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04. Februar 2012, 14:47 Uhr

Ex-Radprofi Armstrong

Doping-Untersuchungen gehen weiter

Für Lance Armstrong ist es eine gute Nachricht. Die strafrechtlichen Ermittlungen in den USA wurden eingestellt. Doch der höchst umstrittene frühere Radprofi sollte sich nicht zu früh freuen. Die Anti-Doping-Agentur der USA will ihre Untersuchungen fortführen.

Hamburg - Wie die Anti-Doping-Agentur der USA (Usada) am Samstag mitteilte, ist für sie das Verfahren gegen Lance Armstrong mit der Einstellung der strafrechtlichen Ermittlungen nicht beendet. "Anders als für die US-Staatsanwaltschaft ist der Job der Usada, den Sport sauber zu halten und nicht, Strafgesetze durchzusetzen", sagte Usada-Chef Travis Tygart.

Zuvor hatte Staatsanwalt Andre Birotte junior erklärt, dass die strafrechtliche Untersuchung gegen Mitglieder und Verantwortliche eines Radteams im teilweisen Besitz von Lance Armstrong geschlossen worden seien. Es wird somit keine Anklage wegen Betrugs und missbräuchlicher Verwendung von Steuergeldern geben.

Rund zwei Jahre lang hatten die staatlichen Ermittler nach Beweisen für ein Dopingprogramm in den Jahren 1999 bis 2005 in Armstrongs früherem Team US Postal gesucht. Offenkundig waren Chefermittler Jeff Novitzky und Co. aber Zweifel gekommen, Armstrong auf diesem Wege überführen zu können. Eine offizielle Begründung für die Einstellung der Ermittlungen gibt es noch nicht.

Doping ist auch in den USA kein eigener Straftatbestand, der missbräuchliche Umgang staatlicher Gelder jedoch schon. Daher prüfte Novitzky, ob die Verantwortlichen von US Postal ein Dopingprogramm finanzierten. Der Ermittler hatte bei der Aufklärung der Machenschaften des US-Unternehmens Bay Area Laboratory Co-Operative (Balco) erfolgreiche Arbeit geleistet.

Im Rahmen der sogenannten Balco-Affäre waren etliche Sportler des Dopings überführt worden. Sie hatten massiv Steroide und Wachstumshormone über Balco bezogen und zur Leistungssteigerung eingesetzt.

Usada-Chef Travis Tygart will hingegen an Armstrong dranbleiben. "Unsere Untersuchungen gegen Doping im Radsport werden fortgesetzt." Er setzt dabei auch auf die Erkenntnisse des Novitzky-Teams. "Wir warten schon darauf, die Informationen zu bekommen, die in der staatlichen Untersuchung gesammelt wurden."

Seit Jahren Dopingvorwürfe gegen Armstrong

Sollte Armstrong nachträglich des Dopings überführt werden, würden ihm unter anderem seine beiden letzten Siege bei der Tour de France aberkannt werden. Der US-Amerikaner gewann die Frankreich-Rundfahrt von 1999 bis 2005. Die Titel aus den Jahren vor 2004 können Armstrong wegen der achtjährigen Verjährungsfrist des Radsport-Weltverbandes (UCI) nicht mehr genommen werden.

Armstrong zeigte sich erleichtert über die Entscheidung der US-Staatsanwaltschaft, die Ermittlungen zu beenden. "Ich freue mich jetzt darauf, mein Leben als Vater, Wettkämpfer und Anwalt für den Kampf gegen Krebs ohne diese Ablenkung fortzusetzen", ließ er über einen Sprecher mitteilen.

Seine aktive Laufbahn als Radsportler hatte Armstrong im Februar 2011 beendet. Der heute 41-Jährige war stets mit Doping in Verbindung gebracht worden, hatte aber immer betont, niemals unerlaubte Mittel angewendet zu haben.

Das Gegenteil behauptete unter anderem sein Landsmann und ehemaliger Teamkollege Floyd Landis, dem selbst sein eigener Tour-Sieg 2006 wegen Dopings nachträglich aberkannt worden war. Landis hatte Armstrong beschuldigt, nicht nur selbst gedopt, sondern auch Teamkollegen erklärt zu haben, wie man nicht erwischt werde. Er selbst, so Landis, sei Zeuge gewesen, wie Armstrong und andere Fahrer illegale Substanzen verwendet hätten.

Zudem hatte die Ehefrau von Armstrongs früherem Teamkollegen Frankie Andreu in einem Interview mit dem Magazin "Sports Illustrated" erklärt, Armstrong habe gegenüber den Ärzten, die ihn wegen seiner Hodenkrebs-Erkrankung behandelten, die Einnahme von leistungssteigernden Mitteln zugegeben.

Eine Untersuchung des im Anti-Doping-Kampf traditionell sehr nachlässigen Radsport-Weltverbandes hatte Armstrong von dem Vorwurf entlastet, bei seinem Tour-Sieg 1999 mit dem Glykoprotein-Hormon Erythropoetin (Epo) gedopt zu haben. Zuvor hatte die französische Sporttageszeitung "L'Equipe" berichtet, dass sechs Dopingproben von Armstrong Epo-Spuren enthalten hätten.

Auch die zeitweilige Zusammenarbeit mit dem umstrittenen italienischen Sportarzt Michele Ferrari ("Dottore Epo") hatte Armstrong immer wieder in ein schlechtes Licht gerückt. Der ehemalige Radsportler bezeichnete Ferrari, der 2004 wegen Sportbetrugs zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt worden war, noch 2011 als "einen guten Freund".

ach/mib/sid/dpa/dapd

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