / REUTERS

Deutschlands Torwart Philipp Grubauer (Nr. 30) versammelt im Viertelfinale gegen Tschechien sein Team um sich

Aus Bratislava berichtet


Eines wollte Dominik Kahun auf jeden Fall festgehalten wissen, als er da stand, in der Interviewzone der Arena von Bratislava, eher so mittelgut gelaunt: "Das ist keine Packung. Jeder, der Eishockey versteht, weiß, dass es knapp war." Widerspruch musste der deutsche Nationalstürmer nicht befürchten, denn selten hat das Ergebnis ein Spiel unpassender abgebildet als dieses 1:5 (0:0, 1:1, 0:4) im WM-Viertelfinale gegen Tschechien.

Dass der zwölffache Weltmeister der rechtmäßige Sieger war, daran bestand natürlich kein Zweifel, auch Kahun wollte das nicht leugnen. Aber zur Geschichte des Spiel gehören eben auch die langen Phasen, in denen die deutsche Mannschaft ebenbürtig war.

Nach dem 1:1 durch Frank Mauer (38.) "ging es nur darum, wer das nächste Tor schießt, leider haben es dann die Tschechen geschossen", fasste Verteidiger Korbinian Holzer die entscheidende Phase im Schlussabschnitt zusammen. Und klang dabei fast ungläubig: "Nach zwei Dritteln war ich mir sicher, dass wir das Ding ziehen."

"Ein Grundstein ist gelegt"

Das war ein Satz, der vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wäre aus dem Mund eines deutschen Eishockey-Nationalspielers. Zumindest nach einem WM-Viertelfinale gegen ein Top-Sechs-Team wie Tschechien. Gewöhnlich lautete die Abmachung zwischen Verband, Trainer, Mannschaft und Beobachtern: Reicht es für die Runde der letzten Acht, war das schon in Ordnung. Erst recht, wenn wie nun in der Slowakei die direkte Olympiaqualifikation damit einhergeht.

Leon Draisaitl umringt von der tschechischen Hintermannschaft
Martin Rose / Getty Images

Leon Draisaitl umringt von der tschechischen Hintermannschaft

Dieses Mal waren sie allerdings nicht "irgendwie reinkraxelt ins Viertelfinale, wie das früher mal der Fall war", bemerkte Kapitän Moritz Müller. Dieses Mal hatten sie fünf der sieben Gruppenspiele gewonnen, gegen die NHL-Stars der USA mitgehalten und Finnland geschlagen. Da erschienen auch die Tschechen nicht mehr übermächtig.

"Wir sind nicht weit weg", sagte Bundestrainer Toni Söderholm. Mit dem Turnier sei "ein Grundstein gelegt", und dennoch erachtete er das Tschechien-Spiel als "verpasste Möglichkeit", deswegen "sollte es auch ein bisschen wehtun und motivierend sein für die Zukunft", so Söderholm.

Die Zukunft ist derzeit ein großes Thema im deutschen Eishockey. Weil sie deutlich rosiger erscheint als die oft biedere Vergangenheit. Das neue Team ist jung, schnell, technisch beschlagen. Und es hat in Söderholm den passenden Trainer, der ein System entwickelt hat, das Eishockey mehr als Spiel denn als Kampf darstellt.

Die Nachwuchsförderung lag lange brach

Das war teilweise sogar zu verspielt. "Dann waren wir zu inkonsequent, wollten vieles spielerisch lösen, anstatt einfach die Scheiben zum Tor zu bringen", monierte Moritz Seider, als 18-Jähriger neben den NHL-Stars Leon Draisaitl und Dominik Kahun (beide 23) das Gesicht des neuen Teams. Ein Team, das den "Anspruch hat, die Großen zu schlagen", wie es Verteidiger Holzer ausdrückte.

Zukunft des deutschen Eishockeys: Leon Draisaitl (l.) und Moritz Seider
Martin Rose / Getty Images

Zukunft des deutschen Eishockeys: Leon Draisaitl (l.) und Moritz Seider

Was dazu fehlt? Laut den Beteiligten: Kleinigkeiten. Hier eine bessere Entscheidung. Da ein gewonnener Zweikampf. Hier ein präziserer Schuss. Da etwas Scheibenglück.

