EM-Star Paul Biedermann Kampfschwimmer mit Seepferdchen

Er versteht seinen Sport als Duell, vor Wettbewerben pusht er sich mit Rammstein-Songs hoch: Paul Biedermann ist der einzige deutsche Star im Männer-Schwimmen. Jetzt kann er bei der EM in Budapest seinen ersten Titel erringen - doch die wahre Herausforderung kommt erst noch.

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Von Paul Biedermann wird gerne die Geschichte erzählt, dass ihn ein Schwimmlehrer einst bei der Seepferdchen-Prüfung durchfallen ließ. Niederlagen im Wasser sind seitdem selten geworden für den 24-Jährigen aus Halle. Am Montag im Finale über 400 Meter Freistil greift Biedermann bei der Europameisterschaft der Schwimmer in Budapest nach seinem ersten Titel - und eine ähnliche Pleite wie damals bei der Schwimmprüfung ist wohl definitiv auszuschließen. Biedermann ist auf seinem Feld ein Weltstar geworden.

Schwimmer schaffen es nur in den seltensten Fällen in die Herzen der deutschen Öffentlichkeit. Franziska van Almsick ist das gelungen, weil nach der Wende ein ostdeutscher Sport-Darling gesucht wurde, unbelastet von den DDR-Dopingpraktiken, kompatibel für Hochglanzmagazine, dazu sportlich hoch erfolgreich. Ihre Nachfolgerin Britta Steffen, Doppel-Olympiasiegerin von 2008, weigert sich bislang beharrlich, diese Rolle auszufüllen - sie ist zu sperrig, zu in sich gekehrt, zu eigenbrötlerisch, um den Liebling der Massen abzugeben.

Biedermann, seit dem Frühjahr mit Steffen liiert, ist dafür schon weit besser geeignet. Der Modellathlet, der Sunnyboy, der Sportler des Jahres, immer für ein Interview zu haben: Der 24-Jährige hätte alles Zeug dazu, eine Art Boris Becker im Schwimmbecken zu werden - einen Schwimmboom, vergleichbar zu der Beckermania damals im Tennissport, haben seine Erfolge allerdings nicht ausgelöst.

Fabelweltrekorde für die Ewigkeit

Im Vorjahr bei der Weltmeisterschaft in Rom hat Biedermann Fabelweltrekorde über 200 Meter und 400 Meter Freistil erzielt - Bestmarken vermutlich für die Ewigkeit, da in Rom letztmalig bei einem Ereignis dieser Größenordnung in den vermeintlichen Wunderanzügen geschwommen wurde, die für 240 Schwimm-Weltrekorde innerhalb von zwei Jahren verantwortlich gemacht werden. Die Anzüge sind mittlerweile abgeschafft, Biedermann und die anderen schwimmen seitdem etwa vier Sekunden hinter ihrer 200-Meter-Bestzeit her.

So kommt es in Budapest nicht mehr auf Zeitenjagd an, jetzt zählt wieder der direkte Vergleich, und da hat Biedermann höchstens den jungen Franzosen Yannick Agnel zu fürchten - auch wenn er nach dem Vorlauf am Montagmorgen noch sagte, "nicht so ein gutes Gefühl zu haben". Ansonsten zählt für Biedermann derzeit ohnehin nur ein Name: Michael Phelps.

Dem US-Amerikaner, der bei den Olympischen Spielen in Peking achtmal an den Start ging und achtmal Gold gewann, schwamm Biedermann in Rom um Längen davon. "Er hat mich zu Brei gemacht", sagte der US-Superstar anschließend und tauchte nach dem 200-Meter-Wettbewerb grußlos ab. Seit Rom weiß Phelps, dass ihm ein neuer Gegner erwachsen ist. Als die beiden sich im Herbst beim Kurzbahn-Weltcup in Berlin wieder über den Weg liefen, sprachen sie kein Wort miteinander. Für Biedermann ist Schwimmen eine Duell-Sportart. Vor seinen Rennen pusht sich Biedermann mit Musik von Rammstein hoch. Einer von deren Songs hieß "Mann gegen Mann". Diese Titelzeile könnte der Soundtrack zu Biedermanns Karriere sein.

Auf Phelps wird Biedermann bei der WM im kommenden Jahr in Shanghai wieder treffen - aber all das wird nur der Vorgeschmack sein für den großen Zweikampf bei den Olympischen Spielen in London 2012. Biedermann wird dann 26 Jahre alt sein, Phelps 27, beide im besten Schwimmeralter. Es dürfte einer der Höhepunkte dieser Spiele werden.

"Er läuft wie eine Nähmaschine"

Biedermanns Trainer Frank Embacher hat über seinen Schützling im Vorfeld der EM gesagt: "Er läuft wie eine Nähmaschine, jeder Stich sitzt." Embacher, der den 24-Jährigen seit sieben Jahren trainiert, hat auch schon mal anders über Biedermann gesprochen. 2008 kurz vor den Olympischen Spielen hätten sie sich fast getrennt, so unterschiedlich waren ihre Ansichten darüber, wie man am besten trainiert. Der damalige Bundestrainer Örjan Madsen musste anreisen und vermitteln. Mittlerweile hat man sich zusammengerauft. Biedermann weiß, wie viel er Embacher zu verdanken hat. Und Embacher ist inzwischen auch einmal bereit, auf die Anregungen seines Schwimmers einzugehen.

Als die Beziehung zu Britta Steffen öffentlich wurde und Spekulationen aufkamen, ob Biedermann ihr zuliebe Halle verlassen und nach Berlin gehen würde, hat der Sportler das sofort abgeblockt. Heute sagt Biedermann über Embacher auch mal Sätze wie: "Ich bin durch sein Training das geworden, was ich bin, da wäre ich schön blöd, wenn ich woandershin wechseln würde." Aneinander geraten sie trotzdem immer noch. Beide siezen sich bis heute.

Biedermann hat in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" gesagt: "Je stärker der Gegner, desto mehr Spaß verspüre ich." Insofern wird Budapest wohl nicht den besten Paul Biedermann sehen, den es gibt - zu ungefährdet ist der Deutsche zumindest über die 200-Meter-Strecke derzeit in Europa. Biedermann pur gibt es dann spätestens 2012. Michael Phelps wartet schon auf ihn.

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Meisterbrau 09.08.2010
1. Ein wenig Recherche
hätte gut getan. "Vor seinen Rennen pusht sich Biedermann mit Musik von Rammstein hoch. Einer von deren Songs hieß "Mann gegen Mann". Es könnte der Soundtrack zu Biedermanns Karriere sein." "Er läuft wie eine Nähmaschine, jeder Stich sitzt." Wenn man mal nachgeschaut hätte, wovon das Lied "Mann gegen Mann" tatsächlich handelt, hätte man die Formulierungen vielleicht anders gewählt. Liest sich allerdings imho ziemlich lustig so :>
Aspirin 09.08.2010
2. Recherche
Zitat von Meisterbrauhätte gut getan. "Vor seinen Rennen pusht sich Biedermann mit Musik von Rammstein hoch. Einer von deren Songs hieß "Mann gegen Mann". Es könnte der Soundtrack zu Biedermanns Karriere sein." "Er läuft wie eine Nähmaschine, jeder Stich sitzt." Wenn man mal nachgeschaut hätte, wovon das Lied "Mann gegen Mann" tatsächlich handelt, hätte man die Formulierungen vielleicht anders gewählt. Liest sich allerdings imho ziemlich lustig so :>
Wollte genau das gleiche schreiben. Das ist halt Journalismus auf top Niveau. Man hätte doch lieber "Feuer und Wasser" genommen, da gehts wenigstens ums Schwimmen... irgendwie
brenfan 09.08.2010
3. toll
...und da er Deutscher ist schafft er all dies natürlich ohne Doping !
deepocean 09.08.2010
4. aha
Zitat von brenfan...und da er Deutscher ist schafft er all dies natürlich ohne Doping !
hat das irgendjemand behauptet? warum diese nationalistische brille? nicht jeder der spitzenleistung bringt muss zwangsläufig gedopt sein.... aber das wissen sie ja ;-) btw, bitte langweilen sie nicht mit solchen abstrusen behauptungen; diese thema ist schon bis zum erbrechen in diversen threads behandelt worden.... oder haben sie interesse an einer copy-paste orgie ;-)
brenfan 09.08.2010
5. deswegen
Zitat von deepoceanhat das irgendjemand behauptet? warum diese nationalistische brille? nicht jeder der spitzenleistung bringt muss zwangsläufig gedopt sein.... aber das wissen sie ja ;-) btw, bitte langweilen sie nicht mit solchen abstrusen behauptungen; diese thema ist schon bis zum erbrechen in diversen threads behandelt worden.... oder haben sie interesse an einer copy-paste orgie ;-)
Eigentlich habe ich den Kommentar geschrieben um von Menschen wie ihnen zurechtgewiesen zu werden. Hat schnell und perfekt geklappt.
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