Eishockey-WM Lob aus der Chefetage

Die deutschen Eishockey-Nationalmannschaft hat mit dem erneuten Einzug in ein WM-Viertelfinale für Begeisterung gesorgt. Am Sonntag erkämpften sich die Zach-Schützlinge beim Turnier in Schweden sogar ein Unentschieden gegen die USA.


Einsatz wird belohnt: Robert Müller (l.) und seine Vorderleute können den US-Amerikaner Mark Mowers stoppen
EPA/DPA

Einsatz wird belohnt: Robert Müller (l.) und seine Vorderleute können den US-Amerikaner Mark Mowers stoppen

Karlstad - Bundestrainer Hans Zach sprach von einer "Weltsensation", und Franz Reindl lobte die "neue Generation" in den höchsten Tönen: "Diese Generation hat das deutsche Eishockey aus dem Tal herausgeholt und wieder salonfähig gemacht. Das ist unglaublich, ich hätte es nicht für möglich gehalten", freute sich Sportdirektor Reindl über das bisherige Auftreten der Kufencracks.

Das Lob aus der Chefetage beflügelte: Beim 2:2 (0:1, 1:0, 1:1) am Sonntag zum Zwischenrundenabschluss gegen die USA knüpfte die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) nahtlos an die starken Leistungen zuvor an. Andreas Loth von den Kassel Huskies (27.) erzielte vor 5619 Zuschauern in Karlstad den 1:1-Ausgleich. Mark Mowers hatte den Olympia-Zweiten, in Salt Lake City 5:0-Sieger im Viertelfinale gegen das Zach-Team, in Führung gebracht. Russland-Legionär Jan Benda sorgte in der 48. Minute für das 2:1, Derek Plant von den München Barons drei Minuten später für den erneuten US-Ausgleich.

Vorzeitiger Einzug ins Viertelfinale


Den Einzug unter die besten Acht hatte die junge deutsche Mannschaft mit insgesamt sechs WM-Debütanten und elf Spielern unter 25 Jahren bereits am Freitag perfekt gemacht. Mit seinem späten Tor 33 Sekunden vor der Schlusssirene hatte der Deutsch-Kanadier Wayne Hynes den 3:2-Sieg gegen Lettland und damit vorzeitig Platz vier in der Gruppe E gesichert. Neben dem glänzenden Zeugnis gibt es für Nationalspieler auch Bares: Der DEB, der vom Weltverband IIHF 360.000 Euro für den Viertelfinaleinzug erhält, will einen Großteil der Summe in die Mannschaftskasse fließen lassen.

Den sportlichen Erfolg bewertete Zach sogar noch höher als im Vorjahr bei der Heim-WM. "Wir haben von sechs Spielen drei gewonnen und auch gegen die absoluten Topnationen sehr gut gespielt - und das alles in einem fremden Land und nach einer langen Olympia-Saison", lobte der Bundestrainer, der sein Team schon im vergangenen Jahr als Aufsteiger ins Viertelfinale geführt hatte.

Schweden ist Viertelfinalgegner


In Köln scheiterte die DEB-Auswahl damals mit 1:4 an Finnland. Diesmal führt sie der Weg nach Göteborg, wo sie am Dienstag Gastgeber Schweden trifft, das Finnland am Sonntagabend mit 4:2 besiegte. Für Weltenbummler Benda, der drei Jahre lang im Land der tausend Seen sein Geld verdiente, kein Grund zur Resignation: "Wir wollen auf der Erfolgswelle weiter reiten."

Gegen die USA, gegen die die deutsche Mannschaft zuletzt 1993 in Dortmund einen WM-Sieg gefeiert hatte (6:3), gelang dies zunächst nicht. Wie schon gegen Kanada ließen sich die Zach-Schützlinge zunächst von den NHL-Profis einschüchtern, genau wie der Coach es befürchtet hatte. Mowers tanzte bei seinem Führungstor die gesamte Abwehr inklusive Torhüter Robert Müller aus, der anstelle der Nummer eins Marc Seliger zwischen den Pfosten stand. Nach dem Ausgleich durch Loth, einem schönen Schlenzer in den Winkel, legte die DEB-Auswahl den Respekt ab und spielte munter mit.

Abstreiter musste verletzt abreisen


Im Viertelfinale erhält das Zach-Team personelle Verstärkung. David Sulkovsky von den Nürnberg Ice Tigers und Tomas Martinec von den Iserlohn Roosters trafen am Samstag in Karlstad ein. Einer der beiden Stürmer soll den verletzten Tobias Abstreiter ersetzen. Der Center der Kassel Huskies flog mit Verdacht auf Syndesmoseriss im rechten Knöchel bereits zurück nach Deutschland, um sich in München einer Kernspintomografie zu unterziehen. "Möglicherweise muss er operiert werden", erklärte Mannschaftsarzt Andreas Gröger.

Am Freitag gegen Lettland waren der Mannheimer Hynes, der plötzlich ungeahnte Torjägerqualitäten entwickelt, und der erneut überragende Goalie Seliger die Matchwinner. "Wenn er nicht so toll gehalten hätte, wäre mein Tor nichts wert gewesen", lobte der Deutsch-Kanadier den Nürnberger Schlussmann. Hynes wunderte sich indes selbst über seine Torserie. "Bei uns ist jeder mal dran. Jetzt ist wohl meine Zeit", meinte der 32-Jährige, der bei der WM bereits dreimal getroffen und damit seine bisherige Torausbeute in der Nationalmannschaft verdoppelt hat.

USA - Deutschland 2:2 (1:0, 0:1, 1:1)
1:0 Mowers (8:39)
1:1 Loth (26:44)
1:2 Benda (47:50)
2:2 Plante (50:47)
USA: Miller - Hatcher, O'Sullivan; Rohloff, Eaton; Tamer, Weinrich; De Wolf, Leopold - Konowalchuk, Donato, Sacco; LaCouture, Plante, Park; Hilbert, Reasoner, Clark; Rasmussen, Mowers, Murphy
Deutschland: Müller (Adler Mannheim/38 Länderspiele) - Köppchen (München Barons/15), Schubert (München Barons/27); Ehrhoff (Krefeld Pinguine/34), Benda (Bars Kasan/114); Goldmann (Moskitos Essen/99), Molling (Kassel Huskies/86); Renz (Kölner Haie/56) Seidenberg (Adler Mannheim/32) - Kreutzer (Kassel Huskies/68), Ustorf (Adler Mannheim/65), Rumrich (Nürnberg Ice Tigers/165); Kathan (Kassel Huskies/78), Soccio (Hannover Scorpions/56), Morczinietz (Augsburger Panther/21); Blank (Eisbären Berlin/19), Reichel (Nürnberg Ice Tigers/110), Loth (Kassel Huskies/53); Hynes (Adler Mannheim/35), Lewandowski (Eisbären Berlin/21)
Schiedsrichter: Karabanow (Russland)
Zuschauer: 5619
Strafminuten: USA 12 - Deutschland 8



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