Doch es gibt nach wie vor strukturelle Probleme im deutschen Eishockey. Lange lag die Nachwuchsförderung brach. Erst seit einigen Jahren gibt es neue Konzepte und Investitionen. Prompt stimmen die Ergebnisse: U18 und U20 sind diese Saison jeweils in die A-WM aufgestiegen. Die große Aufgabe wird es nun sein, den Talenten Eiszeit in der Liga zu garantieren. Jahrelang gab es die kaum. Weil sich die Klubs vor allem über Ticketverkäufe finanzieren, ging es stets um den kurzfristigen Erfolg. Da riskierte es kaum ein Manager, auf die Jugend zu setzen und ihr Fehler zuzugestehen. Lieber wurde noch ein erfahrener Mann verpflichtet.

Dass es nicht ohne Zwang geht, hat auch die Liga erkannt und hat Quoten für U23-Spieler eingeführt, die jedes Jahr steigen. Bald könnten die 14 DEL-Klubs rund 70 Arbeitsplätze für junge deutsche Eishockeyspieler bereithalten müssen, die es ohne die neue Regel nicht gegeben hätte.

Sie und die immer neuen, jungen Spieler, die nach Nordamerika gehen, sollen irgendwann das Rückgrat der Nationalmannschaft bilden. Damit Dominik Kahun nicht erneut erklären muss, dass ein 1:5 im Viertelfinale besser war, als es sich anhört.

Den kompletten WM-Spielplan finden Sie hier.

insgesamt 18 Beiträge
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fradu-koeln 24.05.2019
1. Hat Spaß gemacht,
der deutschen Mannschaft zuzuschauen. Nicht immer kann es so gut laufen wie gegen die Finnen, gegen die Tschechen kann man verlieren, auch wenn die Niederlage um zwei Tore zu hoch ausgefallen ist. Also, auf ein Neues in 2020.
mantrid 24.05.2019
2. Raus trotz toller Leistung
Hier fehlt nur etwas Glück. Eine tolle Leistung des deutschen Teams.
lenitti 24.05.2019
3. Kleine aber feine Unterschiede
Keine Frage, es war ein schönes und tolles Turnier für die deutsche Mannschaft. Und mit der Olympiaqualifikation auch ein sehr erfolgreiches. Zum Spiel gegen die Tschechen läßt sich sagen dass sich die deutsche Mannschaft nach den ersten zehn Minuten sehr gut in das Spiel hineingekämpft hatte. Beide Mannschaften hatten dann ihre Chancen. Das zwischenzeitliche 1 : 1 war ein gerechter Spielstand. Es ist wirklich so dass bei einem solchen Spielverlauf "der nächste Treffer" das Spiel entscheiden kann. Auch hier war es so. Allerdings möchte ich anmerken dass die Tschechen im letzten Drittel es hervorragend verstanden haben die wenigen Chancen in Tore umzumünzen. Dies war für mich der kleine aber feine Unterschied. Dazu etwas Scheibenglück und schon steht es 1 : 5. Definitiv zu hoch. Aber die Erleichterung der Tschechen nach dem dritten Tor zeigte doch deutlich, wie sehr die Mannschaft unter Druck stand. Die deutsche Mannschaft zeigte ein richtig gutes Spiel. Einstellung, Moral, Wille, alles vorhanden. Weiter so.
andromeda793624 24.05.2019
4. Alles Leistungsabhängig?
Sobald die Ergebnisse stimmen,wird wieder wie immer von einer tollen Zukunft gesprochen und der Grundstein sei gelegt. Doch diese Leistungen auch sind auch in erster Linie durch sehr gutes Coaching entstanden. Damals Sturm und jetzt Söderholm. Doch trotzdem fehlt es den Deutschen über eine starken Spieler-Pool wie z.b in der NHL und KHL. Man hat auch nahezu mit dem bestmöglichen Kader gespielt. Andere Nationen sind mit der zweiten,dritten oder gar vierten Garde aufgetreten. Siehe Halbfinalisten! Was ich eigentlich sagen will ist,dass die DEB-Auswahl nicht immer solche Leistungen abrufen kann. Man wird auch immer mal wieder nicht das VF erreichen und auch mal die ein oder andere "Klatsche"kassieren. Wie ist es dann mit der Berichterstattung bestellt? Ich habe das Gefühl dass es gar nicht in erster Linie um die Sportart Eishockey geht,sondern hauptsächlich um "Schwarz-Rot-Gold". Denn sobald mal die Ergebnisse/Leistungen nicht stimmen,dann ist plötzlich ein Desinteresse an dieser Sportart zu vernehmen. Das ist beim Fußball nicht so.
gt1961 24.05.2019
5. dank
Sport 1 war es möglich die tolle Leistung der deutschen Mannschaft mit zu erleben und Eishockey als wunderbaren Sport zu präsentieren.
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