Erfurter Affäre Nada will alle verdächtigen Sportler überprüfen

Deutsche Sportler sollen ihr Blut beim Erfurter Sportmediziner Andreas Funke einer verbotenen Bestrahlung unterzogen haben. Die nationale Anti-Doping-Agentur Nada will nun in allen Fällen die Einleitung von Doping-Verfahren prüfen, muss sich aber selbst harsche Kritik gefallen lassen.

Blutproben: Streit um Frankes Methode
DPA

Blutproben: Streit um Frankes Methode


Hamburg - Die nationale Anti-Doping-Agentur Nada hat im Rahmen der Erfurter Doping-Affäre erneut Einsicht in die Akten der Staatsanwaltschaft genommen und prüft nun, ob weitere Doping-Verfahren eingeleitet werden sollen. Gegen eine deutsche Eisschnellläuferin und einen Radfahrer sollen nach einem Bericht der ARD bereits Verfahren laufen.

"Selbstverständlich prüfen wir mit aller Gewissenhaftigkeit in jedem einzelnen Fall die mögliche Anwendung verbotener Methoden, ganz gleich, ob es sich dabei um Olympiasieger oder Nachwuchssportler handelt", sagte die Nada-Vorstandsvorsitzende Andrea Gotzmann am Montag.

Im Mittelpunkt der Affäre steht der Erfurter Sportmediziner Andreas Franke. Dieser soll Versuche mit dem Eigenblut von Sportlern unternommen haben. Bei dem Verfahren soll den Athleten Blut abgenommen und bestrahlt worden sein. Anschließend sei den Sportlern das Blut wieder zugeführt worden. Die Methode ist hinsichtlich ihrer Wirkung umstritten, gilt aber als möglicherweise leistungssteigernd und ist daher im Leistungssport schon seit Jahren verboten.

Das sieht Franke jedoch anders: "Aus medizinischer und juristischer Sicht ist die Darstellung falsch, dass es sich bei der UV-Blutbestrahlung um Doping handeln könnte", schrieb der Arzt in einer vierseitigen Erklärung am Montag.

Auch Kritik an der Nada wird laut

Die Erfurter Staatsanwaltschaft hingegen sieht in den Aktivitäten Frankes einen "Anfangsverdacht der unerlaubten Anwendung von Arzneimitteln bei anderen zu Dopingzwecken". Die Behörden ermitteln seit Frühjahr 2011 gegen den Mediziner wegen des Verdachts, zu Dopingzwecken gegen das Arzneimittelgesetz verstoßen zu haben. Dabei geht es um den Zeitraum von 2006 bis 2011, in dem Franke Vertragsarzt des Olympiastützpunktes Erfurt war.

Unter den verdächtigten Athleten befinden sich auch Stars der Sportszene. Auch Claudia Pechstein soll eine der insgesamt rund 30 Sportlerinnen und Sportler sein, deren Blut von Franke behandelt wurde. Die Eisschnellläuferin bestreitet jedoch sämtliche Doping-Vorwürfe.

Mittlerweile wird auch Kritik an der Nada laut. Der Leiter des Olympiastützpunktes Thüringen, Bernd Neudert, sagte, dass er bereits 2007 in einem Brief an die Nada "haarklein" über die Bluttherapie von Franke berichtet und um eine Stellungnahme gebeten habe, ob diese Methode zulässig ist. "Ich habe bis heute keine Antwort erhalten - auch auf Nachfragen nicht", sagte Neudert. Dem widersprach Nada-Sprecher Berthold Mertes. Er bestätigte zwar den Eingang der Anfrage, sagt jedoch, dass die Nada geantwortet und darauf hingewiesen habe, "sich immer strikt gegen eine Eigenblutbehandlung ausgesprochen" zu haben.

"An Dilettantismus nicht zu überbieten"

Auch der Heidelberger Molekularbiologe und Doping-Experte Werner Franke griff die Anti-Doping-Agentur wegen der Handhabe der Affäre an: "Die NADA hat was, macht aber nichts. Das ist an Dilettantismus nicht zu überbieten", sagte Franke.

