Eklat kurz vor Tour-Start Acht Rennställe verlassen Vereinigung der Profiteams

Der Streit zwischen treibenden Kräften und Verhinderern des Anti-Doping-Kampfes hat zu einem Eklat geführt. Acht Rennställe traten kurz vor Tour de France aus der Profi-Vereinigung aus und gründeten eine eigene Arbeitsgruppe. Andreas Klöden griff Jörg Jaksche scharf an.


London - Bei einer Sitzung der Vereinigung der Profi-Radrennställe AIGCP in London verließen die Vertreter von acht Mannschaften, darunter die deutschen Teams Gerolsteiner und T-Mobile, den Verhandlungsraum unter Protest und gründeten noch an Ort und Stelle eine eigene "Arbeitsgruppe". Grund für die Spaltung waren laut Aussagen von Beteiligten die unterschiedlichen Auffassungen der Teamchefs über den Umgang mit der spanischen Doping-Affäre (Operacion Puerto) und dem von den Teams vereinbarten Ethikcode.

Gerolsteiner-Teamchef Holczer: "Muss man irgendwann Konsequenzen ziehen"
AFP

Gerolsteiner-Teamchef Holczer: "Muss man irgendwann Konsequenzen ziehen"

"Ein Vertreter eines spanischen Teams hat doch tatsächlich gesagt, das sei kein Doping, sondern Medizin. Da bin ich aufgestanden und gegangen", erklärte Gerolsteiner-Teamchef Hans-Michael Holczer wutschnaubend, nachdem er gemeinsam mit T-Mobiles technischem Direktor Luc Eisenga und Vertretern der sechs französischen AIGCP-Mannschaften die Runde gesprengt hatte: "Wenn man immer wieder merkt, dass wir in Fragen des Ethikcodes auf keinen gemeinsamen Nenner kommen, muss man irgendwann die Konsequenzen ziehen."

Ähnlich enttäuscht von den anderen Teams zeigte sich Eisenga: "Die Meinungsverschiedenheiten drehen sich nicht allein - aber in erster Linie - um Doping. Die Differenzen mit den Kollegen vieler anderer Mannschaften sind da riesengroß", so der Niederländer vom T-Mobile-Team. Allerdings hätte dies zunächst keine Auswirkungen auf die am Samstag beginnende Frankreich-Rundfahrt: "Es ging nicht um die Tour, sondern ganz grundsätzlich um die Zukunft des Radsports." Das betonte auch Holczer: "Die Tour wird nach jetzigem Stand wie geplant beginnen."

Klöden greift Jaksche an

Auf der eigentlichen Tagesordnung der AIGCP-Sitzung stand der Ausschluss von sechs Mannschaften, die "den Ethikcode immer wieder verletzt haben", berichtete Holczer. Dabei handle es sich um die italienischen Rennställe Lampre und Saunier Duval, das amerikanische Discovery-Team sowie die spanischen Mannschaften Caisse d'Epargne, Relax und Karpin Gallicia. "Wenn man sich die Listen von Fahrern mit auffälligen Blutwerten der vergangenen Monate ansieht, ergibt sich ein klares Bild, das vor allem spanische und italienische Teams ausweist. Eine Reaktion unsererseits war da längst überfällig", so Holczer.

Unterdessen hat auch einer der Topfavoriten für die am Samstag beginnende 94. Tour de France gereizt auf das Thema Doping reagiert. Andreas Klöden vom Team Astana erklärte, er beantworte "nur Fragen zu meiner Form. Ich habe keine Lust, jeden Tag alle Fragen nach irgendwelchen durchgeknallten Jaksches zu beantworten", sagte der Deutsche in Richtung des ehemaligen Telekom-Kollegen, der im SPIEGEL detailliert über Doping im Radsport ausgepackt hatte.

Er sei allein in diesem Jahr 13 Mal kontrolliert worden, sagte Klöden. "Ich bin im Kontroll-Pool des Schweizer Verbandes, der UCI und der Wada", so der 32-Jährige. Sein Teamkollege Alexander Winokurow, der wegen seiner Zusammenarbeit mit dem italienischen Doping-Arzt Michele Ferrari kritisiert wurde, sei der Kapitän. "Wenn sich das Blatt drehen sollte, werden Alexander Kaschetschkin und ich versuchen, die Lücke zu füllen", sagte Klöden.

goe/sid/dpa



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