Erster Titelgewinn im Baseball San Francisco feiert seine Giganten

Dem großen Triumph folgte die gigantische Party: Die Giants haben zum ersten Mal in ihrer Geschichte die World Series nach San Francisco geholt - und so eine Stadt in Wallung gebracht. Die Westküsten-Metropole feierte ihr Baseball-Team und sich selbst.

AFP

Von Florian Haas und Marco Lambrecht, San Francisco


Auf dem Center Plaza, mitten in der Stadt, feierten die Menschen. Im Stadion entzündeten einige der 4000 versammelten Fans Freundenfeuer. Tausende zogen singend durch die Straßen im Stadtzentrum. San Francisco feierte sich selbst. Und natürlich seine Giganten: die Giants.

Das Team hatte kurz zuvor die Texas Rangers in der Finalserie der Major League Baseball (MLB) klar besiegt und damit die World Series gewonnen. Es war der erste Titelgewinn seit dem Umzug der Giants von New York nach San Francisco 1958. Genau 19.193 Tage musste die Stadt an der Westküste seither auf den wichtigsten Titel im Baseball warten.

Entsprechend groß war die Begeisterung im nächtlichen San Francisco.

Auf der nahe gelegenen Market Street, der Hauptverkehrsader durch die Innenstadt, sprangen weniger vernünftige Fans auf Autos, umwickelten Busse mit Toilettenpapier und ließen Feuerwerkskörper knallen. Die Party erstreckte sich bis hinunter zur King Street, wo das Heimstadion der Giants liegt. Die Fans spritzten mit Champagner und wedelten mit Club-Flaggen. Zeitweilig wurde die Gegend für den Verkehr gesperrt.

"Generationen darauf gewartet"

Schon während der Partie, der fünften der laufenden Serie, hatten die Fans in San Francisco mit ihren Sport-Idolen gezittert. Auch im "Phoenix", einem irischen Pub im Latino-Viertel, wo die Giants "Los Gigantes" heißen, steigerte sich die Stimmung der 200 Fans von verhalten optimistisch im Laufe der Partie bis hin zu blendend. Ein Homerun von Starspieler Edgar Renteria, der für seine Leistungen zum "MVP" der World Series gewählt wurde, brachte im siebten Spielabschnitt die 3:0-Führung - und animierte die Fans.

Inmitten der lauten "Let's go Giants!"-Gesänge ging ein Homerun der Rangers fast unter. Es folgten der letzte Wurf von Giants-Spieler Brian Wilson - und dann ein kollektiver Aufschrei: Die Giants hatten das fünfte Spiel 3:1 gewonnen und die Finalserie 4:1 für sich entschieden. Vor allem aber hatten sie damit die World Series zum ersten Mal nach San Francisco geholt.

Zwar konnten die Giants bereits fünf Mal die World Series gewinnen (1905, 1921, 1922, 1933 und 1954), doch spielten sie damals noch in New York. Als San Francisco Giants verloren sie 1962, 1989 und 2002 jeweils im Finale. Lange sah es auch in dieser Saison nicht so aus, als würde es dieses Mal zum Titel reichen: Die Giants qualifizierten sich erst am letzten Spieltag der National League für die Playoffs.

"Sie schlugen uns eindrucksvoll"

Doch nach Siegen über die Atlanta Braves und Philadelphia Phillies, letztjähriger Finalist und Meister 2008, beeindruckte die Auswahl um Starspieler Edgar Renteria im Außenseiterfinale gegen die Rangers mit hoher Wurfeffektivität. So auch im fünften und letzten Spiel am Montagabend beim Meister der American League in Texas. "Sie schlugen uns eindrucksvoll. Sie haben es sich verdient", sagte Rangers-Coach Ron Washington.

Die Fans in San Francisco sahen es genauso.

Im "Phoenix" knallten die Sektkorken. Vor der Bar bildete sich der Autokorso, ein Feuerwehrauto ließ seine Sirene aufheulen, und über der Stadt kreisten Hubschrauber. Im Fernsehen hielt Giants-Ass Wilson die Trophäe in den Händen und sagte: "Die Stadt wird verrückt spielen, wir werden verrückt spielen."

"Die Qual für San Francisco ist vorbei"

Gefeiert wurde bis in die frühen Morgenstunden - und weitgehend friedlich, wie die Polizei mit Verweis auf nur fünf Festnahmen mitteilte.

Wer die Feier am Abend verpasste, konnte sich am nächsten Tag mit einem Blick in die Zeitungen noch ein wenig von der Jubelstimmung ins Wohnzimmer holen. Der "San Francisco Chronicle" notierte voller Stolz: "Die Besten der Welt! Wie lange die Anhänger darauf gewartet haben: nicht nur Jahre, sondern Generationen." Und der "San Francisco Examiner" formulierte mit reichlich Pathos: "An einem Tag kam der Moment, Enttäuschung wurde Freude. Die Qual für San Francisco ist vorbei. Die Giants haben die World Series gewonnen."



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