Dass bislang nur zwei Fälle verfolgt wurden, hatte die Nada-Vorsitzende Gotzmann mit der "Größenordnung der Angelegenheit" erklärt. "Ich kenne keine Agentur der Welt, die das von heute auf morgen so umsetzen und bewältigen kann. Wir planen das intensiv, was unsere personellen und finanziellen Ressourcen angeht", sagte Gotzmann in dem am Sonntagabend ausgestrahlten ARD-Bericht.

bka/sid/dpa/dapd



insgesamt 13 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
doc 123 30.01.2012
1. Dank an SPON!
Zitat von sysopDeutsche Sportler sollen ihr Blut beim Erfurter Sportmediziner Andreas Funke*einer verbotenen Methode unterzogen haben. Die nationale Anti-Doping-Agentur Nada will nun in allen Fällen die Einleitung von Doping-Verfahren*prüfen, muss sich aber selbst harsche Kritik gefallen lassen. http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,812318,00.html
Dass hier bez. dieses Doping-Sumpfes noch einmal nachgelegt wird. Wie schon in dem anderen Blog zu Pechstein vermutet, handelt es sich bei dem Vorgehen der NADA bzw. der entsprechenden Sportverbände um allenfalls Verschleierungstaktiken und das bereits seit Jahren. Selbst die NADA-Vertreterin hat eben im ZDF-heute bestätigt, dass es sich bei der UV-Blutbestrahlung und Wiederinfusion ganz EINDEUTIG um Doping handelte, anderes zu behaupten wäre ja auch allenfalls abstrus und mit den geltenden Dopingrichtlinien ganzu sicherlich nicht zu vereinbaren. Dass hier die bereits "vorbelastete" Pechstein ganz offensichtlich geschont werden sollte ist dabei doch wohl mehr als eindeutig! Ein Trockenlegen des Dopingssumpfes kann allenfalls NUR dann erfolgen, wenn Sünder entsprechen kriminalisiert werden und durch Polizei und Staatsanwaltschaft mit den entsprechenden Ermittlungsmethoden verfolgt werden können. Sich dabei auf eine den Sportverbänden und entsprechenden Lobbygruppen verpflichtete NADA verlassen zu wollen ist dabei mittlerweile allenfalls an Absurdität kaum noch zu überbieten.
wolfman11 30.01.2012
2. Immer und überall
Zitat von doc 123Dass hier bez. dieses Doping-Sumpfes noch einmal nachgelegt wird. Wie schon in dem anderen Blog zu Pechstein vermutet, handelt es sich bei dem Vorgehen der NADA bzw. der entsprechenden Sportverbände um allenfalls Verschleierungstaktiken und das bereits seit Jahren. Selbst die NADA-Vertreterin hat eben im ZDF-heute bestätigt, dass es sich bei der UV-Blutbestrahlung und Wiederinfusion ganz EINDEUTIG um Doping handelte, anderes zu behaupten wäre ja auch allenfalls abstrus und mit den geltenden Dopingrichtlinien ganzu sicherlich nicht zu vereinbaren. Dass hier die bereits "vorbelastete" Pechstein ganz offensichtlich geschont werden sollte ist dabei doch wohl mehr als eindeutig! Ein Trockenlegen des Dopingssumpfes kann allenfalls NUR dann erfolgen, wenn Sünder entsprechen kriminalisiert werden und durch Polizei und Staatsanwaltschaft mit den entsprechenden Ermittlungsmethoden verfolgt werden können. Sich dabei auf eine den Sportverbänden und entsprechenden Lobbygruppen verpflichtete NADA verlassen zu wollen ist dabei mittlerweile allenfalls an Absurdität kaum noch zu überbieten.
