Doping-Prozess Fuentes-Vernehmung verschoben

Wer auf Enthüllungen am ersten Verhandlungstag gehofft hatte, wurde enttäuscht. Der Auftakt des Prozesses gegen den spanischen Doping-Doktor Eufemiano Fuentes war geprägt von Verzögerungen und Verfahrensfragen. Am Dienstag soll es ergiebiger werden.
Dopingarzt Fuentes: Prozess beginnt mit Verzögerung

Dopingarzt Fuentes: Prozess beginnt mit Verzögerung

Foto: SERGIO PEREZ/ REUTERS

Hamburg - Prozessauftakt mit Hindernissen: Erst klärte das Gericht in Madrid am Montag mit den Anwälten der Angeklagten zwei Stunden lang Verfahrensfragen. Dann wurde die mit Spannung erwartete Aussage von Eufemiano Fuentes im möglicherweise spektakulärsten Doping-Prozess der Sportgeschichte auf Dienstag verschoben.

Dann sollen auch die vier Mitangeklagten José Ignacio Labarta, Manolo Saiz, Vicente Belda Vicelo und Fuentes-Schwester Yolanda, eine Ärztin, gehört werden. Für alle fordert die Staatsanwaltschaft Haftstrafen bis zu zwei Jahren und ein ähnlich langes Berufsverbot sowie Geldstrafen bis zu rund 16.000 Euro.

Zu den 35 Zeugen, die bis zum geplanten Prozessende am 22. März vernommen werden sollen, gehört auch der deutsche Radprofi und geständige Dopingsünder Jörg Jaksche. Zu den 58 in den Fuentes-Akten aufgeführten Klienten zählt auch der frühere Tour-de-France-Sieger Jan Ullrich. Betroffen sind insgesamt rund 200 Sportler, darunter Tennisprofis, Fußballer, Leichtathleten und Schwimmer.

Doping-Forscher glaubt nicht an spektakuläre Enthüllungen

Der Prozess hatte am Montagmorgen mit rund 75 Minuten Verspätung begonnen. Bis zur Vertagung auf Dienstag versuchten die Anwälte der Angeklagten, die Zulassung von Beweismitteln zu verhindern und die geplante Vernehmung der Zeugen zu verzögern.

Die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) und der Weltradsportverband UCI sind bei dem Prozess als Nebenkläger vertreten. Die Wada erhofft sich von dem Verfahren Aufschlüsse darüber, ob auch Profis anderer Sportarten die Dienste von Fuentes in Anspruch genommen haben. In den offiziellen Akten der spanischen Ermittler sind nur die Namen von Radsportlern aufgeführt.

Der Mainzer Doping-Forscher Perikles Simon glaubt nicht, dass der Prozess gravierende Konsequenzen haben wird. "Ich bin ein bisschen skeptisch", sagte der renommierte Mediziner am Montag im Deutschlandradio Kultur. Simon bemängelte, dass es für Ärzte zwar in allen europäischen Ländern sehr gefährlich sei, mit Drogen zu handeln, die Verabreichung von Dopingmitteln aber "eigentlich relativ unkritisch" vonstattengehen könne.

Der Sportmediziner sagte, er verstehe nicht, wieso der Skandal erst jetzt vor Gericht komme, ergänzte aber mit Blick auf Deutschland: "Ich sehe nicht, dass es in Deutschland zu anderen Situationen käme als jetzt hier in diesem spanischen Prozess. Das ist eigentlich für mich die interessante Quintessenz. Wir müssen nur auf die deutsche Situation gucken, hier passiert eigentlich auch nicht besonders viel."

aha/sid/dpa
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