Etappensieger Basso "Armstrong ist unschlagbar"

Ivan Basso war die große Überraschung auf der ersten Bergetappe der Tour de France, als er vor Lance Armstrong siegte und die anderen Mitfavoriten abhängte. Dennoch traut sich der CSC-Kapitän nicht zu, den sechsten Sieg in Serie des US-Amerikaners zu verhindern. Es gehe nur noch um Platz zwei, so der Italiener.

Von Till Schwertfeger, Lannemezan


Ivan Basso: "Alles ist noch möglich - aber nur im Kampf um Platz zwei"
AP

Ivan Basso: "Alles ist noch möglich - aber nur im Kampf um Platz zwei"

Bevor der Streckenplan der Tour de France 2004 das Peloton erstmals ins Hochgebirge schickte, hatte Jan Ullrich auch Ivan Basso auf dem Zettel. Er stufte den Italiener als Mitfavoriten ein, "allerdings nicht auf den Gesamtsieg", sondern nur auf einen Podiumsplatz. Im Hinterkopf dürfte der T-Mobile-Kapitän das Zeitfahren nach Cap Découverte aus dem Vorjahr gehabt haben, als er am sechs Minuten vor ihm gestarteten Basso vorbei rauschte, der Paris schließlich als Siebter erreichte.

2002 hatte der heute 26-Jährige als bester Nachwuchsfahrer der Frankreich-Rundfahrt auf sich aufmerksam gemacht, doch Teammanager Giancarlo Ferretti verlor Ende des vergangenen Jahres die Geduld mit Basso, der im Sommer 2001, der ersten Saison im Fassa-Bortolo-Dress, mit einem Etappenerfolg bei der nicht sonderlich berühmten Österreich-Rundfahrt seinen letzten Sieg gefeiert hatte. Es sei ihm zu kostspielig, "teures Geld für einen Fahrer auszugeben, der nie gewinnt", so Ferretti.

Armstrong aus der Reserve gelockt

Im Ziel von La Mongie konnte sich Bjarne Riis ein Lächeln nicht verkneifen. Dem Teamchef und Strategen des dänischen Rennstalls CSC, der die Mannschaftswertung anführt, war es gelungen, im finalen Anstieg der ersten Pyrenäen-Etappe den Pulk der Favoriten zu sprengen und seinen Neuzugang in Szene zu setzen. Carlos Sastre, spanischer Kletterspezialist im Riis-Team, hatte die vorentscheidende Attacke lanciert, die Bassos Rivalen endgültig abhängte und Armstrong aus der Reserve lockte. Den Antritt des US-Amerikaners konterte der CSC-Kapitän souverän wie kein anderer Fahrer in den vergangenen fünf Jahren, in denen Armstrong die Tour beherrschte.

"Basso ist super gefahren", anerkannte der Abo-Gewinner der Tour, "er ist ein Teufelskerl." Armstrong nahm auf den letzten Metern keine Anstrengungen auf sich, den Italiener zu besiegen. Er steht Basso nahe, seit er weiß, dass dessen Mutter an Krebs erkrankt ist. "Es hat mir diesmal sogar gefallen, nicht gewonnen zu haben", sagte der US-Amerikaner, der sich dem Kampf gegen den Krebs verschrieben hat.

Seine eigene Form beschrieb Armstrong als "gut, aber nicht super". Sie reichte aus, um den Tagessieger zu bestimmen und die etablierte Konkurrenz zu deklassieren. Auch Johan Bruyneel hatte die enttäuschenden Leistungen Jan Ullrichs, Tyler Hamiltons und Roberto Heras' erstaunt registriert und neue Gegenspieler Armstrong ausgemacht. "Ivan Basso, Carlos Sastre, Andreas Klöden und Francisco Mancebo können uns in den Bergen ärgern", erklärte der Sportliche Leiter des US-Postal-Teams.

Kampf um die Podiumsplätze

Etappensieger Basso, Armstrong: "Er ist ein Teufelskerl"
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Etappensieger Basso, Armstrong: "Er ist ein Teufelskerl"

1:09 Minuten beträgt der Rückstand Bassos auf Armstrong. In den Bergen keine Ewigkeit, aber auch am Gipfel seiner bisherigen Karriere bleibt der Italiener auf dem Boden. "Alles ist noch möglich - aber nur im Kampf um Platz zwei", umschreibt Basso sein Ziel für Paris, "ich glaube nicht, dass Armstrong schlagbar ist."

Auch der CSC-Kapitän hat nicht vergessen, dass er im contre-la-montre große Schwächen hat: "Ich gehe davon aus, dass ich beim letzten Zeitfahren in Besancon eine Menge Zeit auf Ullrich und Hamilton verlieren werde." Von Lance Armstrong gar nicht zu sprechen. Ullrich aber hat Ivan Basso also noch auf dem Zettel - im Kampf um einen Podiumsplatz.



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