Fehlstart der Miami Heat Schatten im Sonnenscheinstaat

Die Erwartungen an die Miami Heat waren riesig, umso größer ist die Enttäuschung nach dem schwachen Start in die NBA-Saison. Zuletzt setzte es für LeBron James und Co. eine Pleite gegen Boston. Heat-Trainer Erik Spoelstra mahnt zur Geduld - doch im Team rumort es schon jetzt.

Miami-Profis James (r.), Haslem: Durchwachsener Auftakt in die Saison
REUTERS

Miami-Profis James (r.), Haslem: Durchwachsener Auftakt in die Saison

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Wohl nicht einmal die Fans in Cleveland oder Toronto hätten sich einen solchen Fehlstart der Miami Heat träumen lassen. Was sie nicht davon abhält, die Anlaufschwierigkeiten des neuen Erzfeindes zu genießen. Die Fan-Foren der Cavaliers und Raptors überbieten sich derzeit in Sachen Schadenfreude.

Die 107:112-Heimniederlage gegen die Boston Celtics war die dritte Pleite der Heat in Folge. Statt einsam an der Spitze der Eastern Conference zu stehen, belegt Miami mit einer Bilanz von fünf Siegen bei vier Niederlagen nur Platz fünf im Osten.

Zur Erinnerung: Die Top-Stars LeBron James (Cleveland) und Chris Bosh (Toronto) hatten ihren Teams im Sommer den Rücken gekehrt und in Florida angeheuert. Zusammen mit Guard Dwyane Wade formen sie das wohl beste Trio der Liga - zumindest auf dem Papier. Auf dem Parkett dagegen hapert es an der Abstimmung beim Meisterschaftskandidaten gewaltig.

Dabei liefen nach den spektakulären Verpflichtungen der Sommerpause bereits die Wetten: Würden die Heat den einsamen Saisonrekord der Chicago Bulls aus der Spielzeit 1995/1996 knacken? Nur zehn Mal verlor das Team um NBA-Legende Michael Jordan damals in 82 Partien. Doch davon ist vorerst keine Rede mehr.

Nach dem Celtics-Spiel versuchte sich Wade, der die Heat 2006 zum bisher einzigen Meistertitel der Clubgeschichte geführt hatte, zwar noch in Galgenhumor: "Wir sind mit Sicherheit das beste 5-4-Team der Liga", sagte er mit Blick auf die vier Niederlagen in den ersten neun Spielen. Doch der Fehlstart ist spätestens nach der zweiten Saisonschlappe gegen den Rivalen aus Boston komplett.

"Wir geraten jetzt ganz bestimmt nicht in Panik", versuchte auch Trainer Erik Spoelstra die letzten Auftritte seiner Star-Truppe herunterzuspielen. "In den letzten 48 Stunden haben wir angefangen, uns wirklich kennenzulernen. Das ist gut. Manchmal muss man stolpern."

Bittere Niederlage gegen die Utah Jazz

Was die Heat nur zwei Tage vor dem Celtics-Spiel in eigener Halle geboten hatten, war mit "stolpern" noch schmeichelhaft umschrieben. Gegen die Utah Jazz gab Miami eine Acht-Punkte-Führung in den letzten 40 Sekunden des Spiels noch aus der Hand - und kassierte in der Verlängerung die erste Heimpleite der neuen Spielzeit.

"Wir schaffen die 360-Grad-Wende"

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Nach erst zwei Wochen der regulären Saison ist es für die Heat tatsächlich zu früh, ernsthaft in Unruhe zu geraten. Die Schwächen des Kaders, vor allem auf der Center- und Point-Guard-Position, waren schon vor der Saison bekannt. Nur dürften die Heat spekuliert haben, diese mit der Strahlkraft ihres Top-Trios unsichtbar machen zu können. Dies gelingt trotz guter Leistungen von Wade und James nicht immer.

Vor der Saison war in der Heat-Fan-Szene eine weitere Frage angeregt diskutiert worden: Würde es dem recht jungen, unerfahrenen Trainer Spoelstra gelingen, die Egos seiner Leistungsträger im Zaum zu halten? Bei allen medienwirksamen Freundschaftsbekundungen müssen sich Wade und James auf dem Platz ihrer Rollen bewusst sein. Vor allem muss bald klar werden, wer das zusammengewürfelte Team aus dem "Sunshine State" anführt. Hier ist der Trainer gefragt.

James beschwert sich über Spielzeit

Welche Mammutaufgabe Coach Spoelstra vor sich hat, konnte er nach der Boston-Pleite feststellen. Da meckerte James öffentlich über zuviel Einsatzzeit für sich und den wichtigsten Teamkollegen. "44 Minuten sind zu lang für mich. Ich denke, das weiß der Trainer auch. 40 Minuten sind zu viel für Wade. Wir brauchen unsere Energie am Ende des Spiels", sagte James der Internetseite yahoosports.com.

So schädlich die Trainerschelte für die Teamchemie sein dürfte, könnte sie immerhin James' äußerst dürftige Leistung in der Schlussphase erklären. Ein vergebener Korbleger, zwei verpatzte Freiwürfe und ein katastrophaler Drei-Punkte-Wurf in den letzten Minuten verdarben einen ansonsten starken Auftritt, bei dem James ein Triple-Double mit 35 Punkten, zehn Rebounds und neun Assists nur knapp verpasste.

Es ist sicher nur eine Frage der Zeit, bis die Heat ihre Startschwierigkeiten überwunden haben und um die Spitze im Osten mitspielen werden. Bis dahin zelebrieren jedoch auch die Konkurrenten die Pleitenserie beim Team aus Südflorida.

Zumindest Celtics-Forward Paul Pierce konnte sich nach der Partie einen Seitenhieb in Richtung James nicht verkneifen. Per Twitter-Kurzmitteilung ließ er die Welt vom Teambus aus wissen. "Es war mir ein Vergnügen, mein Talent nach South Beach bringen zu dürfen." Mit beinahe identischen Worten hatte James im Juli seinen Wechsel zu den Heat verkündet.



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Phil41 13.11.2010
1. .
guter artikel. kann aber in einem punkt nicht ganz zustimmen. die heat sind auf der power-forward position überdurschnittlich gut besetzt. einmal natürlich mit chris bosh und nicht zu vergessen udonis haslem der schon im meisterteam 2006 eine nicht geringe rolle gespielt hat. wenn dann ist die andere schwachstelle die 1 (point guard). sollte wade auf sg spielen und james auf sf dann haben die heat auf der eins eine echte schwachstelle zusätzlich zur 5 (center). noch ist es aber tatsächlich zu früh die heat abzuschreiben. interessant wird es erst wenn sie sich bis zum all-star break nicht gefunden haben und immer noch zu viel verlieren. dann kann es sehr schnell sehr unruhig werden... und pat riley wird auf die trainerbank zurückkehren.
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