Erik Zabel Alles wieder im grünen Bereich

Nach der umstrittenen Ausbootung seines Sprinthelfers Gian-Matteo Fagnini hat Erik Zabel dem Team Telekom Ruhe beschert. Der gebürtige Berliner gewann die erste Etappe der Tour de France und eroberte das Grüne Trikot.


Boulogne-sur-Mer - Dem französischen Autor Charles Augustin de Sainte-Beuve verdankt die Zielgeraden in Boulogne-sur-Mer ihren Namen. Dessen bekanntestes Werk heißt "Causeries du lundi", zu deutsch: "Montagsgeplauder". Nach 198 Kilometer und 4:55,15 Stunden raste Erik Zabel als Erster der 188 Radprofis über den Boulevard Sainte-Beuve und schrieb eine Geschichte, die diesen Montag überdauern dürfte.

Zabel erfolgreicher als Altig

Mit seinem insgesamt neunten Etappensieg bei der Tour de France hat Erik Zabel einen deutschen Rekord aufgestellt. Er überflügelte Altmeister Rudi Altig, der in seiner Karriere achtmal als Erster über den Zielstrich bei der "Grande Boucle" gefahren war. Doch seiner sporthistorischen Leistung maß Zabel anschließend keine Bedeutung bei: "Ich bin kein Statistiker, sondern Radrennfahrer." Eine maßlose Untertreibung.

Ein gewöhnlicher Radprofi ist der 31-Jährige nicht, sondern der beste Zweireifen-Sprinter der Welt. Fünfmal in Folge, zuletzt im vergangenen Jahr hat Zabel das Grüne Trikot bei der Tour de France gewonnen. Weil sein Arbeitgeber Team Telekom in diesem Jahr alles Jan Ullrichs Gesamtsieg unterordnet, wurde Zabels persönlicher Spurthelfer Gian-Matteo Fagnini vor Beginn der Tour ausgebootet. Zabel beklagte sich öffentlich über die Geringschätzung seitens der Mannschaftsleitung und dachte im ersten Moment sogar laut darüber nach, seine Teilnahme an der Frankreich-Rundfahrt kurzfristig abzusagen.

Wie ein kleiner Junge unterm Weihnachtsbaum

Erik Zabel: "Alleine schaffen"
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Erik Zabel: "Alleine schaffen"

Wirklich ernst hatte der Weltcupsieger der vergangenen Saison diese Ankündigung vor dem Start der Rundfahrt natürlich nicht gemeint, aber seine Moral hatte ernsthaft gelitten. "Das ist für Sprinter diesmal eine sehr schwere Tour de France. Vielleicht kann ich einen Etappensieg realisieren. Alles andere wäre wohl zu viel des Guten", hatte Zabel die Hoffnung auf den erneuten Gewinn des Grünen Trikots quasi aufgegeben und überspielte seine Enttäuschung mit einem aufgesetzten Lächeln.

Auf dem Siegerpodest in der grauen Hafenstadt Boulogne-sur-Mer fand Zabel am frühen Sonntagabend sein echtes Lächeln wieder. Er strahlte wie ein kleiner Junge, der ein Rennrad unterm Weihnachtsbaum gefunden hat: "Ich bin selbst überrascht. Diesen Erfolg kann mir keiner mehr nehmen. So gut bin ich noch nie in eine Tour de France gestartet."

Godefroot hatte es erahnt

Sein Team wird ihm den Etappensieg, den er vor dem Letten Romans Vainsteins (Domo-Farm) und dem Franzosen Jimmy Casper (Francaise des Jeux) holte, von Herzen gönnen. Allein schon deshalb, weil damit die öffentliche Kritik an der Auswahl des Telekom-Kaders zunächst einmal verstummen wird. Teammanager Walter Godefroot hatte unmittelbar vor dem Start zur Tour geahnt, keine Fehler in der Zusammenstellung seines Teams gemacht zu haben. Er habe keine grundlegenden Zweifel, dass sein Sprinter sogar in Grün bis nach Paris fahren könne, hatte Godefroot geäußert: "Erik hat in der Vergangenheit gezeigt, dass er es auch alleine schaffen kann."

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