Doping im Radsport Heftige Kritik an Warnstrategie der UCI

Der Radsport-Weltverband hat jahrelang mögliche Dopingsünder vor drohenden Sperren gewarnt - aus Sicht der Welt-Anti-Doping-Agentur ein unmögliches Vorgehen. Eine solche Strategie sei im Kampf gegen Leistungsmanipulation komplett kontraproduktiv, so die Wada.
Ex-IOC-Boss Samaranch, Ex-UCI-Chef Verbruggen, Ex-Toursieger Armstrong: Gute Freunde

Ex-IOC-Boss Samaranch, Ex-UCI-Chef Verbruggen, Ex-Toursieger Armstrong: Gute Freunde

Foto: Alessandro Della Valle/ dpa

Hamburg - Die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada geht weiter auf Distanz zum Radsport-Weltverband UCI. Die Behörde wies Aussagen des UCI-Ehrenvorsitzenden und langjährigen Präsidenten Hein Verbruggen zurück, wonach es bei den Sportverbänden üblich sei, Athleten bei auffälligen Blutwerten zu warnen.

Verbruggen, der durch die Dopingaffäre um Lance Armstrong heftig in die Kritik geraten war, hatte in einem Interview berichtet, verdächtigen Fahrern mitgeteilt zu haben, dass sie unter Beobachtung stünden. Der Niederländer verteidigte die offenbar auch bei Armstrong angewendete Praxis mit dem Ziel "Prävention durch Abschreckung und Repression".

"Dieser Ansatz steht im völligen Gegensatz zu einem effektiven Anti-Doping-Kampf", teilte die Wada mit. Die Behauptung Verbruggens, wonach diese Vorwarnpolitik nicht nur im Radsport üblich sei, wies die Wada zurück. Ihr lägen keine Hinweise vor, wonach andere internationale Verbände "atypische Bluttests oder andere Kontrollen mit den Athleten besprechen", hieß es.

UCI sieht darin Teil einer "Zwei-Säulen-Strategie"

"Fahrer wurden gewarnt, dass sie unter Beobachtung stehen", hatte der 71-jährige Verbruggen gesagt. Dies sei Teil einer "Zwei-Säulen-Strategie" gewesen, die Betrüger zu finden, aber auch, Fahrer vom Doping abzubringen. Die Wada zweifelt diese Absicht an. "Jeder Verband, der so etwas tun würde, würde sich angreifbar machen und seine Unparteilichkeit und Glaubwürdigkeit gefährden", heißt es in dem Statement.

Im Zuge des Falls Armstrong ist die Kritik der Wada an der UCI zunehmend gewachsen. So lehnte die Wada beispielsweise die von der UCI selbst gegründete unabhängige Untersuchungskommission ab, die sich mit dem Verhalten des Verbands während der Armstrong-Ära auseinandersetzen soll. Gerade Verbruggen, der bis Sommer 2002 im Vorstand der Wada saß und dort Fortschritte eher behindert haben soll, steht im Mittelpunkt der Kritik zahlreicher Anti-Doping-Kämpfer.

aha/dpa/sid
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