Fancy-Bear-Attacke Hacker greifen Antidopingagenturen an

Kurz vor Beginn der Ermittlungen gegen die russische Antidopingagentur soll es Cyberangriffe gegen zahlreiche Sportorganisationen gegeben haben. Die Hackergruppe wird dem russischen Geheimdienst zugeordnet.
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Christinne Muschi/ REUTERS

Mindestens 16 nationale und internationale Sport- und Antidopingorganisationen auf drei Kontinenten sollen von Hackern ins Visier genommen worden sein. Das gab das Softwareunternehmen Microsoft bekannt. Die Cyberangriffe hätten am 16. September begonnen, kurz vor der Einleitung des Verfahrens gegen die russische Antidopingagentur (Rusada) wegen angeblich manipulierter Labordaten. Einige der Attacken seien erfolgreich gewesen, die Mehrzahl aber nicht, hieß es ohne weitere Details.

Ausgeführt habe diese die Hackergruppe Strontium, die auch unter den Namen APT 28 oder Fancy Bear bekannt ist. Nach Einschätzung westlicher Geheimdienste handelt es sich um eine Einheit des russischen Militärgeheimdienstes GRU.

Die Gruppe hatte in den vergangenen Jahren unter anderem die Welt-Antidopingagentur (Wada) und die US-Antidopingbehörde (Usada) attackiert und dabei auch medizinische Daten von Sportlern veröffentlicht. Darunter waren auch die Namen von Athleten, die mit einer offiziellen Ausnahmegenehmigung (TUE) Mittel genommen haben, die auf der Dopingliste stehen.

Fancy Bear hatte zudem einen Zwischenbericht der Usada über den Leichtathletiktrainer Alberto Salazar vom inzwischen geschlossenen Nike Oregon Project öffentlich gemacht. Salazar wurde wegen Verstößen gegen die Antidopingregularien für vier Jahre gesperrt.

Entscheidung über Rusada-Ausschluss noch in diesem Jahr

Unterdessen teilte die Wada mit, dass in der Frage eines Ausschlusses der russischen Antidopingbehörde Rusada derzeit die russischen Antworten auf einen Fragenkatalog geprüft würden. Anschließend werde das Wada-Exekutivkomitee schnellstmöglich über das weitere Vorgehen und mögliche Sanktionen beraten. Eine Entscheidung könne demnach noch in diesem Jahr fallen.

Sollte die Rusada erneut ausgeschlossen werden, droht Russland eine empfindliche Strafe. Diese könnte bis zu einem Ausschluss russischer Sportler von den Olympischen Spielen in Tokio 2020 reichen.

Eine Chronologie zum russischen Dopingskandal, der die Sportwelt nunmehr seit Jahren beschäftigt, finden Sie hier.

sak/sid/dpa/AP
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