Amateur-Schiedsrichter in NFL Fehlentscheidungen gefährden Footballer

Weil die offiziellen Referees vom Spielbetrieb ausgeschlossen sind, pfeifen derzeit Amateure die Partien der NFL. Die sind mit dieser Aufgabe deutlich überfordert und haben sich schon zum Saisonauftakt krasse Fehler geleistet. Die Gesundheit der Profis steht auf dem Spiel.

Footballstar Manning (2.v.r.): Diskussionen mit dem Schiedsrichter
AFP

Footballstar Manning (2.v.r.): Diskussionen mit dem Schiedsrichter


Hamburg - Wenn Models, mit nichts bekleidet als Unterwäsche, Schulterschutz und Helm, auf einem Football-Feld gegeneinander kämpfen, kann man als männlicher Schiedsrichter schon einmal vom sportlichen Geschehen abgelenkt werden. Craig Ochoa, eigentlich Referee der äußerst erfolgreichen nordamerikanischen Lingerie Football League, ist solchen Ablenkungen in seinem neuen Job nicht ausgesetzt.

Und doch: Als er zum ersten Mal eine Partie der National Football League (NFL) leitete - eine große Ehre -, brachte Ochoa die Mannschaften durcheinander, er wusste nicht einmal mehr, wer den Münzwurf gewonnen hatte. Als Schiedsrichter einer der wichtigsten Sportligen in den USA.

Verwirrt, überfordert: So fühlen sich derzeit offenbar etliche Referees, die die Aufgabe übernommen haben, NFL-Partien zu leiten. Denn eigentlich sind sie Schiedsrichter in Amateur- und Kinderligen - nicht zu vergleichen mit dem Anspruch und dem Druck in der NFL. Sie ersetzen die offiziellen Referees, die wegen eines Gehaltsstreits mit dem Football-Verband derzeit vom Betrieb ausgesperrt sind. Wie lange noch, ist unklar, die jüngsten Verhandlungen brachten keine Einigungen. Angeblich gehen die Vorstellungen beider Seiten in Bezug auf Bezahlung und Rentenansprüche um rund 60 Millionen US-Dollar auseinander.

Referees trafen spielverändernde Fehlentscheidungen

Bei den Vorbereitungsspielen fielen die schwachen Schiedsrichterleistungen noch nicht so ins Gewicht, doch am 5. September hat die neue Saison begonnen. Mit den Ersatz-Referees. Sie sollen noch mindestens bis zum fünften Spieltag im Einsatz bleiben, 17 Spieltage dauert die reguläre Spielzeit der NFL, bevor die Playoffs beginnen. Was bislang eher einer unfreiwillig grotesken Show gleicht, könnte so noch gravierendere Auswirkungen auf den Lieblingssport der US-Amerikaner haben.

Bereits am ersten Spieltag, den die Super-Bowl-Sieger New York Giants gegen die Dallas Cowboys eröffneten, trafen die Amateur-Schiedsrichter spielverändernde Fehlentscheidungen: Regelkonforme Spielzüge wurden abgepfiffen, Spieler wurden für Aktionen bestraft, die sie nicht ausgeführt hatten, Regeln wurden falsch, oft zu weich ausgelegt. Das wissen die Spieler auszunutzen - was das offenbar größte Problem verursacht.

Zum zweiten Mal wurden NFL-Schiedsrichter ausgeschlossen

Da weniger aufmerksam gepfiffen wird, passieren mehr Fouls, das Spiel wird brutaler und unkontrollierter. DeMaurice Smith, Vorsitzender der Spielervereinigung, ist deshalb um die Sicherheit der Spieler besorgt: "Auf einer Skala von eins bis zehn stellt die Situation eine zwölf dar", sagt er.

So beschwerte sich etwa Mario Williams von den Buffalo Bills über zahlreiche, nicht geahndete Schläge ins Gesicht. Und Troy Aikman, vormals Quarterback und mittlerweile Fernseh-Kommentator, stellte nach den ersten Partien der Saison fest: "Ich habe sehr viele illegale Aktionen gesehen, die zu schweren Verletzungen führen können." Die Amateur-Schiedsrichter gefährdeten mit ihrer mangelnden Erfahrung die Gesundheit Spieler. Drew Brees, Quarterback der New Orleans Saints, erklärt: "Es ist, als ob man junge Spieler vor eine Topmannschaft stellt und sie vorführt. Wie sollen sie so Selbstvertrauen und Stärke entwickeln?"

Dabei ist es nicht das erste Mal, dass NFL-Referees vom Spielbetrieb ausgeschlossen wurden. Vor elf Jahren befand sich die Liga in einer ähnlichen Situation, doch damals kamen die Ersatzmänner aus dem semiprofessionellen College-Sport. Diese erfahreneren Schiedsrichter wollten den NFL-Spielleitern diesmal jedoch nicht in den Rücken fallen und so deren Verhandlungs-Basis schwächen.

So kommt es, dass zum Beispiel ein Referee wie Michael Malito ein Spiel zwischen den Giants und den Jacksonville Jaguars pfeifen darf, obwohl er zuvor für Highschools und kleinere Colleges zuständig war. "Und plötzlich soll er jemanden wie Eli Manning zurechtweisen?", fragt Jim Tunney. Als der frühere Star-Referee 1960 in der NFL angefangen habe, sei er auch unsicher gewesen - aber er habe viele erfahrende Menschen um sich gehabt, die ihm bei wichtigen Entscheidungen auf dem Platz geholfen hätten. "Doch wen sollen diese armen Kerle fragen?" Die Spieler ganz sicher nicht.

psk



insgesamt 17 Beiträge
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Seite 1
730andmore 12.09.2012
1. phantasievoller Name
Drew Best, New York Saints, QB????? Wahrscheinlich ist da Drew Brees, QB von New Orleans Saints gemeint?
d-a-f-f-y 12.09.2012
2. ...
Es ist also die Schuld der Schiris, wenn die "Gewalt" im Spiel zeigt?? Komischer Denkansatz. Wenn ich als Spieler glaube, dass das Spiel gefährlicher geworden ist, dann liegt es doch in meiner eigenen Verantwortung die Unsicherheit der Schiris nicht immer gnadenlos auszunutzen, oder? Da halte ich eher die Spieler für pupertierende kleine Jungs, die denken sie könnten jetzt mal die Sau rauslassen...
socsss 12.09.2012
3.
Zitat von sysopAFPWeil die offiziellen Referees vom Spielbetrieb ausgeschlossen sind, pfeifen derzeit Amateure die Partien der NFL. Die sind mit dieser Aufgabe deutlich überfordert und haben sich schon am ersten Spieltag der neuen Saison krasse Fehler geleistet. Die Gesundheit der Profis steht auf dem Spiel. http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,855358,00.html
George Best, QB. Brees heißt der Mann!
ookomix 12.09.2012
4. Wer korrigiert den die Texte?
Drew Best verhält sich zu New York Saints wie Lionel Ronaldi von Real Barcelona. Drew Brees von den New Orleans Saints wäre echt cooler gewesen.
brehn 12.09.2012
5. Ach ja
Sollen Sie froh sein, dass den Zirkus überhaupt jemand weiterpfeifft, können ja auch solange Pause machen.
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