Fahrerflucht Ullrich-Spritztour endet auf Polizeiwache

Harte Zeiten für Jan Ullrich. Nachdem die Polizei wegen Fahrerflucht den Führerschein des Telekom-Profis einbehalten hat, ermittelt nun auch die Staatsanwaltschaft. Der Arbeitgeber des Porsche-Fahrers ist ebenfalls nicht sehr erfreut.


Jan Ullrich: Offenbar ein paar Gläser zuviel
DPA

Jan Ullrich: Offenbar ein paar Gläser zuviel

Freiburg - Für Jan Ullrich war es ein ganz besonderer Tanz in den Mai. Der Tour-Zweite des vergangenen Jahres rammte in der Nacht vor dem Tag der Arbeit nach einem missglückten Wendemanöver ein Geländer und demolierte etliche Fahrräder. Doch anstatt den Unfall in der Nähe des Freiburger Hauptbahnhofs zu melden, brauste Ullrich in seinem Porsche davon.

Ein Zeuge beobachtete jedoch den Vorfall, notierte sich das Kennzeichen und informierte die Polizei. Die Ordnungshüter ermittelten alsbald Ullrich als Halter des Fahrzeugs. Auf der Wache wurde dem 28-Jährigen eine Blutprobe entnommen. Deren Ergebnis steht bislang allerdings noch nicht fest, der Führerschein wurde einbehalten.

Mehrere Gläser Wein vor dem Crash

Ullrich-Manager Wolfgang Strohband bestätigte am Freitag jedoch, dass sein Schützling am Abend des Unfalls mehrere Gläser Wein getrunken habe. Der Start des Telekom-Fahrers bei der Tour de France (6. bis 28. Juli) sei ernsthaft gefährdet, betonte Strohband. Der Frust über die anhaltenden Knieschmerzen, die eine Teilnahme bei der 89. Frankreich-Rundfahrt immer unwahrscheinlicher werden ließen, seien auch der Auslöser des Unfalls gewesen.

Die Staatsanwaltschaft hat sich bereits in den Fall eingeschaltet. "Wir ermitteln wegen mehrerer Verkehrsdelikte", hieß es in Freiburg. Der Fremdschaden belaufe sich auf etwa 1700 Euro, Personen seien jedoch nicht verletzt worden.

Team Telekom droht Ullrich mit Konsequenzen

Das Team Telekom reagierte sofort auf den Ausritt ihres Vorzeigefahrers. "So ein Verhalten von ihm als Mannschaftsführer unseres Teams ist nicht in Ordnung. Da werden wir uns gemeinsam mit Teamchef Walter Godefroot noch zusammensetzen müssen", erklärte der sportliche Leiter Rudy Pevenage am Freitag. Nach Informationen der "Bild"-Zeitung befanden sich neben Ullrich auch noch dessen Teamkollege Alexander Winokurow und zwei jüngere weibliche Personen im Auto, mit denen der Tour-Sieger von 1997 zuvor eine Discothek besucht hatte.

In jüngster Zeit hatte Ullrich wiederholt für negative Schlagzeilen gesorgt - allerdings im sportlichen Bereich. Der Telekom-Kapitän konnte wegen einer Knieverletzung kaum trainieren und musste in der Vorbereitung auf die Tour de France kürzer treten. Den Giro d'Italia (11. Mai bis 2. Juni) sagte Ullrich vor wenigen Tagen bereits ab. Stattdessen hatte der gebürtige Rostocker geplant, bei der Bayern-Rundfahrt (22. bis 26. Mai) und der Deutschland-Tour (3. bis 9. Juni) zu starten.



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