Muß man denn jetzt zum gleichen Thema immer mehrere Blogs daraufhin prüfen, ob die Hexenjagd weitergeht? Sie nennen Pechstein "bereits "vorbelastete" " - nahezu jeder der sich mit dem Fall von Frau Pechstein befasst hat, nennt sie inzwischen eine bereits "entlastete". Gerade deshalb wäre es wünschenswert mit einer erneuten Vorverurteilung - gerade von Frau Pechstein - etwas zurückhaltender zu sein. Warum hat die NADA diese klare Einschätzung eigentlich nicht bei der offiziellen Anfrage des Stützpunktes im Jahr 2007 als Antwort übermittelt? Und weshalb hat die Staatsanwaltschaft weitere vier Jahre gebraucht um Ermittlungen einzuleiten? Und warum berufen Sie sich auf eine NADA-Vertreterin um anschließend wenige Sätze später diese Organisation defacto als korrumpiert abzukanzeln?
smerfs 30.01.2012
3. !
Zitat von sysopDeutsche Sportler sollen ihr Blut beim Erfurter Sportmediziner Andreas Funke*einer verbotenen Methode unterzogen haben. Die nationale Anti-Doping-Agentur Nada will nun in allen Fällen die Einleitung von Doping-Verfahren*prüfen, muss sich aber selbst harsche Kritik gefallen lassen. http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,812318,00.html
die nada ist eine schlafmützenagentur, mehrfach habe ich auf den mißbrauch von levitiertes wasser hingewiesen was viele sportler zur leistungssteigerung zu sich nehmen. besonders schlimme finger nehmen kurz vor wettkämpfen bei vollmond abgefülltes wasser (1l 6-8€) aber die nada interessiert das nicht auch die staatsanwaltschaften verschließen die augen vor diesem sumpf!
hador2 30.01.2012
4.
Zitat von sysopDeutsche Sportler sollen ihr Blut beim Erfurter Sportmediziner Andreas Funke*einer verbotenen Methode unterzogen haben. Die nationale Anti-Doping-Agentur Nada will nun in allen Fällen die Einleitung von Doping-Verfahren*prüfen, muss sich aber selbst harsche Kritik gefallen lassen. http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,812318,00.html
Im Klartext dürfte das wohl heißen, dass auf der Liste auch eine Reihe von Topsportlern stehen, denn wenn es hier in erster Linie um Nachwussportler oder mittelmäßige Athleten ginge dann bräuchte die NADA sich hier weit weniger Sorgen um ihre Ressourcen zu machen. Immerhin ist die schiere Anzahl mit 30 Personen ja nun doch eher überschaubar.
Pollowitzer 31.01.2012
5. Von wegen Hexenjagd
Zitat von wolfman11Muß man denn jetzt zum gleichen Thema immer mehrere Blogs daraufhin prüfen, ob die Hexenjagd weitergeht? Sie nennen Pechstein "bereits "vorbelastete" " - nahezu jeder der sich mit dem Fall von Frau Pechstein befasst hat, nennt sie inzwischen eine bereits "entlastete". Gerade deshalb wäre es wünschenswert mit einer erneuten Vorverurteilung - gerade von Frau Pechstein - etwas zurückhaltender zu sein. Warum hat die NADA diese klare Einschätzung eigentlich nicht bei der offiziellen Anfrage des Stützpunktes im Jahr 2007 als Antwort übermittelt? Und weshalb hat die Staatsanwaltschaft weitere vier Jahre gebraucht um Ermittlungen einzuleiten? Und warum berufen Sie sich auf eine NADA-Vertreterin um anschließend wenige Sätze später diese Organisation defacto als korrumpiert abzukanzeln?
Pechstein ist doch zweifelsfrei und rechtswirksam wg Dopings verknackt worden und hat die Strafe abgebrummt - leider hat sich ihr Arbeitgeber anscheinend nicht wirksam um eine Abstrafung der verurteilten Doperin gekümmert - wieso gabs da keine Diszi? Das Pechstein wieder im Umfeld vom Betrug am Zuschauer auftaucht wundert mich nicht, war nur eine Frage der Zeit - Keine Samthandschuhe bitte für die vereindlichen Betrüger